Goldpreis knackt eine Marke nach der anderen

Flucht aus Aktien

Gold erreicht erneut Rekordwert

Durch massive Goldkäufe der Notenbank steigt der Preis immer weiter.

Der Goldpreis hat am Freitag sowohl in US-Dollar als auch in Euro neue Höchststände erreicht und eilt auch in anderen Währung von Rekord zu Rekord. Am Spotmarkt wurden für die Feinunze (31,1 Gramm) über 1.867 Dollar bzw. 1.305 Euro bezahlt. In Japan kostet die Feinunze knapp 143.000 Yen, und die Briten bezahlen mit 1.131 Pfund ebenfalls einen Rekordpreis.

Verunsicherung an Börsen
Als Hauptgrund für die starke Goldnachfrage gilt die starke Verunsicherung an den internationalen Börsen. Am Donnerstag brachen die Aktienkurse weltweit weiter ein. Dazu kommen Rezessionsängste insbesondere in den USA. Deutlich wird der Zusammenhang, wenn man die Entwicklung des Goldpreises mit jener der Börsenindizes vergleicht: Während der Dow Jones seit Anfang Juni 13 Prozent einbüßte und der österreichische ATX sogar 26 Prozent, legte der Wert von Gold gegenüber dem US-Dollar im gleichen Zeitraum um 23 Prozent zu.

"Flucht"
"Der aktuelle Goldpreis signalisiert nicht nur eine merkliche, sondern eine sich verstärkende 'Flucht in Qualität'", kommentiert die deutsche NordLB die Entwicklung. Die Rendite 10-jähriger US-Treasuries sei am Donnerstag unter 2 Prozent gefallen, da sei es verständlich, wenn sich Investoren nach Alternativen umsehen würden. "Wir können uns vorstellen, dass der Hype in Richtung 2.000 Dollar je Feinunze weitergeht, halten diese rasante Entwicklung dennoch für bedenklich", so die Analysten der NordLB.

Die bereits im ersten Quartal 2011 starke Goldnachfrage hat sich im weiteren Jahresverlauf noch verstärkt und im zweiten Quartal 919,8 Tonnen erreicht, das entspricht einem Gesamtwert von 44,5 Mrd. Dollar. Zwar war der Goldabsatz im zweiten Quartal 2010 mit 1.107 Tonnen noch höher gewesen, wertmäßig war der Umsatz heuer jedoch um 5 Prozent höher. Das Gold-Angebot betrug im zweiten Quartal 2011 1.058 Tonnen - der Rückgang um 4 Prozent dürfte darauf zurückzuführen sein, dass die Notenbanken als Nettokäufer auftreten und im Zeitraum April bis Juni 2011 69,4 Tonnen Gold zugekauft haben. Dieser Trend dürfte sich auch in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen. Die Produktion der Goldminen stieg im zweiten Quartal um 7 Prozent auf 708,8 Tonnen.

Nachfrage soll halten
Die Goldproduzenten gehen davon aus, das die starke Nachfrage auch in der zweiten Jahreshälfte anhalten wird, wobei Indien und China die treibenden Kräfte sein dürften. Diese beiden Märkte stehen zusammen für 52 Prozent der Nachfrage nach Goldmünzen und -barren sowie für 55 Prozent der weltweiten Nachfrage nach Goldschmuck. In Indien war die Nachfrage im zweiten Quartal um 38 Prozent höher als im gleichen Quartal 2010, in China stieg sie um 25 Prozent. Dieses Wachstum werde sich angesichts des steigenden Wohlstands in diesen Ländern voraussichtlich fortsetzen, glaubt man im Branchenverband "World Gold Council" mit Sitz in London. Als weitere Goldpreis-Treiber gelten die europäische Schuldenkrise, Rating-Abstufung der US-Verbindlichkeiten, der Inflationsdruck sowie die nach wie vor unsicheren Aussichten für die Konjunkturentwicklung in den westlichen Industriestaaten.