Bombenanschlag: Freispruch nach 36 Jahren

Italien

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Bombenanschlag: Freispruch nach 36 Jahren

36 Jahre nach einem rechtsextremistischen Bombenanschlag in der lombardischen Stadt Brescia, bei dem während einer Gewerkschafterkundgebung 1974 acht Personen ums Leben gekommen und 103 verletzt worden waren, gibt es immer noch keine Verantwortlichen für dieses Blutbad. Das Schwurgericht in Brescia hat am Dienstag die fünf Angeklagten im Prozess wegen des Anschlags in Brescia aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

Staatsanwaltschaft forderte lebenslang
Die Staatsanwälte hatten dagegen lebenslange Haftstrafen für vier Angeklagte gefordert. Für den Ex-Chef der inzwischen aufgelösten neofaschistischen Bewegung MSI (Movimento Sociale Italiano), Pino Rauti, hatten sie den Freispruch beantragt. Im Laufe der Untersuchung um das Attentat tauchte immer wieder der Verdacht auf, dass italienische Geheimdienste in den Anschlag verwickelt waren.

Rechtsextreme Täter

Der Prozess begann im Jahr 2008 am Ende der dritten Untersuchung, die in den letzten 36 Jahren zu diesem Bombenanschlag geführt wurden. Vor Gericht standen unter anderem zwei venezianische Ex-Terroristen und Rauti. Dieser wurde verdächtigt, eine Hauptrolle bei dem rechtsextremistischen Bombenanschlag gespielt zu haben. Vor Gericht musste sich auch der ehemalige Carabinieri-General Francesco Delfino verantworten, der die erste Ermittlung geführt hatte.

85-jähriger belastet
Belastet wurde der heute 85-jährige Rauti von einem Mitarbeiter der Justiz, der angeblich die Hintergründe des Anschlags klären wollte. Rauti, in den vergangenen Jahren Abgeordneter und Europarlamentarier, war auch in Zusammenanhang mit einem Anschlag auf der Mailänder Piazza Fontana im Jahr 1969 verdächtigt, dann jedoch freigesprochen worden.

Zu den Angeklagten zählte auch der Rechtsextremist Delfo Zorzi. Er lebt seit Jahren in Japan, von wo er nicht nach Italien ausgeliefert werden kann. Er war vor fünf Jahren vom Vorwurf freigesprochen worden, für den ersten großen politisch motivierten Terroranschlag im Nachkriegs-Italien verantwortlich zu sein, bei dem Ende 1969 in Mailand 17 Menschen getötet wurden. Zorzi war in diesem Verfahren erstinstanzlich zu lebenslanger Haft verurteilt und zweitinstanzlich im März 2004 freigesprochen worden.
 

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