Die Ökonomen der Europäischen Zentralbank (EZB) erwarten angesichts der mit dem Iran-Krieg gestiegenen Energiepreise eine deutlich höhere Inflation heuer.
Die Verbraucherpreise in der Währungsunion dürften um durchschnittlich 2,6 Prozent zulegen, heißt es in den am Donnerstag veröffentlichten vierteljährlichen Berechnungen. Damit wurde die Dezember-Prognose von 1,9 Prozent deutlich angehoben.
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"Ursächlich dafür ist, dass die Energiepreise aufgrund des Krieges im Nahen Osten höher sein werden", hieß es zur Begründung. Im kommenden Jahr soll die Teuerungsrate mit 2,0 (bisher: 1,8) Prozent dem Zielwert der EZB entsprechen, für 2028 werden nun 2,1 Prozent erwartet.
Wachstumsprognose abgeschmolzen
Die Ökonomen senkten zugleich ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes. Im laufenden Jahr soll es nur noch zu einem Plus von 0,9 Prozent reichen. Bisher war mit 1,2 Prozent gerechnet worden. Im kommenden Jahr soll dann ein Wachstum von 1,3 Prozent herauskommen, 2028 von 1,4 Prozent. "Dies bedeutet, insbesondere für 2026, eine Abwärtsrevision, in der sich die globalen Auswirkungen des Krieges auf die Rohstoffmärkte, die Realeinkommen und das Vertrauen widerspiegeln", hieß es. Zugleich dürften die niedrige Arbeitslosigkeit, solide Bilanzen im privaten Sektor und die öffentlichen Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur das Wachstum weiterhin stützen.
Experten zufolge könnte die EZB auf die gestiegenen Zinserhöhungen mit einer baldigen Straffung ihrer Geldpolitik reagieren. "Auch wenn heute noch kein Zinsschritt erfolgt ist, wird das Trauma von 2022 nachwirken und ein frühes Einschreiten gegen den Inflationsanstieg begünstigen", sagte der Finanzexperte des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Friedrich Heinemann. "Die Wahrscheinlichkeit von bis zu zwei Zinsschritten vor der Sommerpause ist deshalb hoch."