Haynes: Wir haben die Auflagen aus 2006 übererfüllt

BAWAG-Boss Haynes sieht keinen neuen Druck von EU

Der neue BAWAG-Chef Byron Haynes sieht die Bank mit den Staatshilfen ausreichend kapitalisiert.

Er fürchtet auch nicht, dass die EU die Billigung des staatlichen Kapitaleinschusses an weitere Einschnitte oder harte Auflagen bindet.

Vom österreichischen Staat holt sich die BAWAG PSK bis Jahresende 550 Mio. Euro Partizipationskapital sowie Garantien für krisengebeutelte Assets für 400 Mio. Euro. Abgerufen werden kann dies, sobald Grünes Licht der EU da ist - was bei der Cerberus-Bank nötig ist, weil es nicht das erste Mal ist, dass der österreichische Staat der Bank Unterstützung gibt.

Die BAWAG hatte nach Fehlspekulationen unter Elsner & Co und dann wegen der Refco-Krise 2006 mit einer (mittlerweile aufgelösten) Bundesgarantie aufgefangen werden müssen, bevor sie im Mai 2007 an Cerberus & Co verkauft wurde. Wegen der Finanzkrise ruft die BAWAG wieder Staatshilfe ab, wie vier andere österreichische Großbanken auch.

Haynes erwartet das Closing für den Vertrag mit der Republik vor dem Jahresende. Dass BAWAG bzw. Cerberus von den EU-Wettbewerbshütern zu noch größeren Restrukturierungen, Beteiligungsverkäufen oder gar einem Verkauf der Bank selbst an eine größere Gruppe gezwungen werden könnte, glaubt Haynes nicht eine Sekunde. "Wir haben die Auflagen aus 2006 übererfüllt". Unter anderem wurden die Osttöchter in Tschechien und der Slowakei verkauft.

Bank soll fit werden für Wachstum

Die BAWAG sei eine stabile, gesunde Bank. "Mein Schwerpunkt liegt voll darauf, die Bank fit zu machen für Wachstum", sagte Haynes. Der 43-jährige Brite hat Mitte September als Nachfolger des überraschend zurück getretenen Bankchefs David Roberts die BAWAG-Führung übernommen. Sein Ziel sei die Nummer eins als Retailbank im Land. Wie sein Focus überhaupt auf dem österreichischen Markt liege. Bis wann das Ziel umgesetzt sein soll, wurde nicht gesagt: Aber Haynes hat vorerst einen Dreijahresvertrag. "Ich übernehme in einer sehr spannenden Zeit", sagte er.

In Österreich habe die Gruppe mit 1.400 Filialen - vor allem durch das Postämternetz, in die die Schiene PSK Geschäfte abwickelt - das größte Distributionsnetz im Land. Das werde auch so bleiben. Wegen der Schließung von Hunderten Postämtern sieht Haynes das PSK-Geschäftsmodell und seine Wachstumsvorgabe nicht gefährdet.

Mit den Postpartnerschaften sei man sehr zufrieden. 2009 sei es das Ziel, mit den Kosten in der Gruppe herunterzukommen, allerdings ohne Personalabbau. Zwar lasse die Krise weiter steigende Kreditwertberichtigungen erwarten. Das Tempo des ersten Halbjahrs (Verdopplung) habe sich im September aber abgebremst. 2010 will Haynes dann wieder in den Ausbau des Geschäfts investieren.

Keine Expansion im Ausland geplant

Das Auslandsgeschäft wird aber nur mehr auf sehr kleiner Flamme geführt, eine Expansion steht hier vorerst nicht an. Auch die "sehr erfolgreiche" Internet-Tochterbank, für die vor einem Jahr noch größere Auslandsexpansionspläne gewälzt wurden, soll im Inland weiter zulegen. Sie wird - anders als die Verkehrskreditbank, die mit 1.10. mit der BAWAG zusammengeführt wurde - selbstständig bleiben und nicht in die BAWAG fusioniert werden.

Sie bleibe ein Mitglied der BAWAG-Familie - ebenso wie BAWAG-Versicherung eine "Schlüsselbeteiligung" der BAWAG Gruppe bleiben werde. Mit dem Verkauf von Nichtbankbeteiligungen sei man zum Großteil fertig. Festhalten will Haynes am 10-Prozent-Anteil an der ungarischen MKB-Bank.

Cerberus hatte sich 2007 beim Einstieg in die seinerzeitige Gewerkschaftsbank darauf festgelegt, zumindest auf die kommenden fünf Jahre Hauptaktionär zu bleiben. Was dann ist, Börsegang oder Verkauf an strategische Partner, darüber will der neue BAWAG-Chef erst in zwei, drei Jahren reden. Er sieht seine Bank in drei Jahren weder in einer anderen Großbank aufgegangen noch in Teile zerschlagen zwischen Konkurrenten aufgeteilt, wie er auf APA-Frage erklärte.

Cerberus habe keine Zweifel gelassen, die BAWAG jederzeit zu unterstützen, sagte Haynes. Belegt sei dies durch den Shareholder-Kapitaleinschuss über 205 Mio. Euro vom August. Über die jetzigen Summen an frischem Eigenkapital hinaus sieht der BAWAG-Boss keinen Bedarf.

Anders als UniCredit, die Staatshilfe in Österreich für die Bank Austria u.a. mit dem Vorwurf der "Diskriminierung" (Stichwort: Wandlungsrecht für den Staat bei Banken in Auslandsbesitz) abgelehnt hat, sieht Haynes die BAWAG und ihren internationalen Aktionär vom Bund nicht benachteiligt. "Sie haben aber tough verhandelt." Ob PS- oder Hybridkapital von den Aufsichtsbehörden auch künftig als Kernkapital gezählt werden, sei ein Problem, dem sich in ein paar Jahren alle europäischen Banken stellen müssten.