Kurier-Chef Kotanko muss gehen

Chefwechsel

Kurier-Chef Kotanko muss gehen

Die Tageszeitung Kurier reagiert auf die sinkenden Leserzahlen: Chefredakteur Christoph Kotanko muss seinen Posten räumen. Das hat die Kurier-Führung am Montagnachmittag gemeinsam mit Gesellschaftern und Eigentümer-Vertretern beschlossen. Sein Nachfolger wird Medien-Unternehmer Helmut Brandstätter. Er soll ab August 2010 die redaktionelle Leitung beim Kurier übernehmen.

Die Kurier-Belegschaft wurde in einer Betriebsversammlung von der Personalrochade informiert. Kotanko soll künftig den Bereich „Neue Medien“ führen. In der Media-Analyse 2009 war der Kurier zuletzt nur noch auf 8,7 % Reichweite gekommen.

Langjähriger TV-Macher kehrt in Journalismus zurück

Helmut Brandstätter (55), langjähriger Fernseh-Macher und zuletzt mit einer eigenen Agentur als Kommunikationsberater tätig, kehrt ins Mediengeschäft zurück. Brandstätter, der zuletzt die Katholische Kirche in Sachen Krisen-PR rund um die Missbrauchsfälle beraten hatte, wird neuer Chefredakteur der Tageszeitung "Kurier". Auch wenn der gebürtige Wiener die vergangenen Jahre auf der "anderen Seite" verbrachte, verfügt er doch über langjährige journalistische Erfahrung.

Brandstätters journalistische Karriere startete - nach einem Studium der Rechtswissenschaften und dem Besuch der John-Hopkins-Universität in Bologna - 1982 in der Auslandsredaktion des ORF-Fernsehens. Zwischen 1984 und 1991 berichtete er als Korrespondent aus Bonn und Brüssel, bevor er 1991 die Leitung der Hauptabteilung Dokumentation übernahm. ORF-Sehern ist Brandstätter als Präsentator des Polit-Magazins "Report" in guter Erinnerung.

1997 verließ der Journalist den öffentlich-rechtlichen Sender, um in Berlin als Trouble Shooter die Geschäftsführung des Nachrichtensenders n-tv zu übernehmen. Bis zum Einstieg des Privatsenders RTL im Jahr 2003 war Brandstätter auch n-tv-Chefredakteur. Nach der Übernahme und den damit verbundenen Neustrukturierungen musste Brandstätter den Hut nehmen und kehrte nach Österreich zurück, wo er Mitte 2003 zum damals neu gestarteten Wiener Privatsender Puls TV stieß. Bis 2004 war er geschäftsführender Gesellschafter der Puls-TV GmbH und zeichnete für die Produktion der ProSieben Austria News verantwortlich. Ende 2004 trennte er sich einvernehmlich vom Sender, seit 2005 ist er als Kommunikations- und Medienberater tätig.

2006 bewarb sich Brandstätter, der mit der ORF-Journalistin Patricia Pawlicki verheiratet ist, für den Posten des ORF-Generaldirektors. Im Hearing vor dem ORF-Stiftungsrat hinterließ der parteiunabhängige Medienmacher einen guten Eindruck, die politischen Entscheidungen im Hintergrund waren jedoch längst für Alexander Wrabetz gefallen. Brandstätter widmete sich seiner Kommunikationsagentur BBC (Brandstätter Business Communications), daneben verfasste er das Sachbuch "Hör mir zu!" über moderne Kommunikationsmethoden.

Anfang vergangenen Jahres holte Brandstätter prominente Verstärkung an Bord seiner Kommunikationsagentur. Die PR-Profis Wolfgang Rosam und Dietmar Ecker beteiligen sich mit 25 Prozent bzw. 14 % an der BBC, zehn Prozent erwarb die Düsseldorfer Agentur Deekeling Arndt Advisors (DAA), Brandstätter selbst blieb mit 51 % Mehrheitseigentümer und Geschäftsführer. Jüngstes Einsatzgebiet des Kommunikators und Netzwerkers war die von Missbrauchsfällen gebeutelte Katholische Kirche. Brandstätter beriet nicht nur den Wiener Kardinal Christoph Schönborn in Sachen Krisen-PR, sondern auch die Opferschutzkommission der von Schönborn eingesetzten Opferanwältin Waltraud Klasnic.

Mitglied dieser Kommission ist mit Ulla Konrad, der Präsidentin des Berufsverbandes Österreichischer Psychologinnen und Psychologen, übrigens die Tochter von Raiffeisengeneralanwalt und "Kurier"-Aufsichtsratspräsident Christian Konrad. Der Raiffeisen-Boss bezeichnete Brandstätters Bestellung als gleichzeitige Erneuerung und Fortsetzung des "Kurier"-Qualitätskurses in Zeiten des medialen Umbruchs. Die Bestellung Brandstätters zum "Kurier"-Chefredakteur und Rückkehr in den Journalismus kam überraschend und ereilte den Kommunikationsberater, der am 24. April 1955 in Wien geboren wurde, quasi als verspätetes Geburtstagsgeschenk. Seine Anteile an der Kommunikationsagentur BBC wird Brandstätter nun verkaufen. "Selbstverständlich werde ich zu 100 % als Chefredakteur tätig sein."