Insgesamt standen 5 Milliarden Euro zur Verfügung

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Endspurt um Abwrackprämie in Deutschland

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Der Endspurt um die deutsche staatliche Abwrackprämie für Altautos hat begonnen. Im Fördertopf war am Dienstagabend (1.9.) nach Angaben des Bundesamtes für Ausfuhrkontrolle und Wirtschaft (Bafa) nur noch Geld für 5.248 Anträge.

Bei einem durchschnittlichen Eingang von 9.000 Neu-Anträgen täglich dürfte der Topf am Mittwoch (2.9.) leer sein. Insgesamt standen seit Jänner 5 Mrd. Euro für die Abwrackprämie zur Verfügung, damit können insgesamt knapp 2 Mio. Autokäufer gefördert werden.

Die Abwrackprämie wird trotz Forderungen aus Industrie und Verbänden nicht verlängert. "Weitere Prämien können dann nicht mehr gewährt werden", schreibt das Bundesamt auf seiner Internetseite. Die Summe von 2.500 Euro erhält, wer ein mindestens 9 Jahre altes Auto verschrottet und dafür ein neues mit mindestens der Abgasnorm Euro 4 kauft. Die Prämie kann mit dem Kaufvertrag bis zur Auslieferung reserviert werden unter ump.bafa.de.

90.000 Jobs gefährdet

Mit dem Auslaufen der deutschen Verschrottungsprämie sind nach Expertenansicht 90.000 Arbeitsplätze in der Automobilbranche in Gefahr. "Wir können im Handel bis zu 6.500 Betriebe verlieren. Wenn man davon ausgeht, dass ein Händler im Durchschnitt 14 Mitarbeiter hat, so kommen wir glattweg auf 90.000 Personen, die jedenfalls nicht einen sicheren Arbeitsplatz haben", sagte Wolfgang Meinig vom deutschen Forschungsinstitut Automobilwirtschaft im ARD-Morgenmagazin.

Meinig kritisierte, dass durch die Verschrottungsprämie eine künstliche Konjunktur inszeniert worden sei. Die staatliche Förderung habe den Neufahrzeug-Absatz künstlich auf 3,6 Mio. hochgezogen. "Im nächsten Jahr werden wir 800.000 Fahrzeuge weniger verkaufen. Das ist ein riesengroßes Problem." Wenn man davon ausgehe, dass ein Händler 120 Fahrzeuge im Jahr verkaufen muss, bestehe die Gefahr, dass sich im nächsten Jahr 6.500 Händler verabschieden müssten. Die Händler seien wie ein Hund zur Jagd getragen worden.

"Ich glaube, dass wir jetzt erst einmal ein tiefes Loch erleben werden. Die Folgen für den Arbeitsmarkt werden wir erst im Jahr 2010 erkennen können", sagte der Branchenkenner. Nach Meinigs Überzeugung wäre es vernünftig gewesen, einen stetigen Absatz zu inszenieren und nicht mit diesen Maßnahmen in solcher Massivität einzugreifen.

Getrübte Stimmung auf der IAA

Die Verschrottungsprämie hat die Automobilkonjunktur in Deutschland bisher vor einem Absturz bewahrt. Spätestens zur Branchenmesse IAA (17.-27.9.) in Frankfurt ist der staatliche Fördertopf aber ausgeschöpft. Marktforscher rechnen daher für nächstes Jahr mit einem Rückgang der Pkw-Neuzulassungszahl um 1 Mio., weil wegen des außerordentlichen Anreizes sehr viele Käufe vorgezogen wurden und der Bedarf damit gedeckt ist.

Das droht die Stimmung auf der wichtigen Autoschau in Frankfurt zu vermiesen. "Kein Land der Welt wird 2010 so stark verlieren wie Deutschland", prognostiziert Automobilprofessor Ferdinand Dudenhöffer. Während weltweit die langsame Erholung von der großen Krise beginne, werde hierzulande der Abschwung eingeleitet.

