oe24.TV-Interview

Kurz: Seine Abrechnung mit Europa

Sebastian Kurz im Interview bei Fellner! LIVE in einem Fernsehstudio.
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Ex-Kanzler Kurz im oe24.TV-Interview.
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Ex-Kanzler & Multimillionär Sebastian Kurz im Interview


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Ex-Kanzler Sebastian Kurz wird am Donnerstag 40. Im oe24.TV-Interview blickt er zurück auf seinen rasanten Aufstieg, seine Erfolge und seine Rückschläge. Außerdem verrät er, wie und wo gefeiert wird und warum Europa aufwachen muss.

oe24.TV: Herr Kurz, Sie werden am Donnerstag 40 Jahre alt. Man sagt oft, das sei ein einschneidendes Erlebnis. Wie werden Sie den "Runden" feiern?

Sebastian Kurz: Wir machen das immer im kleinen Rahmen, nur mit der Familie, bei uns in Niederösterreich und grillen da. Das ist eigentlich immer so, insofern wird das jetzt diesmal nicht anders sein.

oe24.TV: Sie waren der jüngste Staatssekretär, der jüngste Bundeskanzler. Wenn Sie jetzt zurückschauen auf ihre politische Karriere: Was war Ihr größter persönlicher Erfolg?

Kurz: Gott sei Dank war es eine in Summe, glaube ich, sehr schöne, erfüllende und auch erfolgreiche Zeit. Wir durften zweimal eine Wahl gewinnen, was ja als Volkspartei in Österreich alles andere als eine Selbstverständlichkeit war. In den letzten 50 Jahren hat die Volkspartei dreimal gewonnen, zweimal davon mein Team und ich.

oe24.TV: Und was war der größte Erfolg?

Kurz: Wir haben einiges umsetzen dürfen, was gut für Österreich ist: eine härtere Linie in der Migration, wir haben einen Budgetüberschuss zusammengebracht in unserer ersten Regierung mit der FPÖ, wir haben Reformen angestoßen. Vielleicht am meisten stolz bin ich auf den Familienbonus und die Steuersenkungen für kleine und mittlere Einkommen, weil das so der Moment war, wo ich das Gefühl gehabt habe, das wirkt sich unmittelbar positiv auf arbeitende Menschen aus.

oe24.TV: Es gab auch Niederlagen, vielleicht auch schmerzvolle Erfahrungen. Was war der schmerzvollste Moment?

Kurz: So schön und erfüllende Politik ist, es ist immer auch schmerzhaft, weil es einfach eine sehr fordernde Tätigkeit ist, wo es sehr viel Druck gibt, wo es sehr viel Gegenwind gibt. Sicherlich für mich besonders dramatisch war damals die Phase rund um Ibiza, wo dieses Video aufkam, das leider auch die Regierung dann zu Fall gebracht hat, das war etwas, was ich sehr schade finde, weil einfach die damalige Regierungskonstellation zwischen uns und der FPÖ, die hat sehr gut funktioniert

oe24.TV: Vermissen Sie die Politik? Gibt es Tage, wo Sie aufwachen und sagen: Na, jetzt würde ich eigentlich lieber ins Kanzleramt als ins Büro fahren?

Kurz: Nein, die gibt es eigentlich nicht. Das soll nicht negativ klingen, weil ich habe die Politik irrsinnig genossen. Ich habe das gern gemacht, es war mir wirklich auch eine Ehre, der Republik dienen zu dürfen und etwas für die Bevölkerung machen zu dürfen. Aber ich gebe zu, das Leben jetzt mit mehr Freiheit, der Möglichkeit auch mehr mit meinen Kindern zu machen, auch einer spannenden beruflichen Tätigkeit mit meinem Unternehmen, das finde ich sehr gut

oe24.TV: Sie haben das Ibiza-Video angesprochen. Sie haben bereits mehrfach gesagt, dass es ein Fehler war, die Koalition mit der FPÖ zu beenden. Warum haben Sie sich damals dafür entschieden?

