Trichet lobt Deutschland für seine Exportstärke

EZB will Geld aus Staatstitelkäufen bald wieder abziehen

Die EZB will die mit ihren umstrittenen Käufen von Staatsanleihen in den Markt gepumpte Geldmenge schon bald wieder absaugen. "Die Neutralisierung wird in naher Zukunft bekanntgegeben und umgesetzt", kündigte der designierte EZB-Vizepräsident Vitor Constancio an.

Er dämpfte damit die von Kritikern geäußerten Befürchtungen vor verstärkten Inflationsgefahren durch das EZB-Programm. Es gebe mehrere Instrumente, die Liquidität abzuschöpfen, sagte Constancio, der im Juni zum Stellvertreter von EZB-Chef Jean-Claude Trichet aufrückt. Dieser kündigte im Gespräch mit dem "Handelsblatt" an, das in den Markt gegebene Geld hauptsächlich durch die Ausschreibung verzinslicher Termineinlagen abzuziehen.

Inflations-Bekämpfung hat nach wie vor Vorrang

Der oberste Hüter des Euro sagte, die EZB bleibe ihrem Ziel treu, Preisstabilität zu gewährleisten. "Der EZB-Rat wird Inflation nicht tolerieren", betonte Trichet. Bundesbankchef Axel Weber hatte jüngst vor "erheblichen stabilitätspolitischen Risiken" des Ankaufprogramms gewarnt.

Die EZB gab Anfang der Woche bekannt, im Kampf gegen die Schuldenkrise und zur Abwehr eines Angriffs auf den Euro Staatstitel von Euro-Ländern anzukaufen. Kritiker werfen den Zentralbankern vor, sich dem Druck der Politik gebeugt zu haben und mit dem Ankauf der Bonds Inflationsgefahren zu schüren. Vielen Ökonomen gilt das Vorgehen der EZB als Sündenfall, da Trichet & Co. dieses heikle geldpolitische Instrument in der Krise stets gemieden hatten - im Gegensatz zur Fed und der Bank of England.

Am 1. Juli werden Jahrestender über 442 Mrd. Euro fällig

Geldpolitik-Experte Michael Schubert sieht die EZB beim Absaugen der Liquidität nicht unter Zeitdruck: "Sie kann eigentlich taktisch abwarten." Denn am 1. Juli ist großer Zahltag in Frankfurt: Dann steht die Rückzahlung des Jahrestenders an, bei dem sich die Finanzinstitute Mitte 2009 insgesamt 442 Mrd. Euro bei der EZB zum historisch niedrigen Leitzins von 1 % geliehen hatten.
Obwohl die Notenbank sich beim Gesamtumfang ihrer Bond-Ankäufe nicht in die Karten blicken lässt, hält Schubert ein Gesamt-Volumen von 100 bis maximal 600 Mrd. Euro für realistisch.

Schätzungen zufolge haben die Notenbanken der Euro-Zone seit Beginn des Programms Staatstitel im Volumen zwischen 10 und 50 Mrd. Euro erworben. Präzise Zahlen erhoffen sie sich von einer am Dienstag anstehenden Statistik der Zentralbank.

EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark hat bereits deutlich gemacht, dass die EZB die Staatsanleihen jeweils bis zum Ende ihrer Laufzeit halten wird. Im Gegensatz zu dem Mitte des Jahres auslaufenden Pfandbriefankaufprogramm der EZB im Volumen von 60 Mrd. Euro wird die Zentralbank nach Ansicht von Bankenökonom Schubert "situationsgebunden agieren" und sich nicht auf einen Rahmen festlegen.

"Man wird auf die Entwicklung der Risikoaufschläge bei den Staatsanleihen der Problemländer achten und daran die Kaufstrategie ausrichten."