Porsche soll "Rettungsangebot" von VW annehmen

Hohe Schuldenlast bei Porsche

Die Finanznot bei Porsche ist laut Medienberichten weitaus größer als bisher bekannt. Nach Informationen der deutschen Magazine "Der Spiegel" und "Focus" drückt den Sportwagenbauer eine Schuldenlast von rund 14 Mrd. Euro, bekannt waren bisher 10 Mrd. Euro.

Der "Spiegel" beruft sich in seiner Meldung auf Bankenkreise. Demnach müssten zu den Kreditschulden noch weitere Anleihen gezählt werden, die das Unternehmen herausgegeben habe. Porsche-Sprecher Anton Hunger bestätigte die neuen Zahlen nicht und verwies auf die 10 Mrd. Euro.

Entschieden wandte er sich gegen Angaben aus dem "Focus"-Vorausbericht, wonach Porsche in etwa zwei Wochen zahlungsunfähig gewesen wäre, wenn es nicht zu einer Einigung mit Volkswagen gekommen wäre. Am Donnerstag (23. Juli) hatte VW nach monatelangem Ringen den Machtkampf mit Porsche gewonnen, der Sportwagenbauer soll zehnte Marke bei den Wolfsburgern werden. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking nahm den Hut. Nachfolger wurde der bisherige Produktionsvorstand Michael Macht.

Wie der "Spiegel" weiter schreibt, hat Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann Porsche-Miteigentümer Wolfgang Porsche in einem vertraulichen Gespräch auf die schwierige finanzielle Lage hingewiesen. Die Familien kämen um eine Kapitalerhöhung nicht herum, habe Ackermann gesagt. Sie müssten sehr schnell eigenes Kapital ins Unternehmen stecken. Ein Sprecher der Bank kommentierte dies auf Anfrage nicht.

VW peilt Kapitalerhöhung an

Der Volkswagen-Konzern prüft einem Medienbericht zufolge, die Porsche-Übernahme durch eine vier Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung abzusichern. Europas größter Autokonzern fürchte aufgrund des Kaufs des Sportwagenkonzerns um sein Kreditrating, berichtet die "Financial Times Deutschland" (FTD) auf ihrer Internetseite. Angesichts der Barreserven von elf Milliarden Euro könne VW die Übernahme aber grundsätzlich bewältigen.

Am Wochenende war bekanntgeworden, dass die Schuldenlast bei Porsche größer ist als bisher angenommen. Nach Informationen der Nachrichtenmagazine "Der Spiegel" und "Focus" steht der Stuttgarter Luxusautohersteller mit 14 Mrd. Euro in der Kreide. Ein Unternehmenssprecher bestätigte die neuen Zahlen jedoch nicht und verwies auf die bisher eingeräumten zehn Mrd. Euro Schulden. Porsche hatte sich beim Versuch, Volkswagen zu übernehmen, übernommen. Die Stuttgarter halten derzeit 51 Prozent der Anteile an Volkswagen.

Familien-Anteile sinken

Nach Informationen von "Spiegel" und "Focus" sollen die Familien Porsche und Piech künftig weniger Anteile halten als bisher angenommen: Demnach sollen die Familien in der ersten Jahreshälfte 2011 über mehr als 30 Prozent der Anteile am vereinten VW-Porsche-Konzern verfügen, das Land Niedersachsen über mehr als 20 und das Emirat Katar über weniger als 20 Prozent. Der "Focus" beruft sich dabei auf interne VW-Unterlagen. Sprecher von Porsche und VW kommentierten diese Informationen auf Anfrage nicht. Wie das Magazin weiter schreibt, würden die Familien die Salzburger Porsche-Holding mit in das gemeinsame Unternehmen einbringen.

Laut dem "Focus"-Bericht will die VW-Spitze die Porsche-Vertreter nun mit gezielten Offerten einbinden. Wolfgang Porsche soll demnach auch im neuen Unternehmen Aufsichtsratschef bleiben und zudem in Kürze als Nachfolger von Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking ins sechsköpfige Präsidium des VW-Aufsichtsrates einziehen. Oliver Porsche und Hans Michel Piech sollen ebenfalls einen Sitz im Kontrollgremium von Volkswagen erhalten, wie auch der "Spiegel" weiter schreibt. Auch hierzu gab es von den Unternehmen keinen Kommentar.

