Zehntausende Karten sollen ausgetauscht werden

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Massiver Kreditkartenskandal in Deutschland

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Deutschland wird von einem Kreditkartenskandal erschüttert, der hunderttausende Kunden betrifft. Eine beispiellose Rückrufaktion wurde gestartet. In Österreich halten sich die Banken noch bedeckt, während in Deutschland offensichtlich sämtliche Kreditinstitute betroffen sind. Opfer sind Verbraucher, die ihre Karten kürzlich in Spanien eingesetzt haben.

Hintergrund ist ein Datenleck bei einem spanischen Dienstleister für Kartenabrechnungen, bei dem Daten abhanden gekommen sind. In einigen Fällen kam es zu Missbrauch. Die österreichische Erste Bank hat ihre Visa-Kreditkarten-Rückrufaktion am 18. November abgeschlossen.

Von dem massenhaften Austausch betroffen sind 60.000 deutsche Kunden der Volks- und Raiffeisenbanken sowie eine unbekannte Zahl von Kunden der Sparkassen, der Deutschen Bank, der Postbank und weiterer privater Banken. Die Deutsche Bank wollte auf Anfrage keine Zahlen nennen, die Postbank sprach von "wenigen Fällen". Der Sparkassen- und Giro-Verband teilte mit, "eine größere Zahl" von Karten werde ausgetauscht. Der Bayerische Rundfunk berichtete unter Berufung auf eine mit den Vorgängen vertraute Person, bei den Sparkassen gebe es 190.000 Fälle.

"Größeres Leck"

Finanzexperte Frank-Christian Pauli von der Verbraucherzentrale sagte im ZDF, der Umfang der Austausch-Aktion deute darauf hin, "dass es ein größeres Leck gegeben hat, denn so eine Austauschaktion kostet viel Geld". Daher müsse man davon ausgehen, dass die Unternehmen Angst davor hätten, "dass in falsche Hände geratene Daten jetzt für Zahlungen ausgenutzt werden".

Ein Sprecher des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) erklärte, wegen des Datendiebstahls in Spanien zögen die Volks- und Raiffeisenbanken allein etwa 60.000 Kreditkarten aus dem Verkehr. "Wir gehen auf Nummer sicher", sagte er. Man tausche bereits "bei dem leisesten Verdacht" aus. "Deswegen sind die Zahlen so hoch", betonte er. Die betroffenen Kunden seien angeschrieben worden und könnten sich ihre neue Karte in einer Filiale abholen.

Auch die Deutsche Bank hat nach eigenen Angaben alle betroffenen Kunden angeschrieben und darüber informiert, dass neue Karten ins Haus geschickt werden. Die Postbank tauscht dagegen nur aus, "wenn sich Kunden bei uns wegen Unregelmäßigkeiten melden oder wenn wir selbst welche feststellen", wie Sprecher Ralf Palm sagte. Dann werde das Konto gesperrt, innerhalb weniger Tage gebe es eine neue Karte.

Verstärkte Risikoüberwachung

Auch bei der Landesbank Berlin, die unter anderem die Kreditkarten des ADAC herausgibt, ist kein genereller Kartenaustausch vorgesehen. Man habe die Risikoüberwachung noch einmal deutlich verstärkt. "Zudem wäre ein genereller Kartenaustausch mit erheblichen Unannehmlichkeiten für den Kunden verbunden", hieß es bei der LBB.

Insgesamt sind laut dem Zentralen Kreditausschuss in Deutschland 24,6 Millionen Karten im Umlauf. Für mögliche Schadensfälle bei Missbrauch kommt laut dem ZKA die Kreditwirtschaft selbst auf. Verbraucherschützen mahnten Kunden zu sorgfältiger Prüfung ihrer Abrechnungen.

Vor rund vier Wochen waren Banken vor Ungereimtheiten bei dem spanischen Kartenprozessor gewarnt worden. Dabei handelt es sich um ein Unternehmen, das Kreditkartenzahlungen abwickelt und dafür sorgt, dass Einzelhändler ihr Geld bekommen oder bei Abhebungen das entsprechende Konto belastet wird. Um welches Unternehmen es sich handelt, ist bislang unbekannt. Seither hatten bereits die KarstadtQuelle-Bank, die Lufthansa mit ihrer Miles-and-More-Card und Barclaycard Karten ausgetauscht.

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