Nach Ceuta-Chaos

An DIESEM Datum droht neuer Migranten-Ansturm

Viele Menschen stehen dicht gedrängt am Ufer eines Strandes im seichten Wasser.
© Getty Images
Am Dienstag haben sich die EU-Innenminister auf einer Online-Konferenz unter anderem für eine bessere Überwachung der sozialen Netzwerke aus, um migratorische Massenbewegungen wie am vergangenen Freitag in Ceuta besser vorhersehen und unterbinden zu können.
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Die Strategie scheint auch mehr als notwendig zu sein. Denn wie es aussieht, plant Marokkos Jugend im Internet bereits einen neuen Ansturm auf die spanische Nordafrika-Exklave.

Es gibt sogar ein konkretes Datum – der 15. August. "Brüder, 15.08.2026", "Wir sehen uns dort am 15.! Seid pünktlich!". Vor allem über Instagram, Facebook, TikTok und Whatsapp-Foren laufen die Aufrufe, an diesem Tag einen erneuten Ansturm auf Ceuta zu organisieren. Große spanische Tageszeitungen wie "El País" und "ABC" haben anscheinend Zugriff auf Facebook-Gruppen mit fast 400.000 Mitgliedern und neun WhatsApp-Gruppen mit mehreren Hundert Personen. "Marokkos Jugend ist sehr gut über soziale Netzwerke organisiert und vernetzt. In ländlichen und ärmeren Regionen haben viele nicht einmal die wichtigsten Grundnahrungsmittel, aber über Internet verfügen sie fast alle", erklärt die spanische Soziologin María Guevara von der Universität Pablo de Olavide in Sevilla im Gespräch mit der APA. Dadurch konnten sich die Jugendlichen vergangene Woche gut für einen gemeinsamen Ansturm auf Ceuta organisieren.

Fake News und Manipulationen auf sozialen Medien

"Die Abhängigkeit von Informationen über die sozialen Medien wirft aber auch das Problem auf, dass sie leicht Fake News und Manipulationen auf dem Leim gehen", so Guevara, die seit Jahren über den Gebrauch und Nutzen sozialer Medien durch Marokkos Jugend forscht. Dabei bestätigte Spaniens Geheimdienst CNI bereits, dass die Jugendlichen auch vergangene Woche Fehlinformationen von Schlepperbanden Glauben schenken. Diese versicherten, es wäre nach einem jüngsten Urteil des Spanischen Obersten Gerichtshof nun der perfekte Moment, um nach Ceuta einzudringen, da hier die sonst für Marokkaner üblichen direkten Rückführungen ausgesetzt worden seien, was nicht stimmt.

Unterdessen fand das spanische KI-Unternehmen "Golden Owl" aus Alicante etwas Interessantes heraus: Es sind anscheinend die gleichen "User", die vergangene Woche den Grenzübertritt von rund 72.000 hauptsächlich junge Marokkanern auslösten und nun über dieselben Foren und Kanäle auch den neuen Ansturm für den 15. August vorbereiten.

Migranten enttäuscht

In den Tagen vor dem Massenansturm am 30. Juli kursierten ähnliche Nachrichten, die Menschen dazu aufriefen, sich im Viertel Castillejos an der Grenze zu versammeln, um gemeinsam nach Ceuta zu gelangen. So nehmen die spanischen Behörden die aktuellen Nachrichten in den sozialen Medien über einen neuen Versuch am 15. August auch sehr ernst.

Um einen erneuten Massenansturm zu erschweren, installierten die Behörden bereits eine sich 500 Meter ins Meer ziehende, längliche Bojen-Struktur. Der aufblasbare Schwimmkörper wird zwar kaum verhindern können, dass die Menschen die 300 Meter vom marokkanischen Strand zur spanischen Seite hinüberschwimmen. Es ist jedoch ein "Grenzsperrelement", und der letzte Ansturm wurde vor allem durch das Urteil des Spanischen Obersten Gerichtshofs ausgelöst, der direkte Rückführungen an der Grenze zu Ceuta verbot, sollten die Migranten schwimmend das spanische Territorium erreicht haben, ohne Grenzsperren überwunden zu haben.

Unterdessen zeigt die jüngste Auswertung der sozialen Medien durch spanische Leitmedien aber auch, dass nicht wenige anfangen, an den verbreiteten Informationen zu zweifeln. Fast alle Migranten hatten die spanische Nordafrika-Exklave am Samstag bereits nach 24 Stunden wieder verlassen, als die bemerkten, dass die Versprechen vom problemlosen Transfer aufs spanische Festland frei erfunden waren. Viele Marokkaner drückten gegenüber Reportern ihre Enttäuschung aus. Sie dachten, in Ceuta mit offenen Armen empfangen zu werden, weil Spanien Arbeitskräfte braucht.

"Niemand postet negative Dinge über sein Leben"

Hieran sind erneut die sozialen Medien indirekt schuld, erklärt Expertin María Guevara: Posts von in Spanien lebenden Freunden, Bekannten und Familienangehörigen seien für die Jugendlichen praktisch die einzige Informationsquelle über das Land. "Und bekanntlich postet fast niemand negative Dinge über sein Leben. So wissen die meisten Jugendlichen in Marokko nur wenig über Rassismus und die schwierigen Lebens- und Jobbedingungen marokkanischer Migranten in Spanien", so Sozialforscherin Guevara. Während nun die ersten bereits erneut einen Ansturm auf die sensible EU-Außengrenze planen, suchen viele in denselben Foren immer noch nach ihren Angehörigen, von denen sie seit dem letzten Ansturm nichts mehr gehört haben. Sie posten Fotos der Vermissten. Eines soll nach Angaben von "El País" Mohamed Afasi in Badehose und mit einem Handtuch um den Hals zeigen. Er ist neun Jahre alt und verschwand im Meer, als er mit seiner Mutter am Wellenbrecher vorbeischwimmen wollte.

Ein anderes Foto zeigt die 15-jährige Mariam, die es laut Zeugenaussagen offenbar nach Ceuta geschafft hat, deren Handy aber seitdem ausgeschaltet ist. Viele Angehörige klammern sich daran: an das Fehlen eines Telefons, die Möglichkeit, dass sie es auf See verloren haben könnten oder dass der Akku leer ist. Sie hoffen, dass die ihrigen sich nicht unter den bereits 78 geborgenen Leichen befinden. Die spanische Flüchtlingsorganisation Caminando Fronteras berichtete am Mittwoch sogar, dass bereits 141 tote Migranten aus dem Meer geborgen wurden.

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