Neue Impulse können sich die deutschen Autobauer auch nicht vom Rummel um umweltfreundliche Elektroautos erhoffen. Denn vieles von dem, was sie auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) ins Scheinwerferlicht stellen, ist noch Zukunftsmusik. Marktreife Elektrofahrzeuge in nennenswerten Stückzahlen werden erst ab dem Jahr 2020 erwartet. Aber auch dann wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Die Unternehmensberatung McKinsey rechnet damit, dass "E-Mobile" in elf Jahren lediglich einen Weltmarktanteil von bis zu 9 Prozent erreichen werden.

"Megathema" Elektroauto

Nach der leidvollen Erfahrung mit Hybridautos (eine Kombination von Elektroaggregat und herkömmlichem Verbrennungsmotor), bei denen die japanische Konkurrenz die Nase vorn hat, wollen die deutschen Autobauer diesmal von Anfang an vorne dabei sein. Alle namhaften Hersteller präsentieren auf der IAA Elektroautos oder Entwicklungskonzepte. "Das Elektroauto hat sich innerhalb kurzer Zeit zu einem Megathema entwickelt", stellt der Leiter des Center of Automotive in Bergisch Gladbach, Stefan Bratzel, fest.

Daimler will seinen Stadtflitzer Smart noch 2009 mit leistungsfähigem Lithium-Ionen-Batterieantrieb auf den Markt bringen. 2010 soll als erstes Mercedes-Benz-Modell mit Batterieantrieb die kompakte A-Klasse folgen. BMW präsentiert auf der IAA den batteriebetriebenen Mini, der derzeit in mehreren europäischen Großstädten und in den USA getestet wird. Toyota will den Kleinwagen IQ unter Strom setzen. Volkswagen hat Pläne für den Kleinwagen Up! als E-Auto. Die VW-Schwester Audi hebt den Supersportwagen R8 mit Elektromotor ins Rampenlicht, um zu zeigen, dass man technologisch auf der Höhe ist.

Bis zum Durchbruch zu einer massenweisen Elektromotorisierung ist es allerdings noch ein weiter Weg. Der Leiter der Bamberger Forschungsstelle Automobilwirtschaft, Wolfgang Meinig, bemängelt die Markteinführung als zu schleppend. "Welche Marke ist so forsch und intelligent, dass sie Wege findet, die Phase des Serienanlaufs zu verkürzen?", lautet für den Experten die Schlüsselfrage. Der von der Bundesregierung angekündigte "nationale Entwicklungsplan", mit dessen Hilfe bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straße gebracht werden sollen, könne erst ein Anfang sein.

Opel als Vorreiter

Vorreiter in Sachen Elektromobilität könnte Opel werden. Die Rüsselsheimer wollen den Ampera in Frankfurt zeigen, einen auf Basis der GM-Marke Chevrolet Volt entwickelten Elektrowagen, der 2011 auf den deutschen Markt kommen soll. Allerdings könnte die Aufmerksamkeit von der wichtigen Neuvorstellung abgelenkt werden, wenn der bisherige Mutterkonzern GM bis dahin immer noch nicht entschieden hat, ob er Opel behält oder an einen Investor verkauft.

Dabei könnten die Bedingungen für die deutschen Autobauer nach Auffassung von Experten bei der 63. IAA kaum besser sein. Mit Nissan, Honda und Mitsubishi haben gleich drei wichtige Konkurrenten bereits zum Höhepunkt der weltweiten Autokrise im Frühjahr ihre Teilnahme an der Messe abgesagt. "Die ärgern sich jetzt schwarz", schätzt Analyst Christoph Stürmer vom Marktforschungsinstitut Global Insight. Nissan will sein Elektroauto Leaf bereits Ende 2010 in den USA und Japan auf den Markt bringen. Im gleichen Jahr will Mitsubishi den Verkauf seines Elektromobils i-Miev starten. Honda plant, bis 2015 ein Elektrofahrzeug in Serie zu haben.

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