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Honeymoon in Bagdad

Luxushotels, Wellnessanlagen, Golfplätze - das sind nicht unbedingt die ersten Assoziationen, die mit dem Namen Bagdad verbunden sind. Doch genau diese sollen in der irakischen Hauptstadt entstehen, wenn es nach dem Tourismusverband des Landes geht. Geplant ist eine touristische Nobeladresse: Die "Hochzeitsinsel" mitten im Tigris soll innerhalb der nächsten fünf Jahre für Flitterwöchner und andere Luxustouristen ausgebaut werden. Eine bis drei Milliarden Dollar (730 Millionen bis 2,2 Milliarden Euro) will Verbandschef Hamud el Jakubi für den Bau dieses Komplexes zusammenbringen. Dazu appelliert er an Investoren, ihre Vorbehalte angesichts Bagdads angespannter Sicherheitslage zu überwinden.

Luxushotel und Golfplatz
"In den 80er Jahren war die Hochzeitsinsel ("Dschasirat el A'arass") bei Paaren beliebt für Eheschließungen und Flitterwochen", sagt Jakubi. Das etwa zwei Quadratmeter große Eiland im Süden der Stadt hat seiner Einschätzung nach "das Potenzial, zukünftig eine der touristischen Hauptattraktionen Bagdads zu werden". Der Komplex soll ein Luxushotel umfassen, Anlagen für Badegäste und Wassersport, einen Golfplatz, Villen und Restaurants. Jakubi betont, beim Bau neuer Gebäude müssten Investoren den traditionellen osmanischen Stil beachten.

Beliebt bei Bagdadern
Die Insel ist nach wie vor beliebt bei den Bagdadern, die hier für ein Eintrittsgeld von umgerechnet 30 Euro-Cent am Ufer flanieren können. "Es gibt heutzutage keine Unterkunftsmöglichkeit auf dieser Insel", klagt ihr Verwalter, Faik Achmed. "Aber es kommen immer noch viele Besucher." Von dem geplanten Projekt pharaonischen Ausmaßes weiß er noch nichts. Umgeben ist die Insel von Mauern aus Betonblöcken, auf denen verblichene Comiczeichnungen von Micky Maus, Tom und Jerry oder Pu dem Bären zu sehen sind. Waffen sind hier verboten, da die Insel gleich neben der schwer gesicherten Grünen Zone der irakischen Hauptstadt liegt. Auch dort plant die Regierung den Bau eines Fünf-Sterne-Hotels mit 300 Zimmern für umgerechnet 70 Millionen Euro in unmittelbarer Nähe zu Saddam Husseins einstigem Palast.

Keine internationale Hotelkette im Irak
Bis heute ist im Irak keine internationale Hotelkette vertreten, der durch die Sanktionen der Vereinten Nationen seit den 90er Jahren vom Massentourismus abgeschnitten ist. Seit der US-geführten Invasion 2003 müssen die sechs Millionen Einwohner Bagdads täglich mit Anschlägen rechnen, für Touristen ist das Land zwischen Euphrat und Tigris praktisch nicht zugänglich.

Grüne Zone
Zur Umsetzung ihrer ehrgeizigen Vorhaben hoffen die irakischen Behörden nun auf eine Stabilisierung der Lage. Der Standort der Insel nahe der schwer gesicherten Grünen Zone mit der US-Botschaft und den meisten Regierungsgebäuden werde auf ausländische Gäste beruhigend wirken, glaubt Jakubi. "Es gibt immer Sicherheitsprobleme, aber das wird besser", verspricht er. "Die Investitionen sind garantiert, die Besitzverhältnisse der Insel für 50 Jahre gesichert mit Option auf eine Verlängerung, und die Gewinne können voll abgeschöpft werden", seien also steuerfrei, wirbt Jakubi für sein Projekt.

Hohe Investitionen
"Irak ist jetzt offen für Investitionen", sagt auch der Vorsitzende des irakischen Investitionsausschusses, Achmed Ridha. Eine Milliarde Dollar für den Ausbau der Insel seien nicht zu hoch gegriffen, betont er, angesichts von 74 Milliarden Dollar direkter ausländischer Investitionen in den vergangenen sechs Monaten. Gelder aus Großbritannien, Frankreich, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und den USA fließen vor allem in den Aufbau der Ölstadt Basra im Süden des Landes, den internationalen Flughafen von Bagdad sowie die heilige Stadt Nadschaf in Zentralirak.

Tourismus als Haupteinnahmequelle?
Ridha glaubt, der Tourismus werde Öl als Haupteinnahmequelle des Landes ablösen, eine optimistische Einschätzung angesichts der Tatsache, dass die Ölindustrie bisher mehr als 93 Prozent der Einnahmen liefert. "Wir wollen Öl an die zweite Stelle schieben und Tourismus nach oben. Wir haben mit Euphrat und Tigris zwei große Flüsse, wir haben Wüsten, Sumpfland und 10.000 historische Stätten."

Foto: (c) sxc

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