Herkunftsländer sollen für Studis zahlen

Numerus-Clausus-Flüchtlinge

Herkunftsländer sollen für Studis zahlen

 Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (S) tritt dafür ein, dass angesichts der immer größer werden Zahl von deutschen Studierenden an Österreichs Hochschulen die Herkunftsländer für ihre ins Ausland ausgewichenen Numerus-Clausus-Flüchtlinge den Studienplatz bezahlen sollen. Mit ihrem Plan sei sie bei EU-Bildungskommissarin Androulla Vassiliou auf offene Ohren gestoßen. Vassiliou habe Österreich aufgefordert, Bündnispartner für eine diskriminierungsfreie EU-weite Lösung zu suchen, erklärte Burgstaller am Donnerstag in Brüssel.

Deutsche Studenten in der Überzahl
  Sie verwies darauf, dass der Anteil von deutschen Studenten beim Masterstudium Psychologie bei 86 Prozent im Studienjahr 2011/2012 liege. Nur 12,5 Prozent seien Österreicher, die restlichen 1,5 Prozent verteilen sich auf andere Staaten. "Ich bin sehr für eine offene Universität, aber das kann nicht zulasten der österreichischen Steuerzahler gehen". Außerdem gehe es auch um die Qualität eines Studiums. Wenn die Entsendestaaten für ihre in Österreich studierenden Jugendlichen bezahlen müssten, könnte dieses Geld dem Ausbau von Studienplätzen gewidmet werden.

Neue Regelung
  Diese Regelung könnte auf lange Frist auch die jetzige Übergangslösung mit der Medizinerquote ablösen, die bis 2016 von der EU-Kommission geduldet wird. Burgstaller kann sich dann ab 2017 eine für alle Studienrichtungen geltende Vereinbarung auf EU-Ebene vorstellen. "Notwendig ist eine intelligente Lösung, die die Mobilität fördert und nicht diskriminierend ist". Sie habe auch schon mit der schottischen Bildungsministerin gesprochen, die ein ähnliches Problem mit den Briten habe. In Großbritannien gebe es Studiengebühren von bis zu 9.000 Pfund (rund 10.300 Euro), in Schottland braucht man nichts fürs Studium zu bezahlen. Vergleichbare Probleme gebe es auch zwischen Belgien und Frankreich, Belgien und den Niederlanden sowie auch zwischen Portugal und dem spanischen Galizien.

Zugangsbeschränkungen
   Insgesamt tritt Burgstaller dafür ein, die Studienanzahl früher zu beeinflussen. "Ich bekenne mich zu Zugangsbeschränkungen auf Basis von Qualifizierung, ich halte aber nicht viel vom Numerus Clausus. Wer eine Durchschnittsnote von 2,9 hat, kann ein Mathematikgenie sein, das wir nicht vertreiben dürfen". Allerdings könnte es sehr wohl eine entsprechend gestaltete Studieneingangsphase geben. Die Landeshauptfrau verwies dabei auf die private Salzburger Medizinuniversität, wo es mehrtägige Einschätzungen der Bewerber gebe und auch bewertet werde, ob jemand sozial geeignet sei, beispielsweise zähle auch eine aktive Mitarbeit beim Roten Kreuz. Dagegen gebe es in Österreich im Lehrerbildungsbereich eine "perverse Situation". Wer beispielsweise als Pflichtschullehrer bei einer Pädagogischen Hochschule (PH) nicht genommen werde, könne ungehindert an der Uni ein AHS-Lehramt studieren. "Das ist himmelschreiend", empört sich Burgstaller.

   Zu einer Studiengebühr bekennt sie sich grundsätzlich, obwohl damit das Problem nicht gelöst würde. "Aber man kann das jetzt nicht einführen, weil die Bedingungen für die Studierenden so schlecht sind." Was die politisch festgefahrene Situation zwischen den Koalitionsparteien im Bildungsbereich betrifft, würde sie "aufatmen, wenn die ÖVP bei der Schule nachgibt und die SPÖ bei der Hochschule".

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