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Tropensturm: 150 tot

© Reuters

"Agatha" bohrt Loch mitten in die Stadt

Der erste Tropensturm dieses Jahres hat in Mittelamerika mehr als 150 Menschen das Leben gekostet. Dutzende Bewohner wurden am Montag noch vermisst, tausende wurden obdachlos. Mehrere Ortschaften waren nach Erdrutschen und Überschwemmungen infolge des Sturms "Agatha" von der Außenwelt abgeschnitten. Am schwersten betroffen war Guatemala, wo nach Behördenangaben 123 Menschen ums Leben kamen. 90 wurden noch vermisst. Rund 110.000 Menschen mussten evakuiert werden.

In der Hauptstadt Guatemala City bohrte "Agatha" zudem ein 60 Meter tiefes Loch in die Erde. Ein dreistöckiges Gebäude wurde einfach verschluckt.

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Foto: AP

Schlammlawinen schließen Menschen ein
Der guatemaltekische Präsident Alvaro Colom sagte, die Zerstörungen seien schwerwiegender als nach den Wirbelstürmen "Mitch" (1998) und "Stan" (2005), die 268 beziehungsweise 669 Menschen das Leben gekostet hatten. Brücken stürzten ein, Straßen wurden weggespült. Zahlreiche von Wassermassen, Geröll- und Schlammlawinen eingeschlossene Menschen mussten mit Hubschraubern von den Dächern ihrer Häuser gerettet werden.

Auch in El Salvador und Honduras hinterließ "Agatha" eine Spur der Verwüstung, und in allen drei Ländern wurde der Notstand ausgerufen. Der Tropensturm war am Samstag mit Geschwindigkeiten von 75 Stundenkilometern auf die Küste getroffen.

An einem Tag so viel Regen wie in einem Monat
Die Ausläufer von "Agatha" brachten der Region von Südmexiko bis nach Nicaragua am Wochenende starken Regen und Überschwemmungen, die Wassermassen lösten Erdrutsche und Sturzfluten aus. In der Hauptstadt Guatemalas fiel nach Angaben von Meteorologen an einem Tag so viel Regen (10,8 Zentimeter) wie normalerweise in einem Monat. In weiten Teilen von der guatemaltekischen Hauptstadt fiel der Strom aus.

In El Salvador gab es den Behörden zufolge fast 180 Erdrutsche. Nach Angaben von Präsident Mauricio Funes fielen dem Unwetter in seinem Land mindestens neun Menschen zum Opfer. Auch wenn der Sturm mittlerweile nachgelassen habe, bleibe die Situation im ganzen Land kritisch, sagte Funes.

Vulkan wird wieder aktiv
In Honduras wurden mindestens 14 Todesopfer gemeldet, rund 3.100 Menschen wurden evakuiert. Dutzende Häuser, Brücken und rund 2.500 Hektar Ackerland wurden zerstört. In zehn Provinzen wurde der Schulunterricht abgesagt. Zahlreiche Flüsse seien über die Ufer getreten, erklärten die Behörden.

"Agatha" hatte sich am Samstag über dem Pazifik zusammengebraut. Am Wochenende schwächte sich der Sturm zu einem tropischen Tief ab. In Guatemala wurde am Montag auch der wiedererwachte Vulkan Pacaya neuerlich aktiv und spie nach mehreren Explosionen glühende Steine und Asche in die luft. Vor allem der Ascheregen bedrohte nahe liegende Ortschaften.

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