Kurz: Ich weiß nicht, ob das Wort Entscheidung das Richtige ist - und ich weiß auch nicht, ob das Wort Fehler passend ist. Die Ereignisse haben sich damals so überschlagen, dass es gar nicht leicht möglich war, in eine andere Richtung abzubiegen. Wir haben zum einen die Situation gehabt, dass der Bundespräsident massiv gegen diese Regierung war, und den braucht man selbstverständlich, wenn man neue Personen angeloben möchte. Es gab in einigen Bundesländern massiven Widerstand gegen ein Fortsetzen der Koalition und es ist ja auch sehr erfolgreich damals der Eindruck vermittelt worden: Diese paar Minuten sind erst der Anfang und da kommen noch Stunden, in Wahrheit war es geschickt zusammengeschnitten und mehr kam dann nicht.

oe24.TV: Aber im Nachhinein, mit dem Wissen, das sie jetzt haben: Der Sebastian Kurz von heute, wenn er eine Zeitmaschine hätte, würden Sie diese Koalition weiterführen?

Kurz: Wie gesagt, das war nicht allein meine Entscheidung. Ich habe damals sie damals fortsetzen wollen und auch versucht, sie fortzusetzen, bis es dann eben nicht mehr ging. Und natürlich: Hätte ich nochmals die Möglichkeit, würde ich intensiv dafür kämpfen, das es weitergeht. Ich habe es damals probiert, es ist leider nicht geglückt.

oe24.TV: Welche Lehren haben Sie denn eigentlich aus diesem Scheitern der Koalition gezogen? Weil was ja danach kam, war ja ein fulminanter Wahlsieg...

Kurz: Ja, natürlich, das Wahlergebnis war gut, aber mir ging es ja nicht um Stimmenoptimierung bei der Wahl, sondern mir ging es ja darum, was Sinnvolles in Österreich voranzutreiben und in einer Koalition mit den Grünen ist das halt wesentlich schwieriger als in einer Konstellation mit der FPÖ, wo es einfach wesentlich mehr Übereinstimmungen inhaltlicher Natur gibt.

oe24.TV: Sie haben ja mit Herbert Kickl damals zusammengearbeitet. Es war damals ja auch eine Bedingung, dass er als Innenminister die Regierung verlässt. Wie bewerten Sie den jetzigen FPÖ-Chef heute?

Kurz: Ich bewerte grundsätzlich jetzt nicht Politiker in Österreich, weil ich mich in die österreichische Innenpolitik nicht einmische. Ich kann nur sagen: Ich persönlich bin mit meiner politischen Zeit mehr als nur im Reinen, ich habe das sehr genossen, habe das gern gemacht und ich bin mit allen, mit denen ich zusammengearbeitet habe im Reinen und habe ein gutes Verhältnis mit der Volkspartei. Auch mit der Freiheitlichen Partei, mit der ich immer gut zusammengearbeitet habe, mit vielen Akteuren dort und ja, auch mit dem Herbert Kickl habe ich Höhen und Tiefen gehabt in der Zusammenarbeit, wie das eben ist im Leben und insbesondere in der Politik.

oe24.TV: Hat er sich verändert zu der Zeit, wie er damals bei Ihnen in der Regierung war?

Kurz: Das überlasse ich anderen, das können Journalisten beurteilen oder er selbst oder der politische Gegner. Das ist nicht mein Geschäft.

oe24.TV: Sie haben ihn aber kürzlich getroffen. Um dieses Treffen ranken sich ja alle möglichen Gerüchte. Worum ging es da?

Kurz: Unnotwendigerweise gibt es da diese Gerüchte, weil es ist ganz einfach in zwei Sätzen erklärt: Ich war zehn Jahre lang Spitzenpolitiker, ich kenne natürlich im In- und Ausland viele Politiker und treffe mich immer wieder mit politischen Verantwortlichen in der ganzen Welt und ab und zu auch in Österreich. Ich habe mich auch mit anderen getroffen, da war es überraschenderweise nie ein Thema, beim Herbert Kickl war es jetzt so ein großes mediales Thema, nehme ich zur Kenntnis, ist aber eigentlich nicht notwendig.

oe24.TV: Abschließend zu dem Themenkomplex würde ich gerne auf die Grünen kommen, mit denen Sie ja danach zusammengearbeitet haben. Es hieß, da kommt jetzt das Beste aus beiden Welten. Im Endeffekt hat es nicht wirklich funktioniert, warum nicht?

