Was wird jetzt aus unserem Geld?

Nach Euro-Absturz

Was wird jetzt aus unserem Geld?

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So trifft es jeden: Die Zinsen bleiben tief, US-Urlaub teuer.

Auch am Tag nach der Ankündigung des umstrittenen Milliarden-Programms der Europäischen Zentralbank (EZB) ging es mit dem Euro weiter bergab (siehe rechts). Während EZB-Chef Mario Draghi mit der gigantischen Summe von 1,14 Billionen Euro der schwachen europäischen Wirtschaft auf die Sprünge helfen will, zweifeln zahlreich Experten an der Wirksamkeit der geplanten Maßnahme.

Nowotny: "Habe Beschluss nicht mitgetragen"
Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny, selbst Mitglied des EZB-Rats, äußerte sich skeptisch. „Ich habe diesen Beschluss ganz offen gesagt nicht mitgetragen, weil ich glaube, dass er zu früh gekommen ist“, so Nowotny im Ö1-Morgenjournal.

Die EZB will mit der Geldschwemme die Gefahr einer Konjunktur-Abwärtsspirale durch sinkende Preise bekämpfen. Aber Nowotny warnt: „Wir haben damit jetzt mehr oder weniger unser letztes Pulver verschossen.“ Deutschlands Vertreter im EZB-Gremium sollen überhaupt gegen das Programm gestimmt haben.

Börsen-Hoch. In Erwartung der Milliardenflut jubeln vorerst einmal die Börsen. Der Frankfurter Leitindex DAX schoss am Freitag erstmals über 10.600 Punkte.

So trifft es jeden
Auch auf die Finanzen jedes Einzelnen hat die Maßnahme der EU-Währungshüter Einfluss:

  • Für Sparer bleiben die Zinsen auf Rekord-Tief und werden in absehbarer Zeit nicht steigen. Das bedeutet: Sparen lohnt nicht mehr; real wird das Ersparte weniger wert.
  • Für die Altersvorsorge kann es sein, dass wir mehr zahlen müssen. Versicherungen und Co. können die in Verträgen versprochenen Zinsen nur mehr schwer erwirtschaften.
  • Reisen in Dollar-Länder werden für uns teurer – denn der Euro ist dort viel weniger wert. Billig shoppen in den USA ist Vergangenheit. Auch Asien-Urlaub (dort wird meist in Dollar abgerechnet) wird für uns teurer.
  • Tanken wird über kurz oder lang ebenfalls wieder teurer. Die Abwertung des Euro macht das in Dollar gehandelte Öl teurer – das dürfte dann wohl auch auf die Spritpreise zurückwirken.
  • Für unsere Exportindustrie ist es gut, wenn der Euro schwächer wird. Damit steigt die Nachfrage nach unseren Waren in Nicht-Euro-Ländern. Das erhöht die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen. Damit könnte also die Wirtschaft tatsächlich einen Kick bekommen, auch neue Jobs könnte das bringen.
  • Kredite bleiben günstig wie nie und werden unter Umständen noch günstiger. Also ist jetzt die beste Zeit für Anschaffungen. Ob die Nachfrage nach Finanzierungen angesichts der unsicheren Situation steigt, wird sich zeigen.

VIDEO: Experte rät zu Konsum

Euro fällt weiter - bald nur noch einen Dollar wert
Nach der Rede von EZB-Chef Draghi krachte der Euro am Donnerstag schon um drei Cent runter – von 1,16 auf 1,13 Dollar. Am Freitag setzte sich die Talfahrt fort. Der Euro verlor erneut mehr als ein Prozent, notierte am frühen Nachmittag bei 1,1205 Dollar. So billig war der Euro zuletzt im September 2003.

Seit Monaten schon geht es bergab mit dem Euro. Man bedenke: Im Mai 2014 war er noch bei 1,40 Dollar! Die Milliardenschwemme der EZB wird die Währung weiter runter drücken. „Ein Verhältnis 1:1 zum Dollar könnte es heuer noch geben“, sagt Raiffeisen-Experte Peter Brezin
schek.

Aus für Billig-Sprit?
Dass Benzin und Diesel irgendwann wieder teurer werden, war klar. Aber so schnell? Der Tod des 91-jährigen Königs Abdullah von Saudi-Arabien machte am Freitag prompt die Märkte für Öl verrückt: Kaum war die Todesnachricht in den internationalen Nachrichtenagenturen gelaufen, stieg der Preis für das Nordsee-Öl Brent – ein Leitwert – auf 49,25 Dollar je Barrel (159 Liter). Tags zuvor war Brent noch um 48,52 Dollar gehandelt worden. OPEC-Öl stieg von 43,05 pro Barrel auf 43,25 Dollar.

Ölminister schon 80. Grund des Anstiegs: Analysten sind uneinig, ob Saudi-Arabien auch nach dem Tod Abdullahs die lockere Förderpolitik beibehält: Die Investoren beobachten jetzt genau, wie Abdullahs Nachfolger Salman (79) das heikle Amt des Ölministers besetzt. Ölminister Ali Al-Naimi ist ebenfalls schon 80 Jahre alt und könnte abgelöst werden.

14 Tankstellen mit Billigdiesel. Also, schnell noch tanken, bevor es wieder teurer wird: Laut ÖAMTC gab es Freitagabend 14 Tankstellen, die Diesel unter einem Euro hatten – bei einer Tankstelle (in NÖ) war auch Super unter einem Euro zu haben.

Peter Brezinschek, Raiffeisen: "Verhältnis 1:1 von Dollar und Euro heuer möglich"

ÖSTERREICH: Was halten Sie von dem EZB-Programm?
Peter Brezinschek: Kurzfris­tig kann das sicher Impulse bringen, indem es die Exportwirtschaft stärkt. Gut ist es auch für die Stimmung: Energische geldpolitische Maßnahmen stärken das Vertrauen in die Zukunft; das ist für Unternehmen wichtig. Aber dass auf diese Weise langfristig Wachstum und Beschäftigung geschaffen werden können, halte ich für einen Blödsinn.

ÖSTERREICH: Wo sehen Sie Probleme?
Brezinschek: Unternehmen lassen sich bei Investitionen ja nicht von der Geldpolitik der EZB leiten, sondern von Ertragserwartungen und Aussichten auf den Märkten.

ÖSTERREICH: Wo wird die EZB all die Staatsanleihen kaufen?
Brezinschek: Das ist das nächste Problem. Die Banken sollen die Staatsanleihen verkaufen, um mehr Liquidität zur Kreditvergabe zu bekommen. Aber Liquidität ist gar nicht das Problem der Banken, sondern mangelnde Ertragschancen. Außerdem ist die Kreditnachfrage schwach. Wenn die Banken das Geld bei der EZB parken, werden sie mit Negativzinsen bestraft. Also wird es wieder das Ausweichen in riskantes Investmentbanking geben, das einst so beschimpft wurde.

ÖSTERREICH: Was passiert mit dem Euro?
Brezinschek: Die starke Schwächung der Währung ist eine Gefahr. Und wenn die USA, wie zu erwarten, im Sommer die Zinsen anheben, kommt der Euro noch stärker unter Druck. Ein Verhältnis 1:1 von Euro und Dollar halte ich 2015 für nicht ausgeschlossen.

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