Spotify ist an der Börse durchgestartet

30 Milliarden Dollar wert

Spotify ist an der Börse durchgestartet

Für Spotify hat sich sein ungewöhnlicher Börsengang ausgezahlt. Der weltgrößte Musikstreaming-Anbieter aus Schweden schaffte am Dienstag (Ortszeit) an der New York Stock Exchange (Nyse) die wertvollste jemals erreichte Direktplatzierung. Die Aktien sprangen zum Handelsstart fast 26 Prozent auf 165,90 Dollar (134,65 Euro). Die Orientierungsmarke der Nyse hatte bei 132 Dollar gelegen.

30 Milliarden Dollar

Damit war das Unternehmen, dessen 35-jähriger Chef Daniel Ek (Bild) auf Understatement setzte und auch auf Rituale wie das Läuten der Glocke zur Börseneröffnung verzichtete, mit einem Schlag fast 30 Milliarden Dollar wert. Vorab spielte Ek die Relevanz des Tages herunter und betonte, das Debüt am Aktienmarkt hebe das Unternehmen zwar auf die große Bühne, aber "es ändert nicht, wer wir sind, um was es uns geht und wie wir vorgehen".

Das immer noch Verluste schreibende Unternehmen hat bereits einen weiten Weg hinter sich. Nach zehn Jahren auf dem Markt hält es große Tech-Konzerne wie Apple, Google und Amazon mit ihren Konkurrenzangeboten in Schach. Zudem ist es Spotify gelungen, den Wandel in der Musikbranche trotz zeitweise harter Gegenwehr durch Plattenfirmen und Künstler mitzugestalten. Lange litt die Industrie darunter, dass immer weniger Menschen CDs kauften. Inzwischen kommen Marktschätzungen zufolge 60 Prozent aller Musikumsätze von Streamingdiensten, bei denen Nutzer Abonnements abschließen oder Werbung in Kauf nehmen, um Zugriff auf riesige Musikbibliotheken zu haben.

>>>Nachlesen:  Spotifys Börsengang erfolgt am 3. April

Größte jemals erfolgte Direktplatzierung

Für die NYSE war es die erste Direktplatzierung überhaupt. Experten vermuten, dass Spotify einen Trend lostreten und nun andere noch nicht börsennotierte Technologieunternehmen wie die Mitfahrdienste Uber und Lyft in die Fußstapfen treten könnten. Dies würde vor allem Banken die Geschäfte erschweren, die für den von ihnen bei einem herkömmlichen Börsengang organisierten Preisbildungsprozess Gebühren verlangen. Im Vergleich zu einem typischen IPO sind bei Spotifys Börsengang deutlich mehr Aktien als üblich handelbar: fast 91 Prozent der insgesamt 178 Millionen Papiere. Spotify hatte die Direktplatzierung so gestaltet, dass Altinvestoren ihre Anteile auf den Markt werfen konnten, während keine neuen Aktien ausgegeben wurden.

Einige Marktteilnehmer warnten davor, den ersten Handelstag überzubewerten. Das Spotify-Debüt erfolgte inmitten einer vom Facebook-Datenskandal und Trumps Amazon-Kritik ausgelösten Verlustserie bei US-Technologiewerten. Allzu hohe Erwartungen wollte auch Ek nicht wecken. "Ich habe keine Zweifel daran, dass es Aufs und Abs geben wird", schrieb er im Unternehmensblog. "Manchmal sind wir erfolgreich, manchmal straucheln wir." Volatilität gab es dann auch gleich am ersten Tag. Fünf Stunden nach Handelsbeginn lag die Aktie nur noch bei 150 Dollar.

"Keine gewöhnliche Firma"

Spotify sei kein gewöhnliches Unternehmen, begründete Ek den speziellen Weg an die Börse. Es gab weder eine Werbetour bei Investoren, um die Aktien anzupreisen, noch eine Zeichnungsfrist oder einen Ausgabepreis. Das spart Zeit und Geld. Letzteres wird Spotify auch benötigen, um sein Wachstum anzukurbeln, das sich im laufenden Jahr auf 20 bis 30 Prozent abkühlen soll. Im vergangenen Jahr waren die Erlöse noch um 39 Prozent geklettert. Im Börsenprospekt äußerte die Firma die Hoffnung, weitere "traditionelle" Radiohörer für sich gewinnen zu können. Die Ambitionen von Spotify sind groß: "Wir glauben an die Universalität von Musik, die uns die Gelegenheit gibt, viele der mehr als 3,6 Milliarden Internetnutzer weltweit zu erreichen."

Spotify gehört nach Snap, Facebook und Alibaba zu den größten Börsendebüts von Techkonzernen an der Wall Street der letzten Jahre. Der Start des weltgrößten Online-Netzwerks 2012 verlief - auch wegen technischer Probleme - mehr als holprig. Trotzdem hat der Konzern von Mark Zuckerberg seither seinen Börsenwert mehr als vervierfacht.

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