In uns allen steckt ein Neandertaler

DNA Vergleich

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In uns allen steckt ein Neandertaler

Was "Menschenfeinde" oder Kabarettisten längst vermutet haben, stimmt: Wir sind alle Neandertaler. Genetisch zumindest zu ein bis vier Prozent - und alle Menschen, die nicht aus Afrika stammen. Das ist das Ergebnis der Arbeiten von Svante Pääbo am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, das in der neuesten Ausgabe der US-Wissenschaftszeitschrift "Science" (7. Mai) publiziert wird. Pääbo und sein Team haben rund 60 Prozent des Neandertaler-Genoms sequenziert und mit dem modernen Menschen verglichen.

DNA Vergleich
"Der Vergleich der zwei genetischen Sequenzen erlaubt uns herauszufinden, wo sich unser Genom von jenem unseres nächsten Verwandten unterscheidet", erklärte der Wissenschafter. Die Gen-Sequenz, die in etwas mehr als 400 Milligramm Knochen-Probenmaterial mit einer Milliarde DNA-Bruchstücken von Neandertalern aus Kroatien, Russland Spanien und aus Deutschland (eben der ursprüngliche Fund in Neandertal) entschlüsselt wurde, macht mehr als die Hälfte des Erbmaterials der Frühmenschen aus, die vor rund 30.000 Jahren ausstarben. Der größte Teil stammte von den Überresten von drei Neandertaler-Frauen, deren Knochen 38.000 Jahre alt sind und in der Vindija-Höhle in Kroatien entdeckt wurden.

Afrika ausgenommen
Verglichen wurde die Gen-Sequenz mit jener von insgesamt 50 Menschen aus Europa, Asien und Afrika. Laut den Berechnungen von Pääbo dürften im modernen Menschen ein bis vier Prozent der DNA vom Neandertaler stammen, doch nicht bei allen Menschen. Der Wissenschafter: "Jene von uns, die außerhalb von Afrika leben, haben etwas an Neandertaler-DNA in uns."

Laut den Gen-Vergleichen hinterließen die Neandertaler bei den Europäern, Ostasiaten und Menschen aus dem pazifischen Raum ihre genetischen Spuren. Das ist überraschend, weil beispielsweise in Ostasien noch nie Neandertaler-Relikte gefunden wurden.

Vermischung durch Sex
Die plausible Erklärung von Pääbo: "Die Neandertaler vermischten sich mit dem modernen Menschen wahrscheinlich, bevor Homo sapiens sich in die verschiedenen Gruppen in Europa und Asien aufspaltete." Dies könnte vor 50.000 bis 100.00 Jahren im Nahen Osten geschehen sein, von wo sich die Menschheit dann nach Asien ausbreitete. Aus archäologischen Funden weiß man, dass dort moderne Menschen und Neandertaler zeitlich überlappend lebten. Man nimmt an, dass sich der Stammbaum des Homo sapiens und Neandertalern vor 440.000 bis 270.000 Jahren aufspaltete.

In genaueren Vergleichen soll jetzt festgestellt werden, welche Gene jenen Unterschied ausmachten, die Homo sapiens im Endeffekt erfolgreicher als den nahen Verwandten machten. Dafür mögliche Varianten wurden bereits in Genen identifiziert, die mit Denkfunktionen, Stoffwechsel, Aussehen des Schädels, Schlüsselbein und Brustkorb zu tun haben.

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