ÖSTERREICH-Interview

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Strache: 2015 Bürgermeister in Wien

HC Strache ist ein Phänomen. Kein Politiker urlaubt so viel wie er. In diesem Jahr war er schon zweimal auf den Malediven, zweimal auf Ibiza, dazwischen am Wörthersee, in Italien.

Keiner arbeitet aber auch so hart wie er, tourt so oft durch Österreich, ist auf ­jedem Kirtag, in (fast) jedem Bierzelt.

Während sich Faymann und Spindi im Büro abschwitzen, geht Strache zu den Wählern – und legt von Monat zu Monat in den Umfragen zu. In der neuen Gallup-Umfrage liegt die FPÖ schon bei 28 % und er erstmals mit Faymann in der Kanzlerfrage gleichauf.

Im Sommer-Interview mit Wolfgang Fellner legt Strache zum ersten Mal mit überraschender Offenheit seinen „Master-Plan“ für die eigene Zukunft offen.

Im Jahr 2015 will Strache am Weg ins Kanzleramt einen stark an Jörg Haider erinnernden Zwischenschritt einlegen: Er will – sagt er erstmals ganz offen im Interview – zunächst Wiener Bürgermeister werden.

Strache will seine Kam­pagne für die Wien-Wahl ganz explizit unter das Motto „Wählt Strache statt Häupl zum Wiener Bürgermeister“ stellen.

Das Duell Häupl–Strache dürfte damit das politische Highlight des kommenden Jahres werden. Der FPÖ-Chef träumt ganz ernsthaft davon, dass er den Sprung auf den Bürgermeister-Sessel schafft und die SPÖ als Junior-Partner gewinnen kann.

Mit dem Wien-Bonus im Rücken will Strache dann die Nationalratswahl 2018 schlagen. Den Auftakt dafür soll schon in diesem Herbst ein Volksbegehren für eine „große Steuerreform“, sprich: eine Steuersenkung, bilden. Strache will den Eingangssteuersatz von derzeit 36 % auf 25 % senken.

Zusätzlich will er eine Volksbegehrens-Initiative gegen Flüchtlinge überlegen. Kein Flüchtling, der – wie etwa die Syrien-Flüchtlinge – in Griechenland oder Italien gelandet ist, soll mehr in Österreich Asyl erhalten.

Interessant auch Straches Sicht der Außenpolitik. Er mag Viktor Orbán, schätzt Putin. Er hält es für möglich, dass die Ukraine das Passagierflugzeug abgeschossen hat und nicht die Rebellen. Und er würde als Kanzler nie Sanktionen gegen Russland beschließen.

Strache: "Mein Plan ist: 2015 Wiener Bürgermeister und 2018 Kanzler"

ÖSTERREICH: Herr Strache, Sie haben den beneidenswertesten Job der Republik. Sie sind permanent auf Urlaub und gewinnen trotzdem in allen Umfragen dazu.
HC STRACHE: Das sind verzerrte Neidbilder, die Sie da aufbauen, Herr Fellner. Die Realität sieht anders aus: Ich war im Juli sechs Tage auf Urlaub und nehme jetzt im August meinen wohlverdienten Urlaub mit meinen zwei Kindern so wie jeder Arbeitnehmer. Ich bin ein Mensch, der sehr hart und verantwortungsvoll arbeitet, manche sagen sogar, ich sei ein Workaholic. Ich mache in zwei Monaten das Arbeitspensum von vier und brauche wie jeder Mensch meine Auszeit, um wieder Energie zu sammeln.

ÖSTERREICH: Kanzler und Vize haben im Juli durchgearbeitet, verlieren trotzdem.
STRACHE: Das ist doch ein Schmäh. Faymann und Spindelegger sind den ganzen Sommer abgetaucht, gar nicht da. Häupl ist vier Wochen in der Toskana.