Kurz: Die Parteien waren sehr unterschiedlich und dass ich aufgrund meines Erlebten eine klare Meinung dazu habe, dass man die Justiz nicht als politische Waffe verwenden sollte, das ist klar. Man hat mir damals ja zwei Verfahren angehängt, eines habe ich schon gewonnen, eines werde ich noch gewinnen und es hat mich Jahre, Gott sei Dank nicht Fulltime, aber doch Jahre beschäftigt. Viele Gerichtstermine gehabt, bis dann endlich klar war, was eh von Anfang an klar war: dass diese Falschaussagevorwürfe einfach erfunden waren.

oe24.TV: Sie wollen sich ja nicht in die Innenpolitik einmischen, deswegen frage ich etwas genereller. Sie Sind mittlerweile Unternehmer: Was würde sich eigentlich der Unternehmer Sebastian Kurz von der österreichischen Politik wünschen? Was müsste passieren?

Kurz: Das ist geschickt anders formuliert, aber in Wahrheit die gleiche Frage. Ich kommentiere die österreichische Innenpolitik nicht. Ich kann gerne etwas zu Europa sagen. Wir müssen aufpassen, dass Europa nicht an Wettbewerbsfähigkeit in so rasantem Tempo verliert, dass der ganze Wohlstand dahin ist. Die Wahrheit ist: Andere haben uns schon längst überholt, in den ganzen Bereichen Technologie, künstliche Intelligenz spielt Europa kaum eine Rolle, es ist alles in den USA und China.

oe24.TV: Aber die Europäische Volkspartei ist die stärkste Fraktion im EU-Parlament. Da würde man sich denken, es wird eine wirtschaftsfreundliche Politik betrieben. Warum passiert das nicht?

Kurz: Es ist ein Mix aus vielen Dingen. Zum Ersten gibt es natürlich auch bei den, unter Anführungszeichen, konservativen Parteien in Europa viele, die da sehr mittig bis mittig links aufgestellt sind. Es gibt einen starken medialen Mainstream und oftmals Politiker, die - auch wenn sie etwas anderes denken - sich nicht trauen, das auszusprechen. Dann gibt es immer wieder auf europäischer Ebene den Drang dazu, mit links zu koalieren, auch mit den Grünen. Das hat uns den Green Deal und vieles eingebracht, was einfach massiv den Standort geschwächt hat. Und das verbunden damit, dass einfach auch ein großer bürokratischer Apparat gebaut worden ist.

oe24.TV: Aber warum hat der Begriff rechte Politik in Europa Ihrer Meinung nach immer so einen negativen Beigeschmack. Wenn man das jetzt mit Amerika vergleicht, wo das ja ganz anders wahrgenommen wird.

Kurz: Ich glaube, es ist sehr stark von Medien und von einigen NGOs getrieben. Also die veröffentlichte Meinung ist halt wesentlich linker, oft auch wesentlich linker als die Meinung der Bevölkerung. Ich bin da mittlerweile völlig schmerzbefreit. Ich habe meine Überzeugungen, meine Meinungen, meine Haltungen. Und wenn das jemand als rechts bezeichnen will, dann soll er es als rechts bezeichnen. Ich würde mich selbst als Mitte rechts einordnen

oe24.TV: Sie bekommen die Frage in jedem Interview gestellt, aber es gehört irgendwie zu einem Interview mit Sebastian Kurz dazu. Comeback in die Politik?

Kurz: Ich kann mir das nicht vorstellen. Wirklich, ich habe es sehr gern gemacht und ich genieße, was ich jetzt mache und fühle mich da auch richtig aufgehoben.

oe24.TV: Und auf EU-Ebene? Sie werden immer wieder auch als EU-Kommissionspräsident genannt.

Kurz: Ich finde es wichtig, dass es auf europäischer Ebene einen Kurswechsel gibt. Aber ich strebe kein politisches Amt an.

oe24.TV: Kommen wir zum Unternehmertum, zum neuen Leben des Sebastian Kurz. Sie haben u.a. Dream gegründet, Ihre Cyber-Security-Firma. Was planen Sie da?

