Am Neusiedler See lauern Gefahren

Wind und Wellen

© NTG/Andrea Sikorski

Am Neusiedler See lauern Gefahren

An manchen Sommertagen heißt es für Surfer, Segler und Schwimmer am Neusiedler See im Burgenland Acht geben: Starker Wind und damit einhergehender hoher Wellengang machen das flache Gewässer für Wassersportler gefährlich. Aber auch "Leichtsinn" der Betroffenen sei für Unfälle verantwortlich, so Paul Gross, Bademeister im Strandbad Neusiedl am See. Sich im Falle des Kenterns am Surfbrett festzuklammern oder ein Handy mitzunehmen, sind nur einige Vorschläge, um einen Badetag unbeschadet zu verbringen.

Wellengang wird unterschätzt
Oft werde der Wellengang unterschätzt, meinte Gross. Aufgrund der Wassertiefe komme es zu sehr kurzen, verschieden hohen Wellen, die ständig brechen. Der Neusiedler See, der dieses Jahr einen vergleichsweise hohen Wasserstand von rund 1,90 Meter hat, kann bei starkem Wind Wellen bis zu zwei Meter haben: "Die sind höher als der See tief ist", so Norbert Riedl, Präsident des Landesverbandes der Österreichischen Wasserrettung. Ein Wetterumschwung kann binnen Minuten erfolgen und der Wind dreht sich. "Da sieht man noch auf der einen Seite die Wolken und schon ist das Unwetter da", so Riedl.

Auf Sturmwarnungen achten!
Ein guter Schwimmer schafft unter diesen Bedingungen höchstens 200 bis 300 Meter, wobei die Schwimmer "disziplinierter" wie die Surfer sind, wenn es um die Beachtung der Sturmwarnungen geht. Denn diese würden laut Gross teilweise ignoriert: "In den Anfängen des Surfens war die Sturmwarnung das Signal für die Surfer ins Wasser zu starten, weil ja dann viel Wind ist." Es sei aber "Leichtsinn, Sturmwarnungen zu missachten". Im Laufe des August soll eine neue Lichtanlage für die Sturmwarnung installiert werden, so der Bademeister. Dennoch sei "Eigenverantwortung gefordert". Am Neusiedler See gibt es keine Badeaufsicht und keine Rettungsschwimmer.

"Es gibt einfach gewisse Dinge, die eingehalten gehören" ermahnte Riedl. So soll man nicht nach einem langen Sonnenbad überhitzt ins Wasser springen, sondern sich zuerst abkühlen. Nach dem Essen warten, weil der Körper mit der Verdauung beschäftigt ist und "nicht noch zusätzliche Arbeit braucht". Sowie eine gewisse Kenntnis über das Gewässer "wäre auch wünschenswert" - über die Tiefe oder gibt es Strudel, Unterbau, usw.

Handys mitnehmen
Zudem sollten Surfer ihre Handys mitnehmen, verpackt in "wasserdichten Tascherln", die man "eh schon überall bekommt und mit denen es möglich ist, auch im Wasser zu wählen und Hilfe zu rufen", meinte Gross. Rudolf Cucka, Einsatzstellenleiter der Österreichischen Wasserrettung in Breitenbrunn, ergänzte, dass man sich im Fall des Kenterns nicht von der im See treibenden Ausrüstung entfernen, sondern sich unbedingt festklammern soll: "Man schafft es nicht zum Ufer, die Strömung ist zu stark. Die zieht sich bis zum Grund hinunter, weil der See so nieder ist. Die zieht einem die Füße weg, weil die Kraft von unten kommt."

Sich von der Ausrüstung nicht zu entfernen sei auch deswegen wichtig, weil das Surfbrett oder Boot rund zwei Kilometer weit zu sehen ist - im Gegensatz zu Schwimmern, die als "Punkterl" vielleicht 150 Meter zu sehen sind. Deswegen sei es unter anderem auch wichtig, eine Schwimmhilfe mitzunehmen, wie beispielsweise eine Luftmatratze. Auch eine ohnmachtssichere Weste, die einen aufblasbaren Kragen hat, damit das Gesicht nicht unter Wasser gerät, wäre von Vorteil. "Die tragen aber viel zu wenige", beklagte Cucka. "Der größte Fehler ist, dass sich die Sportler überschätzen und den See unterschätzen. Die denken sich: 'Das Lackerl sauf' ma aus'."

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