Geldpaket

Abgewertete Währungen vermindern Direktinvestitionen

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Die Österreichische Nationalbank (OeNB) erwartet für 2008 einen deutlich geringeren Anstieg der Direktinvestitionen im Vergleich zu den Vorjahren. "Durch die Bewertung börsennotierter Gesellschaften zu Marktpreisen schlägt sich der Crash des Jahres 2008 auch bei den Direktinvestitionen nieder.

Angesichts der Abwertung der Währungen einiger wichtiger Zielländer österreichischer Direktinvestitionen rechnet die OeNB damit, dass zum Jahreswechsel 2008/09 der Stand aktiver Direktinvestitionen etwa 112 Mrd. Euro und der Bestand passiver Direktinvestitionen 116 Mrd. Euro betragen haben dürfte.

Ende 2007 hielten 1.069 österreichische Investoren knapp 3.700 strategische Firmenbeteiligungen im Ausland im Wert von 102,5 Mrd. Euro. Gegenüber dem Vorjahr war dies eine wertmäßige Steigerung um mehr als ein Viertel. "Eine noch nie dagewesene Zunahme verzeichnet die OeNB-Statistik auch bei der Anzahl der Arbeitsplätze in den ausländischen Tochterfirmen: Sie stieg um nahezu 100.000 oder 20 Prozent auf mittlerweile 573.000. Rekordniveau erreichte mit 9,7 Mrd. Euro auch der bilanzielle Jahresgewinn, den die österreichischen Investoren 2007 erzielen konnten", so die OeNB.

Fokus auf Zentral-, Ost- und Südosteuropa

Im Zentrum der Expansion im Jahr 2007 stand Zentral-, Ost- und Südosteuropa: Zwei Drittel der Ausweitung der aktiven Direktinvestitionen entfielen auf diese Region. Die größte Ausweitung des österreichischen Direktinvestitionsbestandes verzeichneten 2007 Deutschland (+3,6 Mrd. Euro) und Kroatien (+3,4 Mrd. Euro), vor der Türkei (+2,3 Mrd. Euro) und Russland (+1,9 Mrd. Euro). Um mehr als 1 Mrd. Euro stiegen die Investitionen darüber hinaus in Ungarn, Kasachstan, Tschechien, der Ukraine, in Bulgarien und in der Slowakei. Unter Branchengesichtspunkten entfiel die Hälfte des Zuwachses auf Banken und Versicherungen. Deutliche Ausweitungen gab es weiters bei Holdings und im Immobiliensektor, bei der Mineralölgewinnung, in der Papierindustrie und im Maschinenbau.

Die meisten Arbeitsplätze bei österreichischen Auslandstöchtern gab es 2007 in Tschechien (73.000), Ungarn (68.000) und in Rumänien (61.000). Auf Platz vier liegt - als einziges westeuropäisches Land unter den ersten zehn - Deutschland mit 50.000 Beschäftigten. Es folgen die Slowakei und Russland mit 35.000 und 30.000 Beschäftigten, sowie in absteigender Folge die Ukraine, Polen, Serbien und Kroatien mit jeweils mehr als 20.000 Beschäftigten.

Sehr gut war 2007 laut OeNB auch die Ertragslage der Auslandsbeteiligungen: Der bilanzielle Jahresgewinn stieg um mehr als 2 Mrd. Euro auf 9,7 Mrd. Euro, was einer Eigenkapitalrendite von mehr als 10 Prozent entspricht. Mit Ausnahme eines Jahres erwirtschaften die österreichischen Auslandsbeteiligungen seit 2003 stets höhere Erträge als die unter Auslandseinfluss stehenden Beteiligungen im Inland.

Mehr strategische Unternehmensbeteiligungen

Noch stärker als der Wert der aktiven Direktinvestitionen hat 2007 der Wert der strategischen Unternehmensbeteiligungen des Auslandes in Österreich zugenommen. Er betrug zum Jahreswechsel 2007/08 rund 108 Mrd. Euro, das waren um 24 Mrd. Euro mehr als im Berichtsjahr davor. Dabei hat jedoch die Anzahl der ausländischen Investoren leicht abgenommen (auf 2.890), während die Zahl der österreichischen Unternehmen unter direktem Auslandseinfluss geringfügig auf 2.486 angestiegen ist.

Ebenfalls leicht rückläufig war die Anzahl der Beschäftigten unter direktem Auslandseinfluss, die sich 2007 auf 235.000 belief. "Die unterschiedliche Entwicklung von Wert und Beschäftigung bei aktiven bzw. passiven Direktinvestitionen wird verständlich, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass die mit Abstand bedeutendste Transaktion des Jahres 2007 die Übertragung der osteuropäischen Beteiligungen der UniCredit an die Bank Austria war. Die Statistik erfasst aktivseitig alle Beschäftigten der osteuropäischen Bankfilialen, in Österreich hingegen nur jene, die sich in den zahlenmäßig beschränkten Managementfunktionen befinden", gibt die Nationalbank zu bedenken. Am stärksten zugenommen haben 2007 die Direktinvestitionen unter US-Einfluss, dank der Aktivitäten diverser Private Equity Funds (+5,1 Mrd. Euro), vor jenen Italiens (+4,1 Mrd. Euro).

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