Ein Drittel der Fondsanbieter in 3 Jahren weg

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Die Finanzkrise wird noch auf Jahre ihre Spuren in der Investmentfondsindustrie hinterlassen. In drei Jahren wird es in Österreich ein Drittel weniger Fondsgesellschaften geben als heute, sagt Raiffeisen-Capital-Geschäftsführer Mathias Bauer. Ende 2009 waren es 24.

Wer die strenger werdenden regulatorischen Anforderungen nicht mehr erfüllt und die sonst nötige Mischung aus Größe, Spezialisierung, Qualität und Vertriebsweg nicht aufbringt, wird weg sein, ist Bauer überzeugt. Der Branche werde es dabei nicht viel anders ergehen als anderen Konsolidierungsbranchen. "Denken Sie einmal an die Autoindustrie".

Einzelne Anbieter haben ihre Fonds schon auf andere heimische Kapitalanlagegesellschaften übertragen oder geschlossen. So etwa die zur Deutschen Bank gehörende DWS, die alle Österreich-Fonds aufgegeben und eine Hülle an die Erste übergeben hat. Es kommen, so schätzt Raiffeisen, "durchaus noch einige Gesellschaften auf den Markt".

Fondsindustrie gegen Steuer

Den Plan der österreichischen Regierung, neben den Banken auch die Fonds (Kapitalanlagegesellschaften) in die neue "Bankensteuer" miteinbeziehen, will die Fondsindustrie im Land bekämpfen, notfalls vor Gericht. Eine Klage wegen Ungleichbehandlung gegenüber ausländischen Mitbewerbern "ist eine Option, die wir uns offenhalten müssen", sagte Bauer.

Bauer und sein Vorstandskollege Gerhard Aigner beklagen, dass die Bankensteuer von der Regierung im Voraus damit argumentiert worden sei, dass sie die Nutznießer des Bankenpakets treffen und Spekulation eindämmen solle. "Wir haben aber nichts vom Bankenpaket bekommen. Im Gegenteil", sagt Bauer: In den zwei Monaten nach Mitte Oktober 2008 seien sofort eineinhalb bis zwei Milliarden Fondsgelder auf gesicherte Sparbücher abgeflossen. "Es war Wahnsinn. Wir sind Geschädigte des Bankenpakets."

80 Mio. Euro hat die OeNB in ihrer Expertise an Kanzleramt und Finanzministerium an möglichem "Bankensteueraufkommen" von den heimischen KAGs errechnet.

"Wenn wir Fondsgesellschaften das selber tragen müssen, müssen wir sofort Konkurs anmelden", sagte Bauer. Die RCM (Raiffeisen Capital Management) habe nach dem Krisenjahr 2008 "null Gewinn" gemacht, 2009 seien es rund 5 Millionen Euro gewesen. Eine neue Fondssteuer als Teil der Bankensteuer würde nach Raiffeisens Marktanteil im heimischen Fondsgeschäft von 20 Prozent jedes Jahr 16 Mio. Euro pro Jahr ausmachen, ein Dreifaches des letzten Jahresgewinns, wie vorgerechnet wird.

Gewinn von 30 bis 50 Mio. Euro

Der aktuelle Gewinn aller Fondsgesellschaften in Österreich zusammen wird auf 30 bis 50 Mio. Euro geschätzt. Auch als Spekulanten sehen die Fonds-Manager sich und ihre Kunden nicht. Da werden Fondssparprogramme ins Treffen geführt, für die sich die Leute mühsam 30 Euro absparten. Institutionelle und Gelder von Rentenfonds würden zweifellos abwandern, wenn die Gebühren drastisch stiegen, der steuerpflichtige Gewinn würde reduziert. "Ein Schuss ins Knie", wie die RCM-Chefs finden.

Für die heimischen Fondsgesellschaften wird es laut Bauer schätzungsweise noch zwei bis drei Jahre dauern, bis die Volumina vor der Finanzkrise wieder erreicht sind. Nach einem Tiefpunkt im März vor einem Jahr (24,3 Mrd. Euro) meldet RCM selbst per Jahresende 2009 Assets under Management von wieder "knapp unter 30 Mrd.", davon 27 Mrd. Euro eigenes Fondsvolumen nach OeKB-Aufstellung. Den wegen des DWS-Deals zuletzt an die Erste-Sparinvest verloren gegangenen Rang des Branchenprimus will Bauer im Mai 2010 wieder zurück haben. Auf gut 40 Mrd. Euro beziffert RCM ihr Volumen vor der Finanzkrise.

Wie bei anderen Banken-KAGs und Versicherungen sind bei der RCM Garantiefonds wegen der vorjährigen Börsekursstürze ausgestoppt worden. Das heißt, dass die Garantie gegriffen habe, das eingezahlte Geld freilich bei der Erholung nach oben nicht mehr dabei ist. Bei der staatlich geförderten Zukunftsvorsorge wünscht sich Raiffeisen eine Gesetzesreform, eine alternative "garantiefreie Variante". Nachdem eine solche Reform voriges Jahr aber im letzten Moment gestoppt wurde, dürfte es nun länger dauern.

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