"Mittelfristige" Zusammenarbeit vorstellbar

Hameseder gegen "Schnellschuss" in Richtung ÖVAG

Raiffeisen hat "seit Jahrzehnten" versucht, mit der Österreichischen Volksbanken-AG (ÖVAG) in Gespräche zu kommen, wird sich aber jetzt, wo eine Partnersuche aktuell werde, nicht zu einem "Schnellschuss" drängen lassen, sagte Erwin Hameseder, Generaldirektor der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien. "Jetzt soll es plötzlich schnell gehen. Das ist utopisch", sagte Hameseder.

Aber es sei "hochinteressant", dass ÖVAG-Chef Gerald Wenzel bekanntgegeben habe, dass die Hereinnahme eines Partners als Option geprüft werde. Partnerschaft sei allerdings nur "auf Augenhöhe" möglich, und "solche Gespräche sehe ich nicht". Raiffeisen sei bisher nicht angesprochen worden, werde aber im Fall des Falles sicher nicht das Gespräch verweigern.

Raiffeisen achte darauf, immer so aufgestellt zu sein, "dass wir bereit sind, wenn etwas von Interesse käme". "Schnäppchen" wiederum könnten auf zweiten Blick sehr teuer kommen, relativierte er, dass ein Einstieg möglicherweise günstig kommen könnte. In Summe sehe er die Zusammenarbeit "kurzfristig" nicht, aber "mittelfristig", gemeint seien drei bis fünf Jahre, "schließe ich nichts aus".

Die RZB, die derzeit 6 % an der ÖVAG hält, denkt nicht daran, an einer ÖVAG-Kapitalerhöhung teilzunehmen. Das hat RZB-Chef Walter Rothensteiner mit dem Wissen eines ÖVAG-Aufsichtsrates gesagt, erinnerte Hameseder. "Das unterstützen wir." Zugleich betont Hameseder, dass zuerst der Haupteigentümer der ÖVAG Stellung nehmen muss. Hauptaktionäre sind die regionalen Volksbanken (58 %), es folgen die deutsche DZ Bank (25 %), die eine Beteiligung an einer Kapitalerhöhung ausgeschlossen hat, die Ergo Versicherung (10 %) und die RZB (6 %).

Auf die Frage, ob es für Raiffeisen vielleicht interessanter wäre, bei der ÖVAG die Kontrolle zu übernehmen statt bei einer allgemeinen Kapitalerhöhung mitzumachen, erinnert Hameseder daran, dass Raiffeisen grundsätzlich bei Investitionen in Richtung Vertiefung und Erreichung einer "adäquaten Mitsprache" geht.

RLB und Holding mit 10 % Ergebnisplus

Die RLB NÖ-Wien wird 2009 das Vorjahresergebnis operativ um mindestens 10 % übertreffen. Für das Budget 2010 sei zwar "kein Riesenwachstum", aber dafür mit 62 bis 63 Mio. Euro eine um 20 % höhere Risikovorsorge als 2009 eingeplant. Stille Lasten des Vorjahres seien zur Gänze abgebaut worden. Auch die Holding wird heuer im Ergebnis "deutlich über 10 %" zulegen.

Die rohstoffbasierten Beteiligungen Agrana, Leipnik Lundenburger (LLI) und NÖM dürften 2009 "wieder zum Ergebnis von 2007 zurückkehren", kündigte Hameseder an. Die Medienbeteiligungen seien hingegen "momentan unter Druck", was klar sei, wenn die Anzeigen um "25, 30, 35 % wegbrechen". "So schnell kann man nicht reagieren."
LLI habe ein "hervorragendes Jahr" hinter sich und sei "sicherlich börsereif", für 2010 sei dieser Schritt zwar "eher unrealistisch", über den Börsegang 2011/2012 "denkt man nach". Dabei werde man wohl 25-30 % an die Börse bringen.

Raiffeisen will im kommenden Jahr 500 Mio. Euro investieren. 300 Mio. Euro "in die Wirtschaft", etwa Bauten, 200 Mio. Euro in Beteiligungen. Zukäufe seien "nicht ausgeschlossen", der Einstieg in neue Bereiche sei aber nicht geplant.
Unter anderem sind 70 Mio. Euro für Alternativenergien (Photovoltaik, Windenergie, Biomasse) eingeplant, die 350 Mio. Euro an Investitionen auslösen sollen. In Wien wird der Umbau des ehemaligen OPEC-Hauses 80 Mio. Euro kosten, zudem zeichnet sich der Kauf des IBM-Hauses von der Wiener Städtischen im 1. Quartal ab. IBM soll aber Mieter bleiben.

Raiffeisen braucht keine staatliche Unterstützung und auch keine Kapitalerhöhung, betonte Hameseder. Die Kernkapitalquote liege deutlich über 9 %. Hameseder kritisierte, dass es in Basel II Bestrebungen geben, Genossenschaftereinlagen nicht mehr zum Kernkapital zu zählen.

Dagegen verwehrt sich Raiffeisen heftig. Hameseder erwartet eine "W-förmige" Entwicklung der Wirtschaft, also einen zweiten Knick beim Wachstum. Große Sorge bereite die neuerliche Spekulationsblase, die sich aufbaue. Unter andere sei der Rohölpreis um 40 % gestiegen. "Spekulation feiert fröhliche Urstände", sagte Hameseder, "wir erwarten eine Korrektur nach unten im 1. Halbjahr 2010".