ÖSTERREICH: Sie haben Urlaub in einem Disco-Hotel gemacht. Das ist für einen Politiker ungewöhnlich.
STRACHE: Wieder so ein falsches Zerrbild! Ich war im Ushuaia-Tower, ein Hotel für über 30-Jährige, bei dem nebenan bis Mitternacht Disco für unter 30-Jährige ist. So what? Ich hab mir dort David Guetta angeschaut, weil ich seine Musik mag. Ich hab Sie auch schon mal bei Guetta getroffen – auch Sie zeigen menschliche Regungen.

ÖSTERREICH: Man wird aber keinen Kanzler finden, der in Disco-Hotels urlaubt.
STRACHE: Das ist eben der Unterschied – ich bin halt nicht so fad wie andere.

ÖSTERREICH: In den Umfragen sind Sie klare Nummer 1. Trauen Sie sich den Kanzler wirklich zu?
STRACHE: Ich bin davon überzeugt, dass ich den Job gut ausüben kann. Ich habe meine Partei von 3 % auf 28 % geführt. Und ich glaube, dass ich diese erfolgreiche Arbeit auch auf der größeren Ebene der Republik umsetzen kann.

ÖSTERREICH: Wie sieht denn Ihr Plan für den Weg ins Kanzleramt aus?
STRACHE: Die nächste Wahl, die auf uns zukommt, wird die Wiener Gemeinderatswahl sein. Hier sehe ich die Chance, als FPÖ zu beweisen, wie man eine rot-grüne Regierung, die völlig versagt hat, ablösen kann. Wien wird die Wahl, bei der ich vermitteln kann, dass ich, wenn ich zum Bürgermeister gewählt werde, niemanden ausgrenzen werde. Wer 2015 in Wien die SPÖ wählt, bekommt Grün. Wer aber Strache zum Bürgermeister wählt, bekommt eine neue SPÖ als kleineren Koalitionspartner.

ÖSTERREICH: Das ist aber nicht Ihr Ernst?
STRACHE: Das ist mein voller Ernst!

ÖSTERREICH: Sie wollen in Wien Bürgermeister werden?
STRACHE: Wenn meine Partei das will, werde ich 2015 in Wien als Bürgermeister kandidieren und das Amt auch annehmen, wenn ich gewählt werde.

ÖSTERREICH: Das Duell soll Strache gegen Häupl heißen? Und das wollen Sie allen Ernstes gewinnen?
STRACHE: Häupl ist doch in Wahrheit schon in Pension. Er ist nicht mehr zugegen. Wer Häupl wählt, der wählt eine Mogelpackung, weil Häupl ganz sicher keine weiteren fünf Jahre mehr als Bürgermeister arbeiten wird. Schon jetzt führt ja die Frau Vassilakou die ­Geschäfte. Ein Horror.

ÖSTERREICH: Und Sie sind keine Mogelpackung? Sie wechseln doch bei erster Gelegenheit ins Kanzleramt.
STRACHE: Ich lege meine Karten offen: Wenn mich die Wiener 2015 in die Verantwortung des Bürgermeisters wählen, hätte ich Gelegenheit zu beweisen, wie ich diese Stadt drei Jahre lang deutlich besser führe als Häupl: sozial gerechter ohne Gebührenlawine, deutlich sicherer mit 1.500 Polizisten mehr, ohne grünen Verkehrsirrsinn. Und dann würde 2018 selbstverständlich die Möglichkeit für die Wähler bestehen, das Modell, das sich in Wien bewährt hat, auch auf Bundesebene zu wählen. Wenn mich die Wähler dann 2018 zum Kanzler wählen, wäre das in der Verantwortungskette der nächste logische Schritt.

ÖSTERREICH: Das Modell erinnert sehr stark an den seligen Jörg Haider. Der wollte auch in Kärnten beweisen, wie kanzlerfähig er ist. Heute ist Kärnten pleite. Sind Sie Haider, der Zweite?
STRACHE: Ich bin HC Strache, der Erste. Von Haider trennen mich Welten. Gerade in dieser Frage. Haider hat immer gesagt: Ich reduziere mich auf Kärnten und stehe darüber hinaus nicht zur Verfügung. Ich dagegen stehe dort zur Verfügung, wo mich der Wähler will. Und würde selbstverständlich auch die Kanzlerverantwortung übernehmen.

