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Warnstreiks: Stehen kommende Woche in Österreich die Züge still?

Die Gewerkschaft vida hat beim ÖGB bereits die Streikfreigabe beantragt – aktuell sieht es so aus, als ob am 28. November die Züge still stehen würden. 

Die Eisenbahnerinnen und Eisenbahner wollen nach den abgebrochenen KV-Verhandlungen im Bahnsektor streiken. Die Gewerkschaft vida habe die Freigabe für einen bundesweiten Warnstreik am kommenden Montag, 28. November, beim Gewerkschaftsbund (ÖGB) beantragt, hieß es am Montagnachmittag in einer Aussendung. Die Gewerkschaft spricht von einem "Mangel an Wertschätzung" und einem "nur kosmetisch geschönten Angebot" seitens der Arbeitgeber.

Die Arbeitgeberseite hatte die Verhandlungen zu einem neuen Kollektivvertrag (KV) im Bahnsektor in der vierten Runde unterbrochen, wie der WKÖ-Fachverband der Schienenbahnen am Sonntagabend mitgeteilt hat. "Wir kommen nicht mehr weiter und reden gegen eine Wand", erklärte Chefverhandler Thomas Scheiber.

Beide Seiten betonten heute, dass sie weiter verhandlungsbereit seien. Die vida fordert die Arbeitgeber auf, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Arbeitgeberseite hofft auf einen Sinneswandel der vida. Auch der Chef des größten Arbeitgebers in der Branche, ÖBB-Vorstand Andreas Matthä, hat im Rahmen einer Pressekonferenz die Wiederaufnahme der Gespräche gefordert.

"Wir sind den Arbeitgebern in der gestrigen Verhandlungsrunde mehrfach entgegengekommen und haben unter anderem unser Angebot auf 400 Euro monatlich auf KV- und IST-Löhne angepasst", sagte Gerhard Tauchner, stellvertretender Vorsitzender des Fachbereichs Eisenbahn in der vida. "Die Arbeitgeber haben ein Angebot unterbreitet, welches angesichts der weiterhin steigenden Inflation Reallohnverluste von bis zu zwei Prozent bedeuten würde."

12 Prozent mehr Gehalt geboten

Die Gewerkschaft vida habe bereits während der Verhandlungen mit Streik gedroht, obwohl man bis zu 12 Prozent mehr Gehalt angeboten habe, sagte seinerseits Fachverbandsvertreter Scheiber. "Vor dem Hintergrund dieses Angebotes Streikszenarien in den Raum zu stellen, ist maßlos und unverantwortlich", kritisierte er. "Die Gewerkschaft hat den Boden der Realität komplett verlassen. Ein Plus von bis zu 24 Prozent auf die Gehälter und damit insgesamt mehr als 400 Mio. Euro ist für die Unternehmen unfinanzierbar und damit werden Arbeitsplätze gefährdet", erklärte der Fachverbandsobmann.

Der Fachverband empfiehlt seinen mehr als 65 Mitgliedsunternehmen, darunter die ÖBB und die Westbahn, nun die Gehälter "auf freiwilliger Basis und unter Anrechnung künftiger KV-Erhöhungen, die Löhne und Gehälter vorab mit 1. Dezember 2022 befristet auf 12 Monate um 200 Euro pro Monat, mindestens aber um 7,5 Prozent zu erhöhen."

Die ÖBB als größter Arbeitgeber der Branche will der Empfehlung zur freiwilligen Anhebung jedenfalls nachkommen. Wie ÖBB-Chef Andreas Matthä auf einer Pressekonferenz erklärte, sollen zudem alle Gehälter auf mindestens 2.000 Euro brutto angehoben werden.