Machtkampf zwischen VW und Porsche

Porsche-AR soll nur über Katar-Angebot abstimmen

Im Machtkampf um die Zukunft von Porsche zeichnet sich eine Vorentscheidung für einen Einstieg des Emirats Katar ab. Der Porsche-Aufsichtsrat werde auf seiner außerordentlichen Sitzung am 23. Juli nach derzeitigem Stand lediglich über das Angebot des Wüstenstaats Katar abstimmen, berichtete die "Bild"-Zeitung.

Das Konzept von Volkswagen, sich an Porsche zu beteiligen, stehe vorläufig nicht mehr zur Entscheidung. Der Entwurf aus Wolfsburg wurde nur noch als "Informationspunkt" auf die Tagesordnung genommen, nicht mehr als "Entscheidungspunkt".

Der von den Familien Piech und Porsche kontrollierte Sportwagenbauer, der 51 Prozent an Volkswagen hält, hat sich mit der Übernahme des deutlich größeren VW-Konzerns verhoben und sucht nun nach Wegen, um die Schuldenlast von neun Milliarden Euro zu drücken. Dazu umwirbt Porsche unter Führung von Vorstandschef Wendelin Wiedeking das Emirat Katar, um mit geringeren Verbindlichkeiten in Fusionsverhandlungen mit VW einzutreten. VW mit Aufsichtsratschef Ferdinand Piech an der Spitze will hingegen zuvor einen Teil des Porsche-Sportwagengeschäfts übernehmen.

In Porsche-Kreisen hieß es zuletzt, es sei auch vorstellbar, dass die Familien Porsche und Piech eine Mischform beider Wege anstrebten, damit beide Kontrahenten das Gesicht wahren könnten. Katar will Kreisen zufolge sieben Milliarden Euro in das entstehende Gebilde aus VW und Porsche stecken.

Wulff gegen Porsche-Pläne

Für Porsche wird die Luft immer dünner. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) will mit allen Mitteln eine Übernahme von Volkswagen durch Porsche verhindern. "Eine feindliche Übernahme wird nicht klappen", sagte Wulff, der auch im VW-Aufsichtsrat sitzt, dem Online-Portal süddeutsche.de. Porsche und VW funktionierten nur im Miteinander und nicht im Gegeneinander. Er kenne keine Tiere, bei denen "der Schwanz mit dem Hund wedelt". Laut süddeutsche.de ist eine Entmachtung Wiedekings nur noch eine Frage von Stunden.

Wulff drohte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking indirekt mit seinem Einfluss auf mögliche Geldgeber. "Meine Mittel sind die sehr guten Kontakte zu arabischen Investoren und das VW-Gesetz, wonach Niedersachsen mit 20 Prozent Aktien eine Sperrminorität hat." Der Politiker zeigte sich zuversichtlich, "dass wir in den nächsten Tagen zu einem integrierten Konzern VW/Porsche kommen, in dem die Familien Piech und Porsche die Mehrheitsaktionäre sind und zu Niedersachsen noch Katar als Aktionär hinzukommt". Dann werde Volkswagen 2018 der größte Automobilkonzern der Welt sein.

VW beruft Sondersitzung ein

Volkswagen hat im Ringen um die Zukunft von VW und Porsche für den 23. Juli eine Sondersitzung des Aufsichtsrats einberufen. Die Sitzung findet in Stuttgart statt, wie die Deutsche Presse-Agentur dpa aus Konzernkreisen erfuhr. Am selben Tag ist auch eine Porsche-Aufsichtsratssitzung geplant. Damit zeichnet sich eine Entscheidung im Machtkampf ab.

Der hoch verschuldete VW-Großaktionär Porsche braucht eine Finanzspritze. Das Emirat Katar bietet laut Bankenkreisen insgesamt rund 7 Mrd. Euro für den Kauf von Stammaktien und VW-Optionen. Volkswagen dagegen will knapp die Hälfte der Porsche AG übernehmen.