Zehntausende Stellen in deutscher Autoindustrie gefährdet

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Auf die deutsche Autoindustrie rollt nach einer Prognose des Experten Ferdinand Dudenhöffer eine Kündigungswelle zu. In den kommenden 5-10 Jahren muss die Branche ihre Überkapazitäten deutlich abbauen. Dadurch müssten bis zu 50.000 der derzeit noch rund 700.000 Arbeitsplätze bei Automobilherstellern und Zulieferern wegfallen.

"Die Kapazitäten sitzen dort, wo wir sie nicht brauchen", sagte Dudenhöffer. Er erwarte in Europa den Abbau von Produktionskapazitäten für bis zu 2 Mio. Fahrzeuge. Zu dem Kongress der Universität Duisburg-Essen sind in diesem Jahr fast 1.000 Automobil-Experten ins Ruhrgebiet gekommen.

Ähnlich wie andere Experten prognostizierte Dudenhöffer für das laufende Jahr einen dramatischen Einbruch des Automobilabsatzes in Deutschland. Hintergrund des erwarteten Rückgangs um knapp 26 % oder fast 1 Mio. Fahrzeuge auf 2,83 Mio. verkaufte Neuwagen sei vor allem der im vergangenen Jahr ausgelöste Boom durch die Abwrackprämie, so Dudenhöffer. Die Automobilverbände VDA und VDIK hatten einen ähnlichen Inlandsabsatz vorhergesagt.

Im Jänner waren in Deutschland so wenige Neuwagen wie noch nie seit der Wiedervereinigung verkauft worden. Mit rund 181.200 Neuzulassungen lag das Ergebnis um 4,3 % unter dem bereits schwachen Vorjahreswert.

Weltweit erwartet Dudenhöffer in diesem Jahr ein Absatz-Plus von 4,1 % auf 55,1 Mio. Fahrzeuge. Mit einem Anstieg der weltweiten Automobilnachfrage sei künftig vor allem in Asien und Russland zu rechnen, sagte er. Nach einem Tiefpunkt der weltweiten Verkäufe im Jahr 2009 mit knapp 53 Mio. werde bis 2015 mit einem deutlich Anstieg auf rund 67 Mio. verkaufte Fahrzeuge gerechnet.

Daimler-Entwicklungsvorstand Thomas Weber betonte die Rolle von technischen Innovationen für die Zukunft der deutschen Automobilindustrie. Der Autobauer werde dabei künftig verstärkt auf die Entwicklung von reinen Elektro- und sogenannten Hybridfahrzeugen setzen. Der Strom könne dabei entweder aus der Steckdose kommen oder an Bord des Fahrzeugs mittels Wasserstoff selbst erzeugt werden.

Dabei werde Daimler auch künftig auch auf große Fahrzeuge und einen Ausbau der Sicherheit setzen. "Nur große Autos mit der falschen Technologie werden keine Perspektive haben", sagte Weber. Daimler arbeite bereits an einem Fahrzeug der Oberklasse mit sehr niedrigem Verbrauch.

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