28. Februar 2008 13:03
Der emeritierte Psychologie-Professor Zimbardo hatte für einen Vortrag bei
der TED-Konferenz in Monterey (Kalifornien) Zugang zu den Fotos aus dem
Folterskandal des irakischen Gefängnisses Abu Ghraib. Das Symposium findet
jährlich im Golden State statt und beschäftigt sich mit verschiedenen
Disziplinen wie Musik, Architektur - und auch Psychologie.
Bekannt wurde Philip Zimbardo durch das sogenannte "Gefängnis-Experiment"
an der Stanford-Universität. Dabei zeigte er, wie normale College-Studenten
zufällig als Wächter oder Gefangene in einem Gefängnis ausgewählt wurden -
und wie sie sich dann verhalten: Die Wachen wurden immer sadistischer - und
die Gefangenen immer depressiver. Der Versuch wurde auch verfilmt.
Unvorstellbare Qualen
Bislang unbekannte Fotos vom Abu
Ghraib-Skandal sind jetzt im Zusammenhang mit dem Vortrag aufgetaucht - und
zeigen die Qual, die US-Soldaten Insassen des Gefängnisses zugefügt haben.
Die Folterungen in Abu Ghraib waren 2004 durch die Veröffentlichung von
Fotos publik geworden, die weltweit Empörung auslösten. In der Angelegenheit
wurden nur elf Soldaten mit Mannschaftsdienstgraden verurteilt - diejenigen,
die auf den Fotos zu sehen sind. Das Strafmaß reichte dabei von einigen
Stunden gemeinnützigem Dienst bis zu zehn Jahren Haft.
Rüge gegen Offizier aufgehoben
Die US-Armee hatte im Jänner
2008 die Rüge gegen den einzigen angeklagten Offizier im Zusammenhang mit
Folter im irakischen Horrorgefängnis Abu Ghraib bei Bagdad aufgehoben. Der
Kommandant des Heeresbezirks Washington, General Richard Rowe, befand nach
Militärangaben vom Donnerstag (Ortszeit), dass der Schuldspruch gegen
Oberstleutnant Steven Jordan in Form eines Bußgelds und eines Tadels
hinfällig sei. Unter Berücksichtigung der Eingaben der Verteidigung sei ein
verwaltungsrechtlicher Verweis ausreichend, entschied der General, der im
vergangen Jahr den Prozess des Militärgerichts in Fort Meade bei Washington
geleitet hatte. Im Gegensatz zu einem Tadel taucht ein
verwaltungsrechtlicher Verweis nicht in den Akten auf. Es sei klar, dass
höherrangige Ebenen für die Häftlingsmisshandlung in Abu Ghraib
verantwortlich gewesen seien, erklärten Vertreter der Amerikanischen
Bürgerrechtsunion ACLU.
Das Kriegstribunal hatte den 51-jährigen Jordan förmlich wegen Missachtung
von Vorgesetzten getadelt. Die schwereren Vorwürfe der Misshandlung
irakischer Gefangener im Gefängnis von Abu Ghraib und der Vernachlässigung
seiner Pflicht hatte das Gericht fallengelassen. In dem Urteil vom August
2007 wurde Jordan, dem Chef der Verhörabteilung des Gefängnisses zwischen
September und Dezember 2003, lediglich zur Last gelegt, 2004 in zwei E-Mails
mit einem Kollegen die Misshandlungen erörtert zu haben, obwohl er zum
Schweigen über die Vorfälle aufgefordert worden war. Für die Missachtung von
Anweisungen hätte er theoretisch bis zu fünf Jahre in Haft kommen können.