Betrugsverdacht verleidet Goldman Sachs den Gewinn

Betrugsverdacht verleidet Goldman Sachs den Gewinn

Eigentlich wäre es ein Tag zum Feiern gewesen bei Goldman Sachs: Doch die immer größere Kreise ziehenden Betrugsvorwürfe haben der US-Investmentbank ihren Milliardengewinn zu Jahresbeginn vermiest. Politiker in Deutschland und Großbritannien schossen auch am 20. April scharf gegen die renommierte Wall-Street-Adresse. Anleger fürchten, dass das Geschäft langfristig leidet.

"Sollten sich die Vorwürfe gegen Goldman Sachs bestätigen, wäre dies ein ungeheuerlicher Vorgang", sagte der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag, Leo Dautzenberg (CDU), der dpa. Noch will er nicht an den Geschäftsbeziehungen zu dem großen US-Institut rütteln. "Wenn es aber nachweisbare Handlungen gab, dann muss man in der Tat die Frage stellen, ob man bei Emissionen und Platzierungen von Anleihen mit einem solchen Partner zusammenarbeitet."

Geschäft mit Bund und Ländern

Goldman Sachs ist mit Bund und Ländern groß im Geschäft - ob bei Privatisierungen von Staatsunternehmen oder bei der Refinanzierung der Schulden. Auch für andere Regierungen ist Goldman Sachs bisher erste Wahl. Nicht zuletzt deshalb konnte die US-Investmentbank im ersten Quartal ihren Gewinn auf unterm Strich 3,3 Mrd. Dollar heraufschrauben - eine Verdoppelung zum Vorjahreszeitraum.

Dennoch lag die Aktie den dritten Tag in Folge im Minus. Die US-Börsenaufsicht SEC wirft Goldman Sachs vor, Anleger mit einem Finanzprodukt getäuscht und um mehr als eine Milliarde Dollar gebracht zu haben. Zu den Opfern gehören demnach die deutsche Mittelstandsbank IKB sowie mittelbar die Royal Bank of Scotland. Beide Institute mussten in der Finanzkrise von den Steuerzahlern gerettet werden.

Aufsicht mehrerer Länder ermittelt

Nach der SEC ermittelt nun auch die britische Finanzaufsicht FSA. Premierminister Gordon Brown hatte eine solche Untersuchung gefordert und der Bank "moralischen Bankrott" vorgeworfen. Die deutsche BaFin prüft ebenfalls, ob sie einschreitet. Sie hat sich mit ihren US-Kollegen in Verbindung gesetzt.

Bereits im Falle des Defizitsünders Griechenland hatte sich Goldman Sachs den Unmut der Politik zugezogen. Der Vorwurf: Die Investmentbank habe geholfen, die Schulden des Landes zu verschleiern. Der Obmann der FDP-Bundestagsfraktion im Finanzausschuss, Frank Schäffler, und CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt forderten, die Geschäftsbeziehungen mit Goldman Sachs erstmal ruhen zu lassen. Gleiche Töne kamen aus Großbritannien.

Der Verlust der lukrativen Aufträge wäre für Goldman Sachs ein schwerer Schlag. Die Vermarktung von staatlichen Anleihen sorgte zu Jahresbeginn für einen Gutteil des Gewinns. Auch mit Währungen, Rohstoffen und Aktien verdiente die Bank blendend. Der in der Krise gefallene Wert der Beteiligungen erholte sich. Goldman Sachs ist unter anderem bei der chinesischen Bank ICBC engagiert.

Goldman weist Anschuldigungen zurück

Die Zeichen für ein Anziehen der Wirtschaft nähmen zu, sagte Bankchef Lloyd Blankfein in New York. Mit Blick auf die Betrugsvorwürfe dankte er Kunden und Aktionären für ihre Unterstützung sowie den Mitarbeitern für ihr Engagement. Goldman weist die Anschuldigungen vehement zurück und setzt sich mit aller Kraft dagegen zur Wehr. "Wir verwenden einen großen Teil unserer Zeit darauf, mit unseren Kunden zu sprechen", sagte Finanzchef David Viniar.

Anleger befürchten eine Welle von Schadenersatzklagen. Seit Tagen belastet der Fall die gesamte Bankenwelt. Inzwischen mehren sich aber die Stimmen, die Goldman Sachs in Schutz nehmen. Selbst in der Börsenaufsicht SEC gibt es laut Medienberichten Zweifel, ob die Klage gegen Goldman Sachs Aussicht auf Erfolg hat. Das entscheidende Gremium hat demnach nur mit knapper Mehrheit von drei zu zwei für das harte Vorgehen gestimmt.

Goldman Sachs hatte die Finanzkrise wesentlich besser überstanden als die meisten Konkurrenten. Die Bank hatte schon früh den Zusammenbruch des US-Häusermarkts kommen sehen und verdiente daran. Die Goldman-Banker gehören zu den absoluten Top-Verdienern an der Wall Street mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von zuletzt einer halben Million Dollar. Für Politiker entwickelte sich das Haus deshalb zur idealen Zielscheibe für die Kritik an der Maßlosigkeit der Finanzwelt.