Die Ampel der Erste Group ist nicht mehr rot

255,3 Mio. Euro Plus

Erste Group steigert Nettogewinn um 10 %

Die Bank hat im 1. Quartal 2010 ihren Nettogewinn um 10 % auf 255,2 Mio. Euro gesteigert. Das Betriebsergebnis kletterte um 17,3 % auf 983,2 Mio. Euro, der Zinsüberschuss erhöhte sich um 8 % auf 1.323,6 Mio. Euro. Den verbesserten operativen Zahlen stehen stark gestiegene Risikovorsorgen gegenüber.

Die Risikovorsorgen im Kreditgeschäft stiegen im Vergleich zur Vorjahresperiode um 43,5 % auf -531,2 Mio. Euro. Die Bilanzsumme stieg seit Jahresanfang um 3,1 % auf 208 Mrd. Euro. Dies war vor allem steigenden Zwischenbankgeschäften und Wertpapierveranlagungen zuzuschreiben, die durch das starke Wachstum bei den Kundeneinlagen (seit Jahresanfang +3,2 % auf 115,6 Mrd. Euro) unterstützt wurden, so die Bank.

Das Eigenkapital der Erste Group wurde im 1. Quartal 2010 um 0,6 auf 13,3 Mrd. Euro gestärkt. Als Gründe für die Eigenkapitalstärkung nennt die Bank unterjährige Gewinne und Währungseffekte. Entsprechend dem mäßigen Kreditwachstum stagnierten die risikogewichteten Aktiva bei 105,9 Mrd. Euro. Vor Einbeziehung des unterjährigen Gewinns ergab dies eine Tier 1-Quote (bezogen auf das Kreditrisiko) von 11 % (Ende 2009: 10,8 %) und eine Core Tier 1-Quote (bezogen auf das Gesamtrisiko) von 8,5 % (Ende 2009: 8,3 %).

Der Zinsüberschuss erhöhte sich, das Handelsergebnis ist leicht gesunken. Die auch stark in Mittel- und Osteuropa engagierte Bank hat im ersten Quartal lediglich in Serbien und der Ukraine rote Zahlen geschrieben. In Tschechien, Rumänien, der Slowakei, Ungarn und Kroatien wurden Nettogewinne erzielt.

Mit dem im Vergleich zum Vorjahresquartal um 10 % gestiegenen Nettogewinn von 255 Mio. Euro hat die Bank die Analystenerwartungen deutlich übertroffen, die im Schnitt von einem um 5,4 % gesunkenen Nettogewinn ausgegangen waren.

Der Ausblick auf die weitere Entwicklung ist vorsichtig positiv: Die Märkte der Erste Group in Zentral- und Osteuropa haben die Rezession entweder bereits hinter sich gelassen oder überwinden sie gerade und erwarten für 2010 leichtes Wachstum, heißt es in der Prognose. Da die wirtschaftliche Erholung zunächst eher durch Exporte als durch Inlandsnachfrage genährt wird, werde es im Bankensektor erst allmählich zu einem Volumenwachstum kommen.

Von 1 Mrd. in Griechenland 700 Mio. Staatsanleihen

Die Erste Group hat heute ihr Griechenland-Exposure von 1 Mrd. Euro näher erläutert: Von der Euro-Milliarde entfallen 700 Mio. auf griechische Staatsanleihen und 300 Mio. auf Banken, so Erste-Chef Andreas Treichl. Diese Banken seien zwar in Griechenland tätig, stünden aber letztlich nicht in griechischem Eigentum. Vom Griechenland-Exposure wurden 170 Mio. Euro vom Sparkassensektor gezogen, den Rest halte die Erste.

Insgesamt sind Österreichs Banken mit rund 4 Mrd. Euro in Griechenland engagiert, ein Viertel davon entfällt auf die Erste Group. Bei der Bank wird betont, dass der Griechenland-Anteil an den gesamten Ausleihungen des Konzerns nur ein halbes Prozent betrage. Daher mache man sich keine Sorgen, so ein Bank-Sprecher. Angaben über die Fälligkeit der Anleihen gibt es nicht.

Angesprochen auf die Länder, in denen die Erste Group vertreten ist, sieht Treichl in Ungarn große Unsicherheiten betreffend der weiteren Entwicklung in den nächsten Quartalen. Durch die Notwendigkeit, die Staatsausgaben einzudämmen, ergebe sich eine schwierige Situation für Ungarn. "Wir hoffen, dass die neue Regierung einen guten Job macht", meinte der Bank-Chef. Die Erste habe 2009 ein wirklich gutes Jahr in Ungarn erlebt, hoffentlich könne diese starke Performance fortgesetzt werden.

Im Ausblick zeigt sich Treichl verhalten optimistisch: Mittel- und Osteuropa sei eine gute Region, die Märkte in einer "relativ guten Position". Natürlich hänge die CEE-Region von der gesamteuropäischen Entwicklung ab. Es gebe substanzielle makroökonomische Risken, etwa die Schuldenkrise in Griechenland.

Die Non-Performing-Loans (NPL - Kredite, die nicht bedient werden) sind im Gesamtkonzern im ersten Quartal leicht gestiegen. Bei den Kundenkrediten erreichte die NPL-Quote 6,9 %, nach 6,6 Prozent%zu Jahresende. Die NPL-Deckungsquote verbesserte sich von 57,2 % zu Jahresende auf 59,0 %. Angestrebt werde eine Deckungsquote von 60 %.

Die Zahl der Mitarbeiter ist im Gesamtkonzern leicht um 0,7 % auf 50.152 gesunken. Davon waren 16.013 Personen in Österreich (inklusive Haftungsverbundsparkassen) tätig, um 0,6 % weniger als zu Jahresende 2009. In Mittel- und Osteuropa ist die Ceska sporitelna in Tschechien mit 10.716 Mitarbeitern der bei weitem größte Arbeitgeber im Konzern.

In Österreich hat die Erste Bank Österreich (Retail- und Kommerzgeschäft der Erste Bank Oesterreich und Tochtergesellschaften, Sparkassen mit Mehrheitsbeteiligungen - Sparkassen in Salzburg, Tirol, Hainburg, Weinviertel ab Mai 2009 - und die s Bausparkasse) ihr Betriebsergebnis im ersten Quartal um 28,6 % auf 95,0 Mio. Euro gesteigert. Die Erhöhung der Risikovorsorgen um 23,1 % auf 44,8 Mio. Euro resultierte in erster Linie aus dem Firmenkundengeschäft, so die Bank. Der Nettogewinn (Periodenüberschuss nach Steuern und Minderheiten) stieg um 68,9 % auf 39,5 Mio.

Im Haftungsverbund (Sparkassen) verbesserte sich der Nettogewinn von -1,5 Mio. Euro im ersten Quartal 2009 auf -0,1 Mio. Euro.