Alarm für Oö. Automotiv-Arbeitsmarkt

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Der Leiter des AMS Oberösterreich Roman Obrovski hat im Zusammenhang mit der aktuellen Wirtschaftskrise Alarm geschlagen: "Es geht in manchen Bereichen so wie es bisher war, nicht mehr weiter". Ausdrücklich nennt er den Automotiv-Sektor und beruft sich dabei auf eine Studie, die er in einer Pressekonferenz am 23. Juli in Linz präsentierte.

Sie fordert mehr Innovation und Weiterbildung von den Firmen und ihren Beschäftigten. Zur erwarteten Entwicklung am Arbeitsmarkt schränkte Obrovski ein, Prognosen seien nicht das Business des AMS. Derzeit gebe es um mehr als 10.000 Arbeitsplätze weniger. "Wenn es gut geht", könnte die Arbeitslosenquote in Oberösterreich heuer im Jahresdurchschnitt um die 5 Prozent betragen, nach 3,5 im Vorjahr. Das wäre dann sogar etwas besser als in den 90er Jahren. Die Krise sei aber nicht "zum Durchsitzen". "Von alleine springt das nicht mehr an. Wir müssen was tun und zwar was Neues", verlangte Obrovski.

Die im Auftrag des AMS Oberösterreich vom Linzer Institut für qualitative Analysen erstellte Studie stellt fest, dass in der Automobilindustrie die aktuelle Konjunkturkrise mit einer tiefgreifenden Strukturkrise zusammentreffe. Die Befragung von Partnerbetrieben des Oö. Automobilclusters - meist produzierende Zulieferbetriebe - sowie von Mobilitäts-Experten lasse eine nachhaltige Reduktion der Beschäftigungsmöglichkeiten in diesem Bereich befürchten, zeigte Obrovski auf. Schon jetzt seien dort die meisten der derzeit 14.000 Kurzarbeitenden sowie Freisetzungen zu verzeichnen. Besonders gefährdet sei der Low-Job-Bereich - Personen mit geringer Qualifikation. In den 236 Partnerbetreiben des oö. Automobilclusters waren vor der Krise rund 60.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Neue Dienstleistungen werden notwendig

Ein künftig verkaufbares Automobil werde sich vom bisherigen beträchtlich unterscheiden - etwa bei den Werkstoffen, Antriebssystemen und beim Verbrauch. Es werde neue Mobilitätskonzepte geben. Neue Produkte und Dienstleistungen seien dazu notwendig, heißt es in der Studie.

Sie verweist auch auf Stärken und Ansätze: Der oö. Automotivsektor sei materiallastig, außerdem sei die Elektronik unterrepräsentiert - das sollte verbessert werden. Die Stärken, die im Bereich Kunststoff und Leichtbau bestünden, sollten genützt werden, um in anderen Branchen Fuß zu fassen, etwa in der Medizintechnik. Dabei könnten sogar die vorhandenen Maschinen eingesetzt werden. Die Mitarbeiter der Betriebe sollten sich vom "stumpfen Produzierer" zu innovativen Menschen entwickeln.

Ihnen sollte eine Visionsgabe vermittelt werden und das Weiterdenken weg vom Automobil ermöglicht werden. Damit Oberösterreichs automotiv ausgerichtete Unternehmen technologisch und kostenmäßig anschlussfähig bleiben, sei ein innovationsförderndes politisches Umfeld erforderlich. Obrovski kündigte als ersten Schritt an, dass das AMS ab Herbst 40 arbeitsuchende HTL-Absolventen nach einem sechswöchigen Vorbereitungskurs als Praktikanten im Forschungs- und Entwicklungs-Bereich für innovationsorientierte Unternehmen anbieten werde.

Service: Die Studie - Lang- und Kurzfassung - ist abrufbar unter http://www.ams.at/ooe

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