Wieder Angriffe

Iran-Krieg: Jetzt droht totale Eskalation

Ein Kriegsschiff feuert eine Rakete über das Meer, Rauch steigt hinter dem Schiff auf.
© APA/AFP/US Central Command (CENT
Während sich die Streitkräfte der USA und des Irans in einer weiteren Nacht gegenseitig attackieren, wächst die Sorge vor einem noch umfassenderen Krieg.
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Washington verlegt US-Medienberichten zufolge weitere Kampfflugzeuge in die Konfliktregion. Um Angriffe des Iran auf Handelsschiffe in der für den globalen Handel mit Öl, Gas und Dünger wichtigen Strasse von Hormuz zu unterbinden, bombardierte das US-Militär die neunte Nacht in Folge Ziele im Iran.

Von dort wurden Explosionen in mehreren Gebieten gemeldet. Man habe im Iran militärische Kommandozentralen, Anlagen zur Flugabwehr und Küstenüberwachung, Vorrichtungen für Raketenabschüsse und Drohnenstarts sowie Kommunikationsnetzwerke ins Visier genommen, teilte das zuständige US-Regionalkommando CENTCOM nach Abschluss der jüngsten Angriffswelle am frühen Morgen mitteleuropäischer Zeit auf der Plattform X mit.

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© oe24


Trump: Haben Iran wieder hart getroffen

US-Präsident Donald Trump begründete die jüngsten Angriffe mit dem Tod mehrerer US-Soldaten. Die Angriffe seien "zu Ehren" der "großartigen Patrioten" erfolgt, die im Einsatz waren, "damit der Iran keine Atomwaffen bekommen kann", sagte er nach der Rückkehr vom WM-Endspiel vor Journalisten. "Wir haben sie (die Iraner) heute Nacht wieder sehr hart getroffen", meinte Trump.

Ein Mann im Anzug spricht gestikulierend auf einem Sessel, US-Flaggen im Hintergrund.
© Getty Images

Laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim wurden Explosionen aus der Stadt Tabris im Norden des Landes, der Hafenstadt Tschahbahar am Golf vom Oman, aus Konarak in der südöstlichen Provinz Sistan-Belutschistan, der Hafenstadt Mahschahr in der Provinz Chusestan sowie der Hafenstadt Bandar Imam Chomeini am Persischen Golf gemeldet. Die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Fars berichtete zudem über Detonationen im Raum Sirik nahe der Strasse von Hormuz sowie aus der Provinz Buschehr.

In der Hauptstadt Teheran wächst in der Bevölkerung unterdessen die Sorge vor Angriffen auch in der Millionenmetropole, sollte der Krieg weiter eskalieren.

Kuwait und Bahrain erneut unter Beschuss

In Reaktion auf die nächtelangen US-Angriffe führt Teheran Vergeltungsschläge gegen Länder mit US-Militärstützpunkten in der Region durch. So meldete der Golfstaat Kuwait in der Nacht erneuten Beschuss. Die Luftverteidigung wehre "feindliche Drohnen" aus dem Iran ab, teilte die Armee des Landes mit. Details gab es zunächst nicht. Auch im ebenfalls mit Washington verbündeten Bahrain heulten wieder die Sirenen, wie das dortige Innenministerium bekanntgab.

Schiff in der Straße von Hormuz in Flammen

In der Straße von Hormuz geriet unterdessen nach Informationen der britischen Behörde zur Sicherheit der Schifffahrt (UKMTO) ein Schiff in Flammen. Der Vorfall habe sich acht Seemeilen (knapp 15 Kilometer) nordwestlich des omanischen Ortes Kumzar ereignet. Die Brandursache sei zunächst noch unklar. Schiffen werde empfohlen, die Region mit Vorsicht zu durchfahren, während der Vorfall untersucht werde, hieß es.