Die Stuttgarter verfügen derzeit über knapp 51 Prozent der Anteile an VW und haben sich über die Optionen weiteren Zugriff auf Europas größten Autobauer gesichert. Das Unternehmen hatte sich dabei finanziell übernommen.

Kritik an Porsche-Management

Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) warf dem Porsche-Management im "Spiegel" unterdessen entscheidende Fehler in der verlorenen Übernahmeschlacht vor. Die Führung des Sportwagenherstellers habe den Eindruck erweckt, bei VW bleibe "kein Stein auf dem anderen", sollte die Übernahme aus Stuttgart gelingen. "Die Art und Weise, wie Porsche in Wolfsburg einmarschiert ist, fanden sicherlich nicht alle gut." So was "produziert natürlich Abwehrreaktionen. Das ist völlig menschlich." Im Kampf gegen das VW-Gesetz sei noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Die von Oettinger erneut angestoßene Diskussion um das VW-Gesetz, das dem Land Niedersachsen mit seinem 20-Prozent-Anteil ein Vetorecht sichert, kritisieren die Betriebsräte von VW und Porsche, Bernd Osterloh und Uwe Hück. Was Oettinger mache, gehe gegen die Interessen der Kollegen von Volkswagen, Audi und Porsche, sagte Osterloh der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

VW-Gesetz auf dem Prüfstand

Nach dem Vereinigungsbeschluss von Volkswagen und Porsche will die EU-Kommission laut einem Zeitungsbericht die Rechtmäßigkeit des VW-Gesetzes erneut prüfen. Der Sprecher von Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy sagte der "Süddeutschen Zeitung", seine Behörde werde im September beraten, ob sie Deutschland wegen des Gesetzes zum zweiten Mal nach 2007 vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) verklage.

Die Sonderregelung war in den 1960er Jahren geschaffen worden, um eine feindliche Übernahme des Konzerns auszuschließen. Sie sichert dem deutschen Bundesland Niedersachsen ein Vetorecht in wichtigen strategischen Fragen sowie bei Standortentscheidungen. Der EuGH hatte das Gesetz bereits 2007 für unvereinbar mit europäischem Recht erklärt, weil es den freien Kapitalverkehr einschränke. Die deutsche Bundesregierung änderte die Regelung daraufhin, ließ den Passus, wonach wichtige Beschlüsse einer Kapitalmehrheit von 80 Prozent bedürfen, aber bestehen. Damit behielt das mit 20,01 Prozent beteiligte Land Niedersachsen seine Sperrminorität.

Die deutsche Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, die auch in der Union neu aufkeimende Debatte um das VW-Gesetz sofort zu beenden. "Die CDU schadet dem Wirtschaftsstandort Deutschland, wenn sie Zweifel am VW-Gesetz streut", erklärte sie. Dagegen forderte der baden-württembergische Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) in der Zeitung, das Gesetz abzuschaffen. Es benachteilige private Anteilseigner und schade den Standortinteressen Baden-Württembergs.

Jobabbau erwartet

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer rechnet nach der Porsche-Übernahme durch VW mittel- und langfristig mit Jobabbau bei dem Stuttgarter Sportwagenbauer. In einem Interview der "Pforzheimer Zeitung" sagte Dudenhöffer: "Die Doppelfunktionen werden im Konzern wegfallen und damit auch Arbeitsplätze. Nach meiner Einschätzung zwischen zehn und 20 Prozent."

Das werde allerdings nicht sofort und sozialverträglich geschehen. "Es werden beispielsweise Verträge auslaufen und nicht mehr erneuert", sagte der Experte voraus. Auch könnten die Ersatzteilversorgung, das Produktionssystem und die Entwicklung angeglichen werden. "Wer etwas anderes behauptet, hat sich noch nie angesehen, wie eine Übernahme von einem Unternehmen funktioniert", betonte Dudenhöffer.

Zweifel äußerte er an der Eigenständigkeit von Porsche im VW- Konzern. "Porsche ist die zehnte Konzernmarke bei VW und das VW-Gesetz wandert nach Stuttgart". VW werde künftig das Sagen haben. "Es sieht ganz klar so aus, dass die strategischen Entscheidungen in Wolfsburg fallen", meinte Dudenhöffer.