Insolvenzverwalter sieht in Sparten-Spaltung beste Lösung

Webasto übernimmt Edscha-Sparte Cabriodächer

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Der insolvente deutsche Autozulieferer Edscha wird aufgespalten: Webasto übernimmt den Edscha-Geschäftsbereich Cabriodächer mit europaweit rund 1.200 Mitarbeitern. Das teilte Insolvenzverwalter Jörg Nerlich mit. Durch den Verkauf würden allein in Deutschland 800 Arbeitsplätze in den bayerischen Edscha-Werken Hengersberg und Regensburg gesichert.

Damit die Übernahme der Cabriodach-Sparte durch Webasto vollzogen werden kann, ist noch grünes Licht seitens der Wettbewerbshüter erforderlich. Das Remscheider Unternehmen hofft, dass dies im Herbst der Fall sein wird. Der Kaufpreis wurde nicht genannt.

Die Trennung der Geschäftseinheit Cabrio-Dachsysteme von den Karosserieprodukten ist nach Ansicht des Insolvenzverwalters die bestmögliche Lösung für das Unternehmen, die Beschäftigten und die Gläubiger. Zwischen beiden Geschäftseinheiten gebe es kaum Synergien, von denen das Gesamtunternehmen hätte profitieren können, erklärte Nerling.

Webasto biete der Cabriodach-Sparte von Edscha die aussichtsreichsten Perspektiven. Der Käufer sei selbst in dem Bereich tätig und sehr erfahren. Die Edscha-Cabriodach-Sparte erzielte im Geschäftsjahr 2007/2008 (30. Juni) rund 370 Mio. Euro Umsatz. Das war gut ein Drittel des Konzernumsatzes von Edscha. Ein großer Auftraggeber für die Cabrio-Dächer von Edscha ist BMW.

Noch keine Lösung für Edscha-Sparte Karosserieprodukte

Für die größere Edscha-Sparte Karosserieprodukte gehen die Gespräche mit Interessenten nach Angaben des Insolvenzverwalters weiter. Sie lägen im Zeitplan. "Ich bin zuversichtlich, bis zum Spätsommer eine Einigung mit einem potenziellen Partner zu erzielen." Das Interesse an dem Weltmarktführer bei Scharniersystemen sei sehr groß. Die Sparte Karosserieprodukte erzielte 2007/2008 einen Umsatz von 707 Mio. Euro. Sie beschäftigt weltweit 4.300 Mitarbeiter. Davon sind 1.300 Mitarbeiter in Deutschland tätig. Im Werk Hengersberg sind beide Sparte vertreten: Rund 500 Mitarbeiter arbeiten in der Sparte Cabriodächer und rund 750 in der Sparte Karosserieprodukte.

Der Vorstand der Edscha AG hatte im Februar Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens für die europäischen Standorte gestellt. Als Grund wird der Einbruch im weltweiten Automarkt in Kombination mit einem deutlich verschlechterten Zugang zur Finanzierung auf den Kapitalmärkten genannt. Die Edscha-Standorte in USA, Kanada und Brasilien sowie Asien sind von der Insolvenz nicht betroffen.

Webasto mit Sitz in Stockdorf bei München wurde 1901 gegründet und befindet sich seitdem in Familienbesitz. Sie hat rund 6.500 Mitarbeiter an 50 Standorten und zählt mit einem Umsatz von etwa 1,6 Mrd. Euro zu den 100 größten Autozulieferern weltweit. In dieser Liga spielt auch Edscha mit. Dem Vernehmen nach hat es auch Interessenten für beide Edscha-Sparten im Paket gegeben. Die Mehrzahl der potenziellen Investoren hätten aber nur für eine Sparte geboten.

Webasto plant, den eigenen Cabrio-Geschäftsbereich mit rund 400 Mitarbeitern mit dem von Edscha in einer neuen Gesellschaft unter der Führung des bisherigen Edscha-Managements zusammenzuführen. "Mit Edscha bauen wir unsere technologische Expertise für Cabrio-Dachsysteme konsequent aus", ist Webasto-Chef Franz-Josef Kortüm überzeugt.

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