Kurz: Es hat sich Gott sei Dank alles gut entwickelt. Wir haben vor bald vier Jahren gestartet und versucht, zu zeigen, dass es möglich ist, ein Unternehmen im Bereich künstliche Intelligenz aufzubauen, das nicht in den USA oder in China sitzt, sondern in meinem Fall europäisch-israelisch ist. Unser großes Ziel ist, dass wir weiter wachsen und ein europäischer Player im Bereich Sovereign AI werden.

oe24.TV: Jetzt können sich manche nicht wirklich etwas darunter vorstellen. Sovereign AI, Cyber-Security. Was konkret macht Dream?

Kurz: Wir bieten Lösungen für sehr große Unternehmen, für kritische Infrastruktur und auch für ganze Staaten an. Im Bereich KI-basierter Cybersicherheit, vor allem gegen Angriffe, die auch von künstlichen Intelligenz-Tools getrieben werden oder von staatlich finanzierten Hackern, also aus China, aus Russland, aus Nordkorea oder dem Iran. Ganz einfach formuliert kann man sagen: Jeder, der einmal ChatGPT verwendet hat, weiß, wie sehr das die Welt und das alltägliche Leben verändert. Das ist eine Plattform, die fast alles weiß, alles Wissen, das es im Internet gibt, sehr generell ist, sehr breit ist, dadurch natürlich nicht immer zu 100% trifft. Und es gibt Unternehmen wie uns, die in wesentlich schmaleren Bereichen sind, aber da dann wesentlich tiefer gehen.

oe24.TV: Wie viel KI nützen Sie privat?

Kurz: Jeden Tag. Und ich bin immer wieder amüsiert, wenn ich sehe, dass meine 70-jährige Mutter mehrmals am Tag ChatGPT verwendet und mein vierjähriger Sohn mit einer totalen Selbstverständlichkeit, wenn ich irgendeine seiner Fragen nicht beantworten kann, zu mir sagt, dann frag doch ChatGPT.

oe24.TV: Wie stark wird die KI Ihrer Meinung nach unser Leben verändern?

Kurz: Total. Ich glaube, es kann sich noch überhaupt niemand das volle Ausmaß vorstellen, aber der Arbeitsmarkt wird sich einfach komplett ändern. Ganz viele Jobs, nämlich auch vor allem Bürojobs, werden sich komplett verändern. Viele werden wegbrechen. All diese großen Veränderungen, die kommen nicht in zehn oder in 20 Jahren, die kommen in den nächsten Jahren. Und das wird eine irrsinnige Kraft haben und ist natürlich auch politisch sehr sehr heikel, wie man damit umgeht.

oe24.TV: Elon Musk hat zuletzt gesagt, in einigen Jahren werde überhaupt kein Mensch mehr arbeiten müssen und die Menschheit sich nur noch auf die schönen Dinge konzentrieren kann. Sehen Sie das auch so extrem?

Kurz: Das teile ich so nicht, weil ich glaube, dass Arbeit ein schöner Teil des Lebens ist. Ich halte überhaupt nichts von dieser reinen Idee der Freizeitgesellschaft - vielleicht weil ich es irgendwie anders erlebt habe. Meine Eltern haben immer gearbeitet, ich arbeite sehr gerne. Wenn ich ein paar Tage auf Urlaub bin, dann frage ich mich, kann ich jetzt wieder was Produktives machen?

oe24.TV: Weil wir jetzt beim Thema Arbeit sind. Ist Kinderbetreuung für Sie Arbeit?

Kurz: Ja, natürlich. Meine Mama habe ich erlebt, sich immer um mich kümmernd, danach meine Oma pflegend, das alles neben ihrem Job. Bei uns ist es jetzt so, dass meine Frau deutlich mehr mit unseren beiden Kindern macht, weil ich eben berufstätig bin und viel auch im Ausland. Ich würde mal sagen, das ist sicher härter als meine Tätigkeit, aber weil das wahrscheinlich eine Anspielung auf den Christian Stocker ist, ich glaube ehrlicherweise nicht, dass er es so gemeint hat und entschuldigt hat er sich auch.

oe24.TV: Zum Schluss noch: 40 Jahre, läuten jetzt dann bald auch die Hochzeitsglocken?

Kurz: Schauen wir mal.

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