Kroatien nach Mord an Tochter von Zagorec-Anwalt in Angst Kroatien nach Mord an Tochter von Zagorec-Anwalt in Angst Kroatien nach Mord an Tochter von Zagorec-Anwalt in Angst Kroatien nach Mord an Tochter von Zagorec-Anwalt in Angst

Hinrichtung

 

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Kroatien nach Mord an Tochter von Zagorec-Anwalt in Angst

Die Tochter des Anwalts von Ex-General Vladimir Zagorec, der vor kurzem von Österreich an die kroatische Justiz ausgeliefert wurde, war am Montag in Zagreb erschossen worden.

Wenige Stunden danach wechselte Ministerpräsident Ivo Sanader zwei Minister und den Polizeichef aus. Während die Frage nach dem Mordmotiv im Raum steht, erwartet die Öffentlichkeit Ergebnisse bei der Suche nach dem Täter.

Wie ihre Eltern war Ivana Hodak in der kroatischen Öffentlichkeit sehr bekannt. Ihre Mutter, Ljerka Mintas-Hodak, war bis vor acht Jahren Vize-Regierungschefin und stellvertretende Chefin von Sanaders Partei HDZ (Kroatische Demokratische Gemeinschaft). Beim ersten Parteitag nach dem Tod des ehemaligen HDZ-Chefs und Staatspräsidenten Franjo Tudjman im Mai 2000 galt Mintas-Hodak als Favoritin für seine Nachfolge an der Spitze der konservativen Partei, zog aber gegenüber dem jetzigen Premier den Kürzeren. Zwei Jahre später trat sie aus der HDZ aus und zog sich aus dem politischen Leben zurück.

Der Vater der 26-jährigen Ivana Hodak, Zvonimir Hodak, ist seit Jahrzehnten einer der bekanntesten Anwälte in Zagreb. Als der frühere stellvertretende Verteidigungsminister und Tudjman-Vertraute Zagorec sein Mandant wurde, steigerte sich dieser Bekanntheitsgrad noch mehr. Die Ermordete selbst war im Gegensatz zu ihren Eltern und allgemein der Jeunesse d'oree Kroatiens fast nie in den Medien präsent.

Steckten Waffenhändler hinter der Tat?
Am Tag nach der Tat rätselt die Öffentlichkeit über zwei Gründe für den Mord an der jungen Frau, die sie für möglich halten. Angeblich habe die Rechtspraktikantin vor einigen Woche den kroatischen Generalstaatsanwalt Mladen Bajic getroffen und ihm Namen von Personen genannt, die während des Kroatien-Krieges (1991-95) bei Waffengeschäften profitierten. Es handle sich dabei angeblich um zwei Unternehmer und einen General.

Ex-General Zagorec wird vorgeworfen, dem Staat gehörende Edelsteine im Wert von fünf Millionen Dollar (3,42 Mio. Euro) veruntreut zu haben. Zagorec war während des Krieges für die Beschaffung von Waffen zuständig. Dabei wurde das für Ex-Jugoslawien geltende UNO-Waffenembargo umgangen. Später stieg Zagorec zum zweiten Mann im Verteidigungsministerium auf, musste diesen Posten aber nach der Abwahl der langjährigen Staatspartei HDZ im Jahr 2000 räumen. In jenem Jahr zog er nach Österreich, wo er mehrere Firmen gründete. Er avancierte mit einem geschätzten Vermögen von mehr als 26 Mio. Euro zu einem der reichsten Kroaten.

Das Auslieferungsverfahren gegen sich in Österreich hatte Zagorec als politisch motiviert bezeichnet. Seine Anwälte argumentierten vor dem Wiener Landesgericht zudem, sein Leben sei "von diversen Clans" in seiner Heimat bedroht. Nach eineinhalbjährigem juristischem Tauziehen wurde Zagorec schließlich am Donnerstagvormittag an seine Heimat überstellt. Bei seinem ersten Auftritt vor einem Zagreber Gericht am Freitag schwieg Zagorec. Sollte er sein Insiderwissen über die kroatische Politik der 1990er Jahre preisgeben, könnte dies hochrangigen Vertretern der seit 2003 wieder regierenden HDZ womöglich unangenehm werden.

Private Geldgeschäfte als Motiv?
Ein weiteres Mordmotiv, über das in Kroatien spekuliert wird, betrifft den Verkauf von Immobilien, die Zagorec in Kroatien besitzt. Vor etwa einem Monat beendete Ivana Hodak ihr Verhältnis mit Ivor Vucelic, der mit ihrem Vater über den Verkauf der Zagreber Liegenschaften verhandelt hatte. Der Anwaltssohn Ljubo Pavasovic Viskovic wurde ihr neuer Freund. Dessen Vater wiederum ist Rechtsbeistand von Hrvoje Petrac, einem wichtigen Belastungszeugen im kroatischen Prozess gegen Zagorec, der derzeit wegen der Entführung von Zagorecs Sohn im Gefängnis sitzt. Laut kroatischen Medien war durch die Entwicklungen im Privatleben von Ivana Hodak ein Deal im Wert von 300 Millionen Kuna (42,1 Mio. Euro) in Gefahr.

Die Lösung des Mordfalls ist nun die Hauptaufgabe der neuen Minister Tomislav Karamarko (Inneres) und Ivan Simonovic (Justiz) sowie des neuen Polizeichefs Vladimir Faber. Rund 30 Personen wurden seit gestern verhört; verhaftet wurde bisher niemand.

Fotos: (c) Pixsell

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