Terrordrohung gegen 5.000 Österreicher

Koptische Weihnacht

© EPA/Ahmed Youssef, TZ ÖSTERREICH/Niesner

Terrordrohung gegen 5.000 Österreicher

Heute herrscht in Paris, Berlin, Rom, London und Wien erhöhte Terrorwarnung: Denn am 6.1. feiern die koptischen Christen schließlich ihr Weihnachten. Und die Kopten stehen im Visier der radikalen Terrororganisation Al-Kaida. Dessen irakischer Arm hat auf seiner Homepage eine „Todesliste“ mit Namen von über 130 Kopten auf der ganzen Welt veröffentlicht – auf jener Liste stehen auch 15 Kopten aus Österreich.

Aber auch sämtliche Kirchen – etwa jene in Alexandria, in der ein Selbstmordattentat über 20 Menschen tötete – wurden als „Terrorziele“ von der Terrorgruppe „Islamischer Staat Irak“ aufgelistet.

In ganz Europa werden heute daher die Sicherheitsvorkehrungen für Kopten – Christen aus Ägypten – massiv verstärkt.

Das heimische Innenministerium lässt etwa heute sämtliche koptischen Kirchen in Österreich durch Spezialeinheiten zusätzlich beschützen. Besonders aufmerksam wird die koptische Kirche vor der Wiener UNO-City geschützt.

5.000 Kopten leben in Österreich, 15 Aktivisten
In Österreich leben insgesamt rund 5.000 Kopten. 15 – einer davon ist allerdings bereits verstorben – stehen als Aktivisten besonders im Visier der Islamisten.

Sie sind Journalisten und Geistliche, die sich für die Rechte der Christen in Ägypten engagieren. Und damit zum „Todesziel“ der Al-Kaida mutieren.

In Österreich solidarisiert sich Kardinal Christoph Schönborn ebenso mit den koptischen Christen wie die heimische Politik. Insbesondere VP-Außenminister Michael Spindelegger geht nun im ÖSTERREICH-Interview in die Offensive.

Spindelegger: „Christenverfolgung stoppen“
Der schwarze Außenminister möchte, dass die „EU aktiver wird“. Nach dem Terrorattentat von Alexandria hat Spindelegger bereits mit Italiens Außenminister Frattini telefoniert. Gemeinsam mit Italien und Polen will er ein Engagement gegen die Christenverfolgung zum Thema des nächsten EU-Rates machen. Der Vorschlag dürfte auf Zustimmung stoßen. Denn auch in Deutschland und Frankreich wird die Terrorwarnung gegen europäische Kopten „sehr ernst“ genommen.

Derzeit befinden sich die EU-Geheimdienste jedenfalls in enger Kooperation, um blutige Anschläge gegen Kirchen in Europa zu verhindern. Und auch die US-Geheimdienste sind längst eingeschaltet, denn auch Kopten aus den USA werden bedroht.

Alle gemeinsam hoffen, dass die Kopten ihr Weihnachten heute friedlich feiern können.

VP-Außenminister Spindelegger im Interview:
ÖSTERREICH: Reicht Ägyptens Reaktion auf das Terrorattentat gegen Kopten aus?
Michael Spindelegger: Ich appelliere an Ägyptens Präsident Husni Mubarak, solche Attentate künftig zu verhindern. Das Recht der koptischen Christen auf die Ausübung ihrer Religion muss geschützt werden.

ÖSTERREICH: Auch Kopten aus Österreich und anderen EU-Ländern stehen auf der „Todesliste“ der Al-Kaida. Was soll die EU machen?
Spindelegger: Wir müssen als Europäer in dieser Frage entschiedener auftreten und noch aktiver werden. Ich werde dieses Thema beim nächsten Rat der EU-Außenminister ansprechen. Ich habe auch mit Italiens Außenminister über die weitere EU-Vorgangsweise telefoniert. Wir werden auf eine gemeinsame europäische Initiative zur Religionsfreiheit auf EU-Ebene drängen.

ÖSTERREICH: Wie gefährdet sind Christen?
Spindelegger: Die Christenverfolgung nimmt dramatisch zu. 70 Prozent der Religionsverfolgten sind Christen. Österreich bewirbt sich für einen Sitz im Menschenrechtsrat der UN. Wir wollen uns dort für Religionsfreiheit und gegen Christenverfolgung einsetzen.

Autor: Isabelle Daniel
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