03. Oktober 2009 21:11
Genau vor einem Jahr war die Welt für Werner Faymann noch heil. Bei der
Nationalratswahl hatte er den ersten Platz für seine Partei geholt und nahm
sich ein paar Tage Auszeit in Venedig. Heute kann von Erholungstagen im
Süden keine Rede sein. Im Gegenteil: Seit den verlorenen Landtagswahlen in
Vorarlberg und Oberösterreich läuft es auch für den SPÖ-Bundeskanzler –
freundlich ausgedrückt – mies.
Historisches Tief
In der ersten großen Umfrage nach dem roten Debakel
in Oberösterreich enthält die ÖSTERREICH-Gallup-Umfrage
unter 400 Befragten viele bad news für Faymann:
- Die SPÖ stürzt auf katastrophale 27 Prozent hinter die ÖVP.
Die Pröll-Partei zieht auf 35 Prozent davon.
- Das heißt: Aus dem Kopf-an-Kopf-Duell ist ein Sololauf geworden. In
der letzten Gallup-Umfrage vor zwei Wochen lagen SPÖ und ÖVP
mit jeweils 32 Prozent gleich auf. Nun trennen sie 8 Prozent.
- Aber nicht nur die SPÖ verliert dramatisch. Auch Faymann baut im
Sog der OÖ-Wahl rapide ab: In der Kanzlerdirektwahl würden ihn
nur 35 Prozent direkt wählen. Für VP-Vizekanzler Josef Pröll
würden hingegen 38 % votieren.
- Noch düsterer schaut es im monatlich von Gallup für ÖSTERREICH
erhobenen Politbarometer aus: Im Dezember 2008 – unmittelbar nach
seiner Kür zum Kanzler – kam Faymann noch auf 43 Prozent
Zustimmung. Jetzt sind es nur noch 22 Prozent.
Faymann ist schuld
Für die Bundes-SPÖ bitter. Die Österreicher
geben nicht den teils maroden SP-Länderorganisationen die Schuld am Absturz.
- Ganze 57 Prozent sind der Meinung, dass „Werner Faymann für
die Krise seiner Partei mitverantwortlich“ sei.
- Nur 32 Prozent glauben hingegen, dass Faymann seine „Partei besser
im Griff“ habe als sein Koalitionspartner Josef Pröll –
von Pröll glauben das zumindest 50 Prozent.
- Aber immerhin 50 Prozent ist Faymann „in letzter Zeit positiv
aufgefallen“. 56 Prozent erklären das von Josef Pröll.
Dass einzelne SPÖ-Funktionäre wieder einmal eine Obmanndiskussion anzetteln
wollten, können die Österreicher hingegen nicht nachvollziehen.
Kanzler soll bleiben
Eindeutige 67 Prozent sprechen sich gegen
einen Rücktritt von Werner Faymann als SPÖ-Chef aus. Trotzdem hat der
Kanzler wohl noch einige Arbeit vor sich. Faymann muss nun in der Regierung
zwar „auf Kurs bleiben“, wie er es sagt, aber dennoch „klar machen, wofür
wir als SPÖ stehen“.
Und natürlich muss er vor den so wichtigen Wahlen in Wien, Burgenland und
Steiermark 2010 auch versuchen, die rote Abwanderung hin zur FPÖ zu stoppen.
Wären kommenden Sonntag Nationalratswahlen, käme die FPÖ bereits auf 20
Prozent der Stimmen. Die SPÖ will nun mittels Integrationspolitik kontern.