Aufstand unserer Wirtschaft

Nach Treichls Wutrede

Aufstand unserer Wirtschaft

Seiten: 12

Am Ton der Politikerschelte von Banker Treichl stoßen sich zwar viele – aber in der Sache stößt er in der Wirtschaft auf Zustimmung.

Der Rundumschlag von Erste-Group-Chef Andreas Treichl gegen die Politiker erhitzte gestern weiter die Gemüter. Der Banker hatte sich am Freitagabend in Rage geredet und gesagt, unsere Politiker seien "blöd und feig" und hätten "keine Ahnung von Wirtschaft". Treichl selbst hatte tags zuvor massive Schelte seitens der Politik wegen der Verdopplung der Gagen für seine Aufsichtsräte kassiert.

Treichls "Wutrede" entzündete sich konkret an den neuen Kreditvergaberegeln, die für Darlehen an vertrauenswürdige Firmen viel schärfer sind als bei griechischen Staatsanleihen.

Treichl: "Emotionelle 
Aus­sagen wohl notwendig"
Im Ton überzogen, in der Sache sei was Wahres dran: So reagierten viele am Montag auf Treichls Äußerungen. In der Wirtschaft weiß der Banker viele hinter sich. "Unmut und Frust sind groß", sagt etwa Airliner Niki Lauda. Und Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner meint: "Andreas Treichl hat den Punkt getroffen. Daran ändern auch der Ton und die Verallgemeinerung nichts." Auch für Ex-Billa-Chef Veit Schalle liegt Treichl richtig: "Es ist positiv, dass einer das einmal klar ausspricht." Hannes Androsch hingegen hält nichts von "Verbalinjurien" und will Lösungen sehen.

Ex-ÖVP-Wirtschaftsminister Johannes Ditz ortet ein Fehlen überzeugender wirtschaftspolitischer Antworten, daraus resultiere auch, dass die Idee einer eigenen Wirtschaftspartei wieder aufkeime. Die Grüne und Unternehmerin Monika Langthaler hat zwar "Verständnis für Treichls Aussagen und den Frust über Reformstillstand", allerdings hätten die Banken viel Geld vom Staat bekommen, daher sei Kritik von dieser Seite etwas unpassend.

Treichl selbst sagte gestern: "Offensichtlich muss man emotionelle Bemerkungen machen, um damit andere emotionelle Bemerkungen zu beenden und eine Sachebene zu erreichen." Ansonsten wolle er sich nicht äußern.
 

Airliner Niki Lauda teilt Polit-Ärger:

ÖSTERREICH: Herr Lauda, teilen Sie den Frust über die Politik?
Niki Lauda: Ich kann nur sagen, dass ich einen ziemlichen Verdruss habe und mir manchmal schwertue, unter den herrschenden Bedingungen hier motiviert zu arbeiten. Vieles kritisiere ich seit Jahrzehnten, aber nichts ändert sich. Wenn ich meinen Bereich, die Luftfahrt, hernehme und dann beispielsweise lesen muss, wie die Postenbesetzung am Flughafen Wien läuft oder dass sich dort etwa die Frau Petrovic als Expertin beworben hat, dann wundere ich mich – und mein Verdruss wird immer größer.

ÖSTERREICH: Aber Quereinsteiger sind doch oft erfrischend?
Lauda: Um kompetente Entscheidungen zu treffen, braucht es Wissen und Erfahrung. Auch wenn man nichts gelernt hat und lange auf einem Gebiet im Job ist, kann man viel lernen. Aber in der Politik wechseln sie immer wieder von einem Ressort ins andere, ohne Zusammenhang mit Erfahrung und Vorgeschichte. Mir fehlt manchmal echt die Lust, unter diesen Bedingungen zu arbeiten. Und anderen Unternehmern in Österreich geht es ähnlich. Unmut und Verdruss sind groß.

ÖSTERREICH: Was halten Sie von der Idee einer neuen Wirtschaftspartei?
Lauda: Eine neue Partei gegen die bestehenden zu gründen, ist schwierig – weil die anderen nach dem Prinzip ,Jeder hilft jedem‘ funktionieren – man stünde dann abseits im Bereich ‚Keiner hilft keinem‘. Ich weiß nicht, ob es da genügend Support gäbe. Unser politisches System ist einfach so. Gut wäre, wenn die Politiker dafür sorgen würden, dass Menschen ins System kommen, die Entscheidungskompetenz haben.

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Autor: A. Sellner
Seiten: 12
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