Vergewaltigungsgerücht löste Unruhen aus

China

Vergewaltigungsgerücht löste Unruhen aus

Auslöser für die schweren Unruhen im nordwestchinesischen Urumqi mit möglicherweisen hunderten Toten war ein Gerücht über eine Vergewaltigung von Han-Chinesinnen durch Uiguren. Laut "Corriere della sera" war an dem Gerücht aber nichts dran.

In Männerunterkunft verirrt
Eine 19-Jährige hatte sich vor einem Monat in der südchinesischen Stadt Shaoguan in eine Männerunterkunft für Uiguren verirrt und war schreiend hinausgelaufen. "Mir ist nichts passiert", versicherte Huang Cuilian, ein aus Guandong stammender weiblicher Lehrling. Sie war auf der Suche nach einem Job. In Shaoguan, in der Spielzeugfabrik "Early Light" kam es zu dem folgenreichen Vorfall.

"Als ich sah, das ich hier falsch war, habe ich Angst bekommen, ich weiß auch nicht warum. Ich habe unwillkürlich einen Schrei ausgestoßen und zu laufen begonnen", so die 19-Jährige. "Einer der Burschen ist aufgestanden und hat mit den Füßen gestampft, so als wolle er mich verfolgen. Er hat aber nur Spaß gemacht. Mir ist nichts geschehen."

Gerücht verbreitete sich wie ein Lauffeuer
Der unwillkürliche Schrei der Arbeiterin aus Guangdong war Auslöser für ein Gerücht, das sich unter den Arbeitern schnell verbreitete: Die Uiguren hätten zwei junge Han-Chinesinnen vergewaltigt. Am 26. Juni kam es zu schweren Zusammenstößen in der Fabrik, die Han wollten sich rächen. Die Behörden leiteten Ermittlungen ein und ordneten Festnahmen an.

Die tausende Kilometer von Urumqi entfernten Ereignisse lösten dann im Juli die schweren Unruhen in Xinjiang aus. Dabei prügelten Uiguren anfangs auf Han-Chinesen ein und plünderten ihre Geschäfte. Daraufhin schlugen die Han mit Unterstützung der Behörden gegen die Angehörigen des muslimischen Turkvolkes zurück.

Bereits 184 Tote
Inzwischen ist die Zahl der Toten bei den Unruhen in Xinjiang von 156 auf 184 gestiegen, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Freitag meldete. Demnach wurden 137 Han-Chinesen und 46 Angehörige der muslimischen Uiguren getötet. Ein Toter gehört den ebenfalls muslimischen Hui an. Es war das erste Mal, dass die chinesische Regierung eine nach Volksgruppen getrennte Opferbilanz vorlegte.

Die im US-Exil lebende Uiguren-Führerin Rebiya Kadeer befürchtet, dass bei den schweren Zusammenstößen zwischen Uiguren und Han-Chinesen in der gesamten Provinz Xinjiang mehr als 1.000 Menschen ums Leben gekommen sind. Nach unbestätigten Informationen, die sie aus China erhalten habe, gebe es zwischen 1.000 und 3.000 Toten, sagte Kadeer am Sitz des Weltkongresses der Uiguren in Washington. In mehreren Städten wie in der rund 1.000 Kilometer südwestlich von Urumqi gelegenen Stadt Kashgar habe es "Massentötungen" gegeben.

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