Nach historischem Votum

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Frust und blinde Wut in Athen

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Kurz nach 16 Uhr versank die Innenstadt von Athen in nackter Gewalt: Tausende vermummte Demonstranten wollten das „Ja“ zum Sparpaket nicht hinnehmen und belagerten das Parlament: „Wartet nur, bis ihr rauskommt“, skandierten sie. Die Polizisten rund um das Parlament und am Syntagma-Platz konterten mit Tränengas.

Einsparungen von rund 78 Milliarden Euro bis 2015
Die Abstimmung davor im Parlament verlief denkbar knapp: Am Ende machten gerade einmal fünf Stimmen den Unterschied. 155 von 300 Abgeordneten sprachen sich für das Sparpaket der Regierung aus, 138 votierten dagegen. Ein hauchdünnes Resultat: 151 Stimmen waren nötig, um das Gesetz zu verabschieden.
Das Sparpaket sieht zwischen 2012 und 2015 Steuererhöhungen und Abgabenkürzungen von etwa 28 Milliarden Euro und Privatisierungen im Umfang von 50 Milliarden Euro vor. Insgesamt soll die Regierung von Papandreou 78 Milliarden Euro einsparen.
Vor allem die Mittel- und Unterschicht ist betroffen und frustriert: Kfz-Steuer, Mehrwertsteuer und Grundsteuer für Häuser werden erhöht. Angestellte und Beamte müssen „Soli“ von fünf Prozent zahlen. Die Gehälter werden gekürzt, aber die Arbeitszeit wird erhöht – und vieles mehr.

Jetzt kann Griechenland Milliardenhilfe erhalten
Das „Ja“ ist Voraussetzung, dass die EU und der Internationale Währungsfonds die nächste Tranche aus dem 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket freigeben (siehe Kasten). Ohne diese Unterstützung wäre Griechenland schon Mitte Juli zahlungsunfähig gewesen – ganz Europa zitterte deshalb bis zuletzt. Ein „Nein“ des Parlaments hätte auch den Euro in eine schwere Existenzkrise getrieben.

Frust und blinde Wut im Zentrum von Athen

Angst, Frust, Wut. Es ist Mittwoch, kurz vor 16 Uhr Ortszeit. Im Parlament läuft die Abstimmung über das 78-Milliarden-Sparpaket. Auf dem Syntagma-Platz und den Nebenstraßen tobt seit Mittag eine wilde Straßenschlacht. Tausende Vermummte liefern sich erbitterte Kämpfe mit der Polizei. Der letzte Verzweiflungsakt. Die Polizei antwortet mit einer noch nie da gewesenen Tränengasorgie. Der Platz wird im Minutentakt eingenebelt. Es kracht, zischt.

Diashow Eskalation der Gewalt in Athen

Eskalation der Gewalt in Athen

Eskalation der Gewalt in Athen

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Eskalation der Gewalt in Athen

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Eskalation der Gewalt in Athen

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Massive Streiks und Proteste in Griechenland

Massive Streiks und Proteste in Griechenland

Massive Streiks und Proteste in Griechenland

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Massive Streiks und Proteste in Griechenland

Massive Streiks und Proteste in Griechenland

Massive Streiks und Proteste in Griechenland

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Hustend am Boden
Ohne Atemschutzmaske hält es hier keiner mehr aus. Wütende Demonstranten werfen Mistkübel um, zünden den Inhalt an. Steine fliegen. Die Lage eskaliert. Eine Demonstrantin schreit mir zu: „Polizei und Demonstranten schrecken vor nichts mehr zurück.“

Der Syntagma-Platz und umliegende Straßen sind Kampfzone. Nach jedem Tränengashagel schieben die Massen sich in die Nebenstraßen. Ich versuche, mein Hotel zu erreichen, 200 Meter vom Syntagma-Platz entfernt. Als der Portier die elektronisch gesicherte Tür öffnet, schieben sich mit mir drei Dutzend Demonstranten in die Lobby. Die Leute husten, keuchen, ringen nach Luft. Ihre Augen sind knallrot, ihre Gesichter weiß verschmiert: Alle haben Melox im Gesicht, eine weiße Paste, die das Tränengas neu­tralisiert. Eine junge Frau ruft: „Ich sehe nichts mehr!“

Tränengasschwaden ziehen ins Hotel. Chaos pur. Die Leute liegen hustend auf dem Boden, reiben sich die Augen. Auf einem Flachbildschirm in der Lobby läuft gerade die Abstimmung.

„Kampf geht weiter“
16.20 Uhr Ortszeit. Gebannt warten alle auf das Ergebnis. Vor dem Hotel tobt die Schlacht weiter. Vermummte versuchen, das Parlament zu stürmen. Die Polizei schlägt sie zurück.
Dann wird das Ergebnis live im TV bekannt gegeben. Die Parlamentarier stimmen mit „Ja“ für das Sparpaket. Blanke Verzweiflung. Zuerst Stille. Gespenstisch. Dann ein wildes Pfeifkonzert. Einige zünden aus Frust Mülltonnen an. Andere schleudern Steine. Ich treffe Dimitris Janussis (39), einen Chirurgen: „Im Moment haben wir verloren, aber unser Kampf geht weiter.“

Er bricht schon am Abend aus. Am Syntagma-Platz lodern Lagerfeuer, wie von Sinnen dreschen Demonstranten auf Polizeiwagen ein, ins Finanzministerium fliegt ein Brandsatz. „King George“ und „Grand Britannia“ – die zwei Luxushotels müssen evakuiert werden. Gruppen machen Jagd auf Politiker, die das Parlament verlassen. Die ATE-Bank bei der Uni wird gestürmt. „Wir wollen Geld verbrennen“, rufen die Chaoten.
Bis zum Abend gibt es 600 Verletzte. Es ist der Beginn einer langen, lauten Nacht in Athen.
 

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