Schwere Kämpfe jetzt auch in Gaza-Stadt Schwere Kämpfe jetzt auch in Gaza-Stadt

Krieg im Nahen Osten

 

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Schwere Kämpfe jetzt auch in Gaza-Stadt

Die israelischen Streitkräfte haben mit ihrer gesamten Militärmacht Moscheen, Wohnhäuser und Schmugglertunnel im Gazastreifen bombardiert. Mindestens 13 Zivilpersonen wurden am Montag bei Kämpfen am Boden und bei Luftangriffen getötet, darunter sieben Kinder. In der Nacht rückten tausende israelische Soldaten mit Unterstützung von Kampfhubschraubern weiter in den Gazastreifen vor. Die Hamas drohte unterdessen mit Vergeltungsschlägen gegen die israelische Bevölkerung.

Kämpfe jetzt auch in Gaza-Stadt
Zum ersten Mal seit Beginn der israelischen Bodenoffensive haben sich israelische Soldaten und Kämpfer der Hamas am Montagabend schwere Kämpfe auch in der Stadt Gaza geliefert. Schwere Explosionen und heftige Feuergefechte hätten den Stadtteil Schedschaija erschüttert, gaben palästinensische Augenzeugen und israelische Militärkreise übereinstimmend an.

Wie Augenzeugen gegenüber der Nachrichtenagentur AFP berichteten, seien die israelischen Soldaten von Kämpfern der radikalislamischen Hamas und des Islamischen Jihad angegriffen worden. Am Nachthimmel über Gaza waren Kampfhubschrauber zu sehen. Israel hatte die Bodenoffensive am Samstagabend nach einwöchigen Luftangriffen auf Ziele im Gazastreifen begonnen.

Österreich will Doppelstaatsbürger evakuieren
Österreich hat seinen Doppelstaatsbürgern eine Evakuierung aus dem umkämpften Gazastreifen (Gaza-Streifen) angeboten. Offenbar wollen sieben Personen dieses Angebot annehmen. Zuvor hat sich "eine fluktuierende Zahl" von Menschen, konkret bis zu elf Personen, gemeldet. Wegen der "militärischen Entwicklung" und einer gesperrten Straße habe die Busfahrt nach Jordanien allerdings bisher nicht durchgeführt werden können.

Einsatz von Phosphor-Granaten
Israel dürfte bei seiner Offensive im Gazastreifen umstrittene Granaten mit weißem Phosphor einsetzen. Das schreibt die britische Zeitung "The Times" in ihrer Internetausgabe. Die auch von britischen und US-amerikanischen Truppen im Irak verwendete Waffe kann schreckliche Verbrennungen verursachen. Ihr Einsatz ist allerdings nicht illegal, wenn er der Erzeugung von Rauchwänden dient.

Die israelische Armee versucht ihren Vormarsch im Gazastreifen durch weiße Rauchschleier zu verdecken. "Diese Explosionen schauen fantastisch aus, sie erzeugen viel Rauch, der unsere Feinde blind macht. So können unsere Truppen vorstoßen", erklärte ein israelischer Sicherheitsexperte.

Rotes Kreuz schlägt Alarm
Nach dem bereits seit mehr als einer Woche anhaltenden Beschuss und Bombardement des Küstenstreifens hat das Leiden der palästinensischen Zivilbevölkerung dramatische Formen angenommen. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) erklärte am Montag, die Lage sei chaotisch und extrem gefährlich. Die Angriffe behinderten zudem die Arbeit der Helfer. Die durch Luftangriffe beschädigten Krankenhäuser seien mit der Zahl der Verletzten heillos überfordert.

Die Spitäler im Gazastreifen benötigten dringend Medikamente. Die Krankenhäuser arbeiten mit Notstromaggregaten, die aber auch jederzeit kaputtgehen könnten.

Diplomatie läuft auf Hochtouren
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy sowie eine Delegation der EU-Troika aus dem tschechischen Außenminister Karel Schwarzenberg, Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner, EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner, EU-Chefdiplomat Javier Solana sowie den schwedischen Außenminister Carl Bildt führten in der Region Gespräche. Der französische Vorsitz im Weltsicherheitsrat berief für Dienstag eine Sitzung ein, zu der auch Außenminister Michael Spindelegger (V) nach New York reisen wird.

Spindelegger bei UN-Dringlichkeitssitzung
Wie ein Sprecher Spindeleggers Montagabend mitteilte, werde der Minister um 17.00 Uhr Ortszeit (23.00 Uhr MESZ) an einer Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrates auf Ministerebene teilnehmen. Im Vorfeld der Sitzung sind Gespräche mit den in New York anwesenden EU-Außenministern - wie dem britischen Ressortchef David Miliband sowie dem französischen Außenminister Bernard Kouchner - und möglicherweise auch mit dem türkischen Außenminister Ali Babacan geplant.

Über 530 Tote
Seit Beginn der Bodenoffensive am 27. Dezember wurden nach palästinensischen Angaben im Gazastreifen bereits 537 Menschen getötet und rund 2.000 weitere verletzt. Unter den Opfern waren mindestens 200 Zivilpersonen; nach Angaben der Hilfsorganisation terre des hommes waren darunter wenigstens 72 Kinder. Am Montag wurden vier kleine Geschwister bei einem Luftangriff auf ein Haus im Osten Gazas getötet, drei Kinder starben beim Beschuss eines Lagers am Küstenstreifen der Stadt.

Peres verteidigt Offensive
Der israelische Staatspräsident Shimon Peres verteidigte die Offensive als notwendigen Einsatz gegen die Hamas. Israel werde "nicht dem Gedanken zustimmen, dass die Hamas weiterhin (Raketen) abschießt und wir eine Waffenruhe erklären sollen", sagte Peres dem US-Sender ABC.

Rufe nach Waffenstillstand
Unterdessen wurden die internationalen Rufe nach einem sofortigen Waffenstillstand immer lauter. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon forderte die Mitglieder des Weltsicherheitsrats auf, sich rasch auf Maßnamen zur Beendigung des Konflikts zu verständigen. Auch die Europäer bemühten sich um eine Schlichtung des Konflikts. Eine EU-Delegation mit dem Außenbeauftragten Javier Solana, Kommissarin Benita Ferrero-Waldner und den Außenministern Tschechiens, Frankreichs und Schwedens beriet sich mit dem ägyptischen Staatschef Hosni Mobarak. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy brach ebenfalls zu einer Vermittlungsreise in den Nahen Osten auf.

Hamas droht mit Anschlägen
Die Hamas drohte mit Anschlägen auf israelische Zivilpersonen und Einrichtungen in der ganzen Welt. Die Tötung von Palästinensern im Gazastreifen rechtfertige das Töten von Israelis, sagte Hamas-Führer Mahmoud al-Zahar in einer am Montag im Hamas-Fernsehen ausgestrahlten Botschaft.

In Südisrael schlugen am Montag wieder zahlreiche Raketen ein. Es gab keine Berichte über Opfer.

Der Chef des israelischen Auslandsgeheimdiensts Mossad, Amos Yadlin, warnte vor einem Angriff der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah an der Grenze zu Israel. Die proiranische Hisbollah könne im Norden Israels eine "zweite Front" eröffnen.

Foto: (c) AP

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