ÖSTERREICH: Können Sie mir erklären, wer Sie in Wien zum Bürgermeister wählen soll?
STRACHE: Selbstverständlich der Wähler. Wir hatten beim letzten Mal 26 % in Wien und ein Plus von 12 %. Wenn das Plus diesmal ähnlich groß ist, können Sie sich ausrechnen, dass wir die Nummer 1 schaffen können.

ÖSTERREICH: Für die Bürgermeisterwahl brauchen Sie dann aber mehrere Koalitionspartner. Die ÖVP allein wird nicht reichen.
STRACHE: Ich halte 2015 ­einen politischen Dammbruch in dieser Stadt für möglich. Die SPÖ wird ein Desaster erleben und dann ganz neu beginnen. Warum nicht als unser Koalitionspartner?

ÖSTERREICH: Und im Bund?
STRACHE: Auch da wird es 2018 ein politisches Erdbeben geben. Faymann ist der schlechteste Kanzler der 2. Republik. Noch schlechter als Sinowatz. Faymann wird 2018 keiner mehr wählen.

ÖSTERREICH: Viele Wähler sehen Sie aber als zu großes Risiko als Kanzler.
STRACHE: Das haben viele bei Viktor Orbán in unserem Nachbarland Ungarn auch gesagt. Heute macht er eine sehr verantwortungsvolle Politik und zeigt in der EU Rückgrat.

ÖSTERREICH: Orbán ist für Sie ein Vorbild? Für viele ist er eine Horrorfigur.
STRACHE: Ich habe kein Vorbild, aber ich finde es gut, dass er vor der EU nicht in die Knie geht. In der ganzen EU wird ein Umdenken nötig sein. Wer weiß, ob nicht die nächste französische Präsidentin Marine Le Pen sein wird. Und wer weiß, wie der Volksentscheid in Großbritannien ausgehen wird.

ÖSTERREICH: Würde Ihre erste Amtshandlung als Kanzler eine Volksabstimmung über den EU-Austritt sein?
STRACHE: Meine wichtigste Amtshandlung würde sein, die Macht, die man mir gibt, den Bürgern zurückzugeben und endlich direkte Demokratie sicherzustellen. Und natürlich würde ich sofort beginnen, so wie Cameron unsere Mitgliedsbedingungen in der EU zu verbessern und nachzuverhandeln. Dann soll das Volk befragt werden, ob es unter verbesserten Bedingungen in der EU verbleiben will.

ÖSTERREICH: Was wollen Sie verändern im Land?
STRACHE: Als Erstes muss eine neue Regierung für mehr Budget-Transparenz sorgen. Unsere Schulden sind höher als zugegeben. Die liegen über 90 % vom BIP. Wenn da nicht bald was passiert, fährt das Land gegen die Wand.

ÖSTERREICH: Was müsste in Wahrheit passieren?
STRACHE: Wir müssen endlich die Sparvorschläge vom Österreich-Konvent umsetzen. Das sind zehn Milliarden. Weg mit dem Verwaltungs-Speck, weg mit dem Subventions-Irrsinn. Das Gebot der Stunde ist eine große Steuersenkung, bei der der Eingangssteuersatz auf nur mehr 25 % runtergeht, damit die Wirtschaft wieder angekurbelt wird. Da werden wir diese Schlafwagen-Regierung im Herbst gewaltig unter Druck setzen.

ÖSTERREICH: Und wie?
STRACHE: Das kann eine Kampagne sein oder ein Steuer-Volksbegehren.

ÖSTERREICH: Planen Sie ein Ausländer-Volksbegehren?
STRACHE: Die Flüchtlings-Situation ist untragbar geworden. Ich will, dass in Österreich endlich die Dublin-2-Regelung umgesetzt wird. Jeder Flüchtling, der aus einem Nachbarland einreist, muss zurückgeschickt werden.



 

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