Die iranischen Revolutionsgarden meldeten, zwei Öltanker seien auf der Südroute durch die Meerenge gesprengt worden. Sie seien nun manövrierunfähig. Das US-Militär habe die Besatzungen aufgefordert, diese unsichere Passage zu nutzen. Solange die US-Aggression in der Region andauere, sei die Meerenge weder für den Transport von petrochemischen Produkten noch für "einen einzigen Tropfen Öl und Gas" sicher. Das US-Militär müsse sich auf eine "Strafaktion" einstellen. Die Nachrichtenagentur Reuters konnte den Vorfall zunächst nicht unabhängig überprüfen. Zu Namen, Flaggen, Besatzungen oder möglichen Opfern machen die Garden keine Angaben.

Der Iran beansprucht die Kontrolle des Schiffsverkehrs in der Meerenge für sich und verlangt, dass Schiffe eine Route entlang seiner Küste nehmen und nicht die Route vor der Küste des Omans.

Zerstörte Brücke in bergiger Landschaft, Menschen stehen auf den Bruchstellen der Brücke.
© APA/AFP/ISNA/AMIR HOSSEIN KHORGO

Trump: Der Iran hat schwere Verluste erlitten

Trump widersprach der Darstellung Teherans. "Wir kontrollieren die Meerenge; sie kontrollieren gar nichts. Mal sehen, was passiert", sagte er. Trump behauptete zudem, der Iran habe im Krieg sehr schwere Verluste erlitten. "Militärisch haben sie fast alles verloren", sagte er. "Sie haben nur noch sehr wenig übrig. Sie haben noch ein paar Raketen. Sie haben noch ein paar Drohnen." Das "Wall Street Journal" berichtete kürzlich unter Berufung auf US-Beamte, Trump tendiere dazu, die Einsätze gegen den Iran auszuweiten.

Optionen sind demnach, die Luftangriffe zu verstärken, Bodentruppen zur Besetzung iranischer Inseln nahe der Straße von Hormuz einzusetzen sowie die Bombardierung einer iranischen Atomeinrichtung, die als "Pickaxe Mountain" bekannt ist. Trump hatte jüngst mit einem Angriff auf den Komplex gedroht, der im Berg Kuh-e Kolang südlich der Nuklearanlage Natans im Zentraliran liegt.

Berichte: USA verlegen weitere Kampfjets nach Nahost

Laut "Wall Street Journal" verlegen die USA nun unter anderem Kampfflugzeuge vom Typ F-16 vom US-Flugplatz Spangdahlem in der Eifel in den Nahen Osten. Zudem würden F-35-Kampfflugzeuge von dem von den USA genutzten Stützpunkt RAF Lakenheath in Grossbritannien geschickt. Auch Tankflugzeuge befinden sich demnach auf dem Weg in die Region. Die "New York Times" meldete dies ebenfalls unter Berufung auf US-Beamte.

Demnach war die Entscheidung bereits getroffen worden, bevor am Freitag laut dem US-Militär zum ersten Mal seit Monaten wieder zwei US-Soldaten durch iranischen Beschuss getötet wurden. Unterdessen meldete das US-Militär den Tod eines weiteren seiner Soldaten. Er sei am Samstag im Nordirak bei einer kontrollierten Sprengung nicht detonierter Kampfmittel aus einer abgeschossenen iranischen Einwegdrohne ums Leben gekommen. Die offiziell bekannte Zahl der im Iran-Krieg gefallenen US-Soldaten steigt damit auf 17.

Die "Washington Post" zitierte einen namentlich nicht genannten US-Beamten mit der Aussage, dass sich die USA auf einen umfassenderen Krieg vorbereiteten. Der Beamte hob demnach jedoch auch hervor, dass unter anderem schwindende Waffenvorräte der USA einer Ausweitung des militärischen Vorgehens im Iran Grenzen setzen würden. "Wir haben nicht genug, um die Einsätze sicher aufrechtzuerhalten, und ich glaube nicht, dass sich das Weiße Haus dessen bewusst ist", zitierte die Zeitung den Beamten.

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