Reitzle wird neuer Conti-Aufsichtsratschef

Linde-Chef Wolfgang Reitzle wird neuer Aufsichtsratsvorsitzender des Autozulieferers Continental. Er komme für Rolf Koerfer, der dem Gremium weiterhin angehören werde, teilte Conti mit. TUI-Chef Michael Frenzel habe sein Mandat im Aufsichtsrat mit Hinweis auf seine Arbeitsbelastung in seinen hauptamtlichen Tätigkeiten zur Verfügung gestellt. Bei der geplanten Kapitalerhöhung drückt der Autozulieferer aufs Tempo.

Angesichts des derzeit günstigen Marktumfelds sei es das Ziel, die Ausgabe neuer Aktien für bis zu 1,5 Mrd. Euro noch in diesem Jahr über die Bühne zu bringen, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen aus dem Conti-Umfeld. "Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren und könnten in sechs bis acht Wochen abgeschlossen sein", sagte ein Insider. Ein anderer erklärte: "November wäre möglicherweise ein guter Zeitpunkt für die Kapitalerhöhung." Das Umfeld könnte sich ab Frühjahr wieder verschlechtern, weil die durch staatliche Abwrackprämien für Altautos ausgelöste Sonderkonjunktur wohl abebben wird.

Conti-Mehrheitseigentümer Schaeffler will Kreisen zufolge nicht mehr dazwischenfunken. "Schaeffler will aber Klarheit von den Conti-Banken, dass mit dem frischen Kapital die Kreditbedingungen bei Conti lockerer werden", sagte ein Banker. Eine endgültige Einigung hierüber sei zwar noch nicht erreicht, sie werde aber innerhalb der nächsten zwei Wochen erwartet, hieß es. Der im Juli geschasste Conti-Chef Karl-Thomas Neumann hatte vor seinem Abgang noch die Vorbereitung der Kapitalerhöhung durchgedrückt.

Beide Unternehmen sind sich Kreisen zufolge inzwischen einig darüber, dass der richtige Zeitpunkt für eine Kapitalerhöhung nicht verpasst werden dürfe. Nach dem Tiefststand von rund zehn Euro im Frühjahr hat sich die Conti-Aktie in den vergangenen Wochen auf über 30 Euro erholt. Damit wäre das Ziel, mit der Ausgabe von bis zu 58,6 Millionen neuen Aktien - soviel dürfen es laut Hauptversammlungsbeschluss höchstens sein - 1,5 Mrd. Euro zu erlösen, in greifbarer Nähe. Conti und Schaeffler lehnten eine Stellungnahme ab.

Keine Bank offiziell mandatiert

Nach Aussage von Insidern läuft es wohl darauf hinaus, dass die Kreditinstitute Deutsche Bank, Goldman Sachs, JP Morgan und Citi die Kapitalerhöhung begleiten. "Allerdings ist bisher keine Bank offiziell mandatiert", sagte ein Banker. Möglicherweise sprängen noch Banken ab oder kämen weitere hinzu.

Durch die Kapitalerhöhung würde sich der Anteil von Schaeffler auf rund zwei Drittel verwässern. Bisher kommt das fränkische Familienunternehmen über selbst gehaltene und bei Banken geparkte Papiere auf knapp 90 Prozent der Conti-Anteile. Schaeffler hatte sich daher zunächst gegen die Ausgabe neuer Aktien gewehrt, erachtet sie nun aber als sinnvoll. Denn vor einer Verschmelzung sollen beide Unternehmen finanziell solide aufgestellt sein, so die Franken.

Schaeffler selbst hatte sich mit seinen Banken vor kurzem auf eine neue, langfristige Finanzierung geeinigt. Conti kämpft seit der Übernahme der Siemens Autoelektroniksparte mit einem 10 Mrd. Euro schweren Schuldenberg und muss bis spätestens Sommer 2010 eine Tranche über 3,5 Mrd. Euro refinanzieren. Auch um nicht aus einer Notlage heraus verhandeln zu müssen, strebt Conti eine möglichst frühzeitige Kapitalerhöhung an.