Gaddafi trickst Rebellen aus

Karl Wendl berichtet live

Gaddafi trickst Rebellen aus

Der wichtige Etappensieg war zum Greifen nahe. Die Rebellen standen kurz vor Sirte, Gaddafis Geburtsstadt. Es schien nur mehr eine Frage von wenigen Stunden, bis auch Sirte fallen würde. Damit wäre der Weg nach Tripolis (550 Kilometer) fast frei gewesen – doch die Siegesfeiern kamen zu früh.

In der Nacht zum Mittwoch rückten wieder Gaddafis Einheiten vor. Unter der Führung von Saadi al Gaddafi, einem der Söhne des Diktators, haben die Regierungseinheiten erkennbar ihre Taktik geändert. Anstatt schwerer Infanterie mit Panzern und Panzerwagen, die ein leichtes Ziel für die alliierten Jagdbomber darstellen, sind es jetzt kleine, schnelle, wendige Einheiten mit großer Schlagkraft. Kaum zu unterscheiden von den Rebellen. Auch für die alliierten Jets, die bisher den Rebellen den Weg nach vorne freigebombt haben, kaum zu identifizieren.

Unkoordiniert
Die Rebellen verfügen zwar über Tausende euphorische Kämpfer. Aber: Es gibt keine klaren Kommandostrukturen, jeder agiert auf eigene Faust. Das rächt sich nun. Nichts dokumentierte das klarer als der nunmehrige Gegenvorstoß der Gaddafi-Truppen: Schlagartig machte sich regelrechte Panik breit, als der Gegenangriff kam. Jeder wollte irgendwie weg.

Zurückerobert
Die Folge: Ein Mega-Rückzugsstau, weil Hunderte Rebellen-Jeeps plötzlich wieder in Richtung Osten rasten. Dazwischen Zivilisten, Journalisten. Mittwochvormittag hatten die Gaddafi-Truppen nach stundenlangem Granatbeschuss die erste Erdölstadt Ras Lanuf (27.000 Einwohner) rückerobert. Die Raffinerie war erst vor zwei Wochen in die Hand der Rebellen gefallen.

Nach Ras Lanuf rückten die Gaddafi-Stoßtrupps bis an die Stadtgrenze von Brega vor, der zweiten großen Ölstadt. Erst als Brega zu fallen schien, griffen französische und amerikanische Jets ein. Versuchten, mit Raketenangriffen den Vormarsch zu stoppen.
 

ÖSTERREICH mitten im Libyen-Krieg

Es ist ein Jo-Jo-Krieg: Vor. Zurück. Vor. Der Kampf spielt sich entlang eines zweispurigen Wüsten-Highways ab. Neben der Straße ist schweres Kriegsgerät kaum zu bewegen.

Seit Mittwoch ist ÖSTERREICH-Reporter Karl Wendl wieder mitten drin im Krieg. "Als ich vor drei Wochen zum ersten Mal im Kampfgebiet war, lag die Frontlinie bei Ras Lanuf, Kilometer vor Sirte" sagt er. "Ich wohnte im Hotel 'Ras Lanuf', in Frontnähe – kein Internet, kein Telefon, sonst ging alles". Inzwischen zog die Front zwei Mal über das Hotel hinweg – keine Fenster mehr, die Zimmer sind noch bewohnbar. Als ich gestern wieder ins 'Ras Lanuf' wollte, kam mir der Journalisten-Treck entgegen. Rückzug. Flucht.

Autor: Karl Wendl, Bengasi
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