Johannes Paul II. ist seliggesprochen

Vatikan

Johannes Paul II. ist seliggesprochen

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Papst Johannes Paul II. ist offiziell zur Ehre der Altäre erhoben worden. Sein Nachfolger Benedikt XVI. sprach ihn am Sonntagvormittag bei einer Festmesse auf dem Petersplatz selig. Eine Million Menschen beteiligten sich nach offiziellen Angaben an der feierlichen Zeremonie. "Der Diener Gottes Johannes Paul II. darf ab sofort Seliger genannt werden", sagte Benedikt XVI. in der Proklamationsformel zu Beginn des Seligsprechungsgottesdienstes. Mit tosendem Applaus begrüßten die Gläubigen die Seligsprechung des polnischen Papstes, viele brachen in Tränen aus.

Bildenthüllung auf Petersdom-Fassade
Viele Menschen verfolgten kniend auf dem Steinpflaster die Seligsprechungszeremonie. Polnische Pilger schwenkten Fahnen ihrer Heimat und Plakate mit den Bildern von Johannes Paul II. Das Bild des neuen Seligen wurde an der Fassade des Petersdoms enthüllt. Zuletzt wurde eine Blutreliquie des neuen Seligen in einem wertvollen Behälter zum Papstaltar gebracht. Wie bei der Trauermesse für Johannes Paul II. am 8. April 2005 ertönten Chöre mit dem Appell: "Santo subito" (Sofort heilig). "Wir hoffen, dass wir bald nach Rom für eine unvergessliche Heiligsprechung zurückkehren können", sagte eine junge polnische Pilgerin.

Auf dem Petersplatz befand sich auch die französische Ordensfrau Marie Simon-Pierre Normand. Ihre Heilung von der Parkinson-Krankheit war vom Vatikan als "Wunder" auf Fürsprache von Johannes Paul II. anerkannt worden. Nach der Seligsprechung lächelte die Ordensschwester und applaudierte mit der begeisterten Menschenmenge.

Benedikt XIV.: "Wie ein Fels vor dem Schmerz"
Zur Zeremonie trug Benedikt XVI. Paramente seines Vorgängers. Sowohl das Messgewand wie auch die Mitra waren häufig von Johannes Paul II. bei liturgischen Feiern benutzt worden. Außerdem feierte er die Messe mit dem Kelch des neuen Seligen. In seiner Predigt würdigte Benedikt XVI. den Mut seines Vorgängers angesichts dessen Krankheit und des tiefen Leids in seinen letzten Lebensjahren. "Die Krankheit hat Johannes Paul II. langsam alles weggenommen, doch er hat sich vor dem Schmerz wie ein Fels verhalten. Seine tiefe Demut hat ihm ermöglicht, auch im Leid die Kirche weiterzuführen", erklärte der Papst. Nach der Seligsprechung kniete Benedikt vor dem in der Peterskirche aufgestellten Sarg seines Vorgängers und betete.

Könige, Regierungschefs und Präsidenten reisten für die Seligsprechung nach Rom. Zu den Prominenten, die der feierlichen Zeremonie beiwohnten, zählten die Vertreter von fünf europäischen Königshäusern. Das belgische Königspaar Albert II. und Paola, Prinz Felipe von Spanien und seine Frau Letizia, sowie Prinz Adam II. von Lichtenstein, 16 Staatsoberhäupter, sechs Regierungschefs und zahlreiche Minister, sowie Delegationen aus 87 Ländern beteiligten sich laut dem Vatikan an der Seligsprechung des polnischen Papstes.

Schönborn, Neugebauer und Stadler dabei
Aus Österreich nahmen u. a. der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn und andere Bischöfe, aus den Reihen der Politik reisten der Zweite Nationalratspräsident Fritz Neugebauer (V) und der BZÖ-Abgeordnete Ewald Stadler an. Auch Mitglieder der Habsburger-Familie nahmen an der Seligsprechungszeremonie teil.

Hunderte Menschen hatten die Nacht in Schlafsäcken auf der großen Zugangsstraße zum Vatikan, der Via della Conciliazione, oder unweit der Engelsburg verbracht, um sich schon am frühen Sonntag den Zugang zum Petersplatz zu sichern. Am Samstagabend hatten circa 200.000 Menschen an einer Gebetswache auf dem Circus Maximus teilgenommen. Benedikt XVI. erteilte ihnen per Live-Zuschaltung seinen Segen.

Die dreitägige Seligsprechungsfeier ist noch nicht ganz zu Ende. Am Montag wird Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone um 10.30 Uhr auf dem Petersplatz einen Dankgottesdienst nach der Seligsprechung zelebrieren. Diese Messe wird musikalisch durch den Chor von Warschau und das Symphonie-Orchester von Wadowice, dem polnischen Geburtsort des neuen Seligen, gestaltet. Der Sarg von Johannes Paul II. wird am Montagabend seinen endgültigen Platz im Altar der San-Sebastiano-Kapelle des Petersdoms finden

22. Oktober wird Gedenktag
Der Gedenktag für Papst Johannes Paul II. (1978-2005) nach seiner Seligsprechung am Sonntag wird der 22. Oktober sein. Johannes Paul II. hatte am 22. Oktober 1978 sein Amt angetreten. Der Gedenktag gilt vorerst nur für Rom und die polnischen Diözesen. Anders als im Falle eines Heiligen, dessen Andenken die gesamte Kirche feiert, sieht das Kirchenrecht für Selige nur eine lokale Verehrung vor.

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