Sicherheitslücke

Häftling flieht nach Verlegung wegen Bettwanzen aus Anstalt

Carabinieri
© Getty Images
Ein 33-jähriger Häftling ist aus dem Gefängnis Santa Maria Maggiore in Venedig geflohen. Dabei soll er die Umfassungsmauer überklettert haben.
OE24 auf Google bevorzugen

Donnerstagmorgen gelang dem 33-jährigen Häftling, der wegen Raubes in Untersuchungshaft saß, die Flucht aus der Lagunen-Justizanstalt. Er soll die Umfassungsmauer überklettert haben. Bekannt gegeben wurde die Flucht von Gennarino De Fazio, dem Verantwortlichen der Gewerkschaft der Justizvollzugspolizei Uil Fp.

Polizei sucht nach Flüchtigem

"Der Mann wird derzeit von allen Polizeikräften gesucht", stellte De Fazio klar. Für ihn belegt der neuerliche Ausbruch den Zustand des Justizvollzugssystems. Er verweist dabei auf die Überbelegung der Haftanstalten, große Lücken beim Personal der Justizvollzugspolizei, den maroden Zustand von Gebäuden und Ausrüstung sowie eine allgemeine Desorganisation.

Auch Donato Capece und Giovanni Vona von der Polizeigewerkschaft Sappe verweisen auf den chronischen Personalmangel. Die Flucht steht ihren Angaben zufolge zeitlich mit Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung gegen Bettwanzen in Verbindung.

Bettwanzen sorgen für Verlegungen

"Um die Eingriffe zu ermöglichen, werden die Häftlinge nach und nach abschnittsweise verlegt, was zwangsläufig zu einer verstärkten Bewegung innerhalb des Gefängnisses führt", erklären Capece und Vona. Wenn eine solche Verlegung zu einer Sicherheitslücke werde, bedeute das, "dass in der Gesamtorganisation etwas nicht funktioniert hat".

In Venedig hat die Suche nach dem Häftling laut De Fazio höchste Priorität. Er vertraut darauf, dass die Ermittlungsdienste der Justizvollzugspolizei gemeinsam mit ihren regionalen Einheiten und den anderen Polizeikräften den Flüchtigen wieder der Justiz zuführen können.

Kritik an Haftbedingungen

Die Gewerkschaften sehen in der Flucht zugleich ein Zeichen für größere Probleme. De Fazio spricht von inzwischen "dysfunktionalen" Gefängnissen, die vielerorts gegen Recht und Gesetz verstießen und kaum eine der ihnen von der Verfassung übertragenen Aufgaben erfüllten. "Nur dank des außergewöhnlichen Einsatzes und der Professionalität der Bediensteten kommt es nicht zu Massenfluchten."

Capece fordert, den genauen Ablauf der Flucht sowie die organisatorischen und operativen Bedingungen der Justizvollzugsbeamten zu überprüfen. Vona betont: "Die Beamten dürfen nicht allein gelassen werden, um Situationen dieser Art zu bewältigen." In Venedig brauche es Mittel, Personal und eine Organisation, die sowohl die notwendigen hygienisch-sanitären Bedingungen als auch die Sicherheit der Anstalt gewährleisten könne.

265 Häftlinge auf 158 Plätzen

Der Ombudsmann für Gefangenenrechte in Venedig und Gianpietro Pegoraro von der Gewerkschaft CGIL vertreten laut Quelle eine ähnliche Position. Häftlingsbeauftragter Ferdinando Ciardiello bestätigt eine strukturelle Fragilität, die auf den Personalmangel zurückzuführen sei und in Venedig als "benachteiligter" Stadt noch gravierender und chronischer ausfalle.

Die genannten Zahlen zeichnen ein deutliches Bild: 265 Häftlinge sitzen laut Ciardiello in 158 verfügbaren Plätzen. Das entspricht einer Überbelegung von 168 Prozent. Gleichzeitig sind 150 Beamte zugeteilt, obwohl mindestens 240 benötigt würden. Ciardiello spricht von einem Mix mit Folgen und Funktionsstörungen in allen Bereichen.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden