Orange

"3" kauft Orange

So funktioniert der Mega-Deal

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Für 1,3 Milliarden Euro kauft der kleinste Mobilfunker „3“ den drittgrößten, Orange.

Seit Monaten wurde darüber spekuliert, jetzt ist die Übernahme von Orange Austria durch Hutchison 3G Austria („3“) tatsächlich perfekt. Der kleinste heimische Mobilfunker kauft den drittgrößten, der Vertrag wurde nach langen Verhandlungen am Donnerstagabend unterschrieben.

1,3 Milliarden Euro blättert „3“ – eine Tochter des chinesischen Hutchison-Konzerns mit Sitz in Hongkong – für Orange hin. Gleichzeitig verkauft „3“ die Orange-Billigtochter Yesss! sowie einen Teil der Orange-Frequenzen und -Standorte für 390 Millionen Euro an Marktführer A1 weiter. Die Orange-Übernahme kostet „3“ also insgesamt 900 Millionen Euro. „3“-Chef Jan Trionow erwartet sich aus dem Zusammenschluss Synergieeffekte in Höhe von mindestens 500 Millionen Euro.

Abhängig vom Erfolg zahlt „3“ nach zwei Jahren noch mal bis zu 70 Millionen an den früheren Orange-Mit­eigentümer Mid Europa Partners (MEP). Erst vor vier Jahren hatten MEP und France Telecom Orange (damals One) für 1,4 Milliarden Euro gekauft. Der Preis kommt jetzt knapp wieder rein.

Statt vier werden also künftig nur mehr drei Netzbetreiber am österreichischen Handymarkt aktiv sein. „3“ steigt zu einem starken Player auf, mit künftig rund 2,8 Millionen Kunden (bzw. SIM-Karten) und einem Marktanteil von 22 Prozent (siehe Grafik). Platzhirsch A1 bekommt die 750.000 Yesss!-Kunden dazu, steigert damit seinen Marktanteil auf etwa 47 Prozent.

T-Mobile als Nummer zwei zu überholen, hat „3“-Boss Trionow klar im Visier – als nächstes Ziel strebt er auf jeden Fall „ein Drittel des Marktes“ an. „Wir treten künftig mit noch besserer ,Bewaffnung‘ an“, sagt Trionow.

Orange-Diskonttochter Yesss! wird an A1 weiterverkauft
Der Deal steht noch unter Vorbehalt einer Genehmigung durch die Wettbewerbsbehörden in Österreich und Brüssel. Insbesondere bei der Abgabe von Frequenzpaketen an A1 bedürfe es „einer genauen Prüfung“, so T-Mobile-Chef Robert Chvátal. Der Abschluss der Transaktion (das sogenannte Closing) wird für Mitte 2012 erwartet.

Bis dahin bleibt auch Orange-Chef Michael Krammer noch an Bord. Wie viele der rund 800 Orange-Mitarbeiter gehen müssen, ist noch nicht klar. „3“ selbst hat aktuell 570 Mitarbeiter.

Wo der frühere Chef von Telekom Austria und A1, Boris Nemsic, die Vorteile der neuen Handy-Ehe sieht, im ÖSTERREICH-Interview.

ÖSTERREICH: Herr Nemsic, wie sehen Sie die nun bekannt gegebene Fusion von „3“ und Orange?
Boris Nemsic: Sehr positiv. Ich halte das für eine wirklich gute Sache, die die Grundlage für noch bessere Netze und weitere Investitionen schafft.
 

ÖSTERREICH: Was wird es für die Kunden bedeuten? Wird mobiles Telefonieren und Surfen jetzt teurer?
Nemsic: Es wird in Österreich auf jeden Fall weiterhin Super-Tarife geben. Der Wettbewerb hierzulande bleibt ja ein sehr scharfer, wird sich sogar verschärfen – künftig halt mit drei statt vier Playern.

ÖSTERREICH: Inwiefern wird der Wettbewerb noch schärfer?
Nemsic: Fix ist, dass der Kampf um Innovation und Qualität härter wird. Die Kunden werden davon auf jeden Fall profitieren. Zum einen durch bessere Netze, zum anderen durch immer neue Produkte. Und bei den Tarifen eben durch den nach wie vor sehr harten Wettbewerb.

ÖSTERREICH: Die lange heraufbeschworene Marktbereinigung findet nun endlich statt. Wie bewerten Sie das?
Nemsic: Durch die Fusion mit Orange wird „3“ zum potenten Player am Markt – damit gibt es künftig drei wirklich starke Anbieter. Das war im früheren Szenario von vier Netzbetreibern nicht der Fall. Und drei starke Mobilfunker werden die Investitionen ins Netz und in die Servicequalität vorantreiben – zum Vorteil der Kunden.

 

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