20. November 2009 13:09
Der parlamentarische Konflikt zwischen Opposition und Regierungsparteien hat
sich am Freitag weiter verschärft. SPÖ und ÖVP setzten Verhandlungen über
die Ausweitung der Minderheitenrechte (Einsetzung von
Untersuchungsausschüssen als Minderheitenrecht) aus. Grund dafür ist der
Pakt der Opposition im aktuellen Untersuchungsausschuss gegen die
Regierungsfraktionen, in dem unter anderem die Blockade von
Zweidrittel-Materien beschlossen wurde. Die Opposition schäumt und spricht
von einer Retourkutsche, Vertreter der Regierungsparteien verlangte eine
Aussprache der Klubobleute im Parlament.
Deutsches Modell
Die Verhandlungen im Geschäftsordnungskomitee
betreffen unter anderem verstärkte Minderheitenrechte der Opposition bei der
Einberufung von Untersuchungsausschüssen. SPÖ und ÖVP hatten sich
grundsätzlich dazu bereiterklärt, Vorlage solle das deutsche Modell sein.
Grund für die Eskalation des Konflikts ist die Weigerung der
Regierungsparteien, im laufenden Spionage-Ausschuss Minister aussagen zu
lassen. Um die Ladungen der zuständigen Ressortchefs zu erzwingen, haben die
Oppositionsparteien gestern einen Pakt geschlossen. Darin halten sie fest,
bis Ende März 2010 keinen Zweidrittel-Materien (Verfassungsgesetze)
zuzustimmen. Die Regierung braucht für solche Vorhaben die Stimmen
mindestens einer Oppositionspartei.
Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (S) bestätigte den vorläufigen
Abbruch der Verhandlungen, "die Regierungsparteien sehen sich außerstande,
weiterzuverhandeln". Auch sie pocht auf eine Fortsetzung: "Ich habe
ausdrücklich betont, wie wichtig die Reform ist." Der Konflikt im laufenden
Untersuchungsausschuss zeige die Notwendigkeit neuer Regeln und einer neuen
Verfahrensordnung. Die jetzigen "Troubles" würde es nicht geben, hätte man
bereits ähnliche Bestimmungen wie in Deutschland, so Prammer laut
Parlamentskorrespondenz. Man brauche eine Schiedsstelle zur Klärung
strittiger Verfahrensfragen in U-Ausschüssen.
Auch Otto Pendl, Vertreter der SPÖ im Geschäftsordnungskomitee, sieht das
Einfrieren der Verhandlungen nicht so dramatisch wie die Opposition. Wir
haben ausgemacht, dass das auf Klubobleute-Ebene diskutiert wird." Natürlich
habe man weiter Interesse an einer Neuorganisation von U-Ausschüssen. Pendls
ÖVP-Pendant Beatrix Karl sieht ebenso weniger einen Abbruch als ein
Aussetzen der Verhandlungen. Wenn die Opposition bereit sei,
Zweidrittel-Matereien zu besprechen, "wo sie sich selbst Vorteile
heraushandeln kann", müsse sie auch so wichtige Beschlüsse wie Kinderrechte
diskutieren.
Martin Graf, der für die FPÖ im Geschäftsordnungskomitee sitzt, sprach
von einer "billigen Retourkutsche für die gestrige Oppositionsübereinkunft",
wären die Vertreter der Regierungsparteien lesewillig, wüssten diese, dass
man ruhig weiterverhandeln könne. Herbert Scheibner vom BZÖ bezeichnet das
Aussetzen der Verhandlungen des Geschäftsordnungskomitees als "wirklich
skandalös". Er ortet eine "Arbeitsverweigerung" und "Blockade wichtiger
Reformen". Und auch die Grüne Eva Glawischnig betonte, dass man sehr wohl
bereit sei, Zweidrittel-Materien zu verhandeln, auch wenn es einstweilen
keine Beschlüsse gebe.