Kathrin Zechner soll den ORF retten

ÖSTERREICH-Interview

Kathrin Zechner soll den ORF retten

Diesen Donnerstag wird Kathrin Zechner (48) nicht vergessen. Um die Mittagszeit präsentierte Generaldirektor Alexander Wrabetz die scheidende Wiener Musical-Intendantin als neue „Super-Direktorin“ des ORF, zuständig für Information und Programm (259.000 Euro Jahresgage). Und am Abend präsentierte sie selbst im Ronacher ihre letzte Musical-Produktion Sister Act.

Steirerin
Die gebürtige Grazerin hatte bereits vor ihrem Intermezzo bei den Vereinigten Bühnen Wien eine ORF-Amtszeit absolviert. Mit allen Wassern gewaschen beim Privatsender tele5 und in der TV-Software-Schmiede Endemol (Big Brother), war sie 1995 von Gerhard Zeiler zur ORF-Programmintendantin gekürt worden. In ihre „Ära“ fallen Reality-TV-Adaptionen wie Taxi Orange, Serienlangstreckenläufer wie Kommissar Rex, Julia und Schloss­hotel Orth sowie das hartnäckige Talk-Format von Barbara Karlich.

Söhne
Zechner ist Feministin und alleinerziehende Mutter. Stanislaus (12) stammt aus einer Verbindung mit dem Schauspieler Erwin Steinhauer, Rithy (8) ist ihr kambodschanischer Adoptivsohn.

 

Das ÖSTERREICH-Interview:

ÖSTERREICH: Wie können Sie im Zeitalter von Sat-TV und Internet die Jugend zurück zum ORF bringen?
Kathrin Zechner: Fernsehen ist Knochenarbeit, das heißt in diesem Fall: analysieren, evaluieren, optimieren. Das sind die Arbeitsschritte der nächsten Wochen … Das bietet jetzt zwar weniger Schlagzeilen, ist aber der Job.

ÖSTERREICH: Konkreter geht es noch nicht?
Zechner: Ich bin keine Aktionistin, der eine Schlagzeile – „Oh, sie hat schon ein Format in der Tasche, wie wunderbar!“ – wichtiger wäre als professionelle Arbeit.

ÖSTERREICH: Kann man heute noch so viel fürs Fernsehen entwickeln, wie das in Ihrer ersten Amtszeit möglich war? Da gab’s etwa „Taxi Orange“ als österreichische Antwort aufs deutsche „Big Brother“ …
Zechner: Es ist nach wie vor möglich und reizvoll, eigene Formate zu entwickeln. Es ist ebenso reizvoll, fremde Formate zu adaptieren, und es ist nicht unanständig, gute Formate einzukaufen. Und das ist alles mit Knochen­arbeit verbunden.

ÖSTERREICH: Können Sie uns trotzdem einen Schwerpunkt nennen?
Zechner: Wo es sicher einen Schwerpunkt geben wird, ist der fiktionale Bereich (Anm.: Filme, Serien). Denn der ist die Handschrift jedes Senders. Und der ist beim ORF zwar gut aufgestellt, aber er muss ausgebaut werden im Sinne einer Seherbindung.

ÖSTERREICH: Denken Sie speziell an Eigenproduktionen?
Zechner: Ich denke an Eigenproduktionen, Koproduktionen, internationale Koproduktionen. Denn ich bin zutiefst davon überzeugt, dass man gerade über den fiktionalen Mehrwert Seherbindung erzeugen kann.

ÖSTERREICH: Schlagwort: In einer globalen Welt wären mehr regionale Formate sinnvoll …
Zechner: Solange es nicht ausschließlich ist, ja! Natürlich muss man auch Internationales anbieten. Aber für die Seher ist es eminent wichtig, dass sie Österreichisches sehen und spüren.

ÖSTERREICH: Die heimische Filmwirtschaft kann sich also über Zechner freuen?
Zechner: In jedem Fall. Wobei ich mir immer die Freiheit herausnehmen werde, zu lesen, zu urteilen und dann das Beste für den Sender auszuwählen. Das ist kein Beliebt­heitsjob, sondern ein Knochenjob. Offenes Ohr: ja! Trotzdem werde ich aus hundert Projekten zehn aussuchen wollen und müssen.

ÖSTERREICH: Sie haben sich selbst als „Lokomotive“ bezeichnet. Keine sehr schmeichelhafte Metapher …
Zechner: … Zugkraft! Da ist doch nur ein Bild! Ob Sie das jetzt negativ oder positiv bewerten …

ÖSTERREICH: … ich habe nichts gegen Lokomotiven …
Zechner: Es gibt beim ORF hervorragende Abteilungen, die einen guten Job machen und mit denen ich analysieren, bewerten und arbeiten werde. Aber einer oder eine muss ziehen: Das ist die Lok.

ÖSTERREICH: Vor Ihnen war nur Helmut Zilk Super-Direktor des ORF. Welche Assoziationen weckt der Name Zilk?
Zechner: Eine sehr lustvoll streitbare. Wir haben viel diskutiert, viel gestritten – sehr herzlich, sehr intelligent. Ich war noch sehr jung.

ÖSTERREICH: Sie haben zwei Kinder, werden die nicht zu kurz kommen?
Zechner: Nein, ich verschaffe mir bewusst Freiräume – und Freizeiten – für die Kinder und nutze diese auch wirklich. Was natürlich energetisch oft auf mich „fordernd“ zurückfällt.

ÖSTERREICH: Wie sehen diese Freiräume aus?
Zechner: Wir betreiben Sport, blödeln, diskutieren. Das versuche ich, durchzuhalten. Und wenn es darum geht, Weihnachten mit den Kindern oder mit dem ORF zu verbringen – dann immer die Kinder an erster Stelle!

Autor: Christoph Hirschmann
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