30. Juli 2010 18:48
21 Kerzen für die 21 Opfer der Tragödie: In einer Trauerfeier haben
Angehörige, Rettungskräfte und Politiker am Samstag in Duisburg für die
Toten der Loveparade gebetet. "Die Loveparade wurde zum Totentanz", sagte
der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider,
bei der Gedenkfeier in der Salvatorkirche. "Mitten hinein in ein Fest
überbordender Lebensfreude hat der Tod uns allen sein schreckliches Gesicht
gezeigt."
Zu Beginn der Trauerfeier wurden eine Kerze und ein Kondolenzbuch von dem
nahe gelegenen Unglücksort an einem Tunnel zum Altar gebracht.
Rettungskräfte, Notfallseelsorger und andere Einsatzkräfte zündeten 21
Kerzen für die Opfer der Katastrophe an.
"Trauer und Wut"
Schneider sprach von "Trauer und
Verzweiflung, Hilflosigkeit und Wut", die das Denken der Menschen
beherrschten. Er erwähnte in seiner Predigt aber auch "Erwachsene,
die wie versteinert Verantwortung von sich weg schieben". Der Essener
Bischof Franz-Josef Overbeck sprach von einem Leid, das lange währen wird. "So
gegensätzlich ist unser Leben: In dem einen Moment ist Party angesagt und im
anderen Moment liegen wir hilflos am Boden." Auch fast eine Woche nach
der Katastrophe hat niemand die Verantwortung für das verheerende Unglück
übernommen.
An dem Trauergottesdienst in der Duisburger Salvatorkirche nahm am Vormittag
die gesamte deutsche Staatsspitze teil, darunter Bundespräsident Christian
Wulff und Kanzlerin Angela Merkel. Nicht dabei sein wird Duisburgs
Oberbürgermeister Adolf Sauerland, der in den vergangenen Tagen massiv unter
Druck geraten war und durch seine Teilnahme am Gottesdienst „nicht
provozieren“ will.
Pilgerstätte
„Warum?“ – diese Frage steht auf zahlreichen
Plakaten an der inzwischen zu einer Art Pilgerstätte gewordenen
Unglücksstelle in Duisburg. Seit der Katastrophe kommen in Duisburg immer
wieder Scharen von Menschen zu dem Unglücksort, stellen Kerzen auf und legen
Blumen nieder.
Viele empören sich nach wie vor über das Verhalten der Stadtspitze. Dem
Veranstalter der Parade werden gravierende Mängel bei der Organisation
vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft in Köln ermittelt wegen fahrlässiger
Tötung gegen unbekannt.