Christoph Leitl

In unsicheren Zeiten

Leitl betont Wichtigkeit der Wirtschaftsethik

 WKÖ-Präsident ist grundsätzlich offen gegenüber der liberaleren Gewerbeordnung.

Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl (ÖVP) hat die Bedeutung der Wirtschaftsethik heute, Dienstag, bei einer hauseigenen Veranstaltung in Wien hervorgehoben. Für Änderungen der Gewerbeordnung sei er grundsätzlich offen, das duale Ausbildungssystem halte er aber für schützenswert. Leitl betonte auch erneut die Bedeutung eines "Marshall-Plans" für Afrika.

Zentrales Thema bei der Veranstaltung zum Thema Wirtschaftsethik war die Kultur von CSR (Corporate Social Responsibility) in Unternehmen. Leitl: "77 Prozent aller österreichischen Unternehmen leben CSR." Er unterstützt die Idee eines EU-finanzierten Marshall-Plans für Afrika. Jean Claude Juncker (Präsident der Europäischen Kommission, Anm.) wolle 44 Mrd. Euro mobilisieren, so der WKÖ-Präsident. Er sehe außerdem eine besondere Verantwortung Europas gegenüber Afrika aufgrund der Kolonialgeschichte.

Neben Leitl diskutierten unter anderem der katholische Diözesanbischof Alois Schwarz und der Grazer Universitätsprofessor für Ethik Leopold Neuhold. Für Schwarz hat sich unser Wirtschaftsverständnis - und dabei zitierte er den deutschen Philosophen Jürgen Habermas - aus "einem Erbe der jüdischen Gerechtigkeits- und der christlichen Liebeskultur entwickelt". Auf Nachfrage lehnte er das bedingungslose Grundeinkommen ab, er wolle keine wahllose Verteilung im Wohlfahrtsstaat, so der Bischof.

Drei große Herausforderungen

Für die Zukunft sieht Ethikprofessor Neuhold drei große Herausforderungen - die Globalisierung, die Flexibilisierung und die Technisierung unserer Gesellschaft. Diese drei Entwicklungen sollen Mittel sein, aber kein Ziel, betonte er. Auch die Wirtschaft ist für ihn ein Mittel, das den Menschen als Ziel hat.

Als Beispiel für ökonomisch effizientes Wirtschaften mit CSR-Philosophie stellte sich das Unternehmen Biogena mit Sitz in Salzburg vor. Julia Ganglbauer, CSR-Beauftragte ihrer Firma, kritisierte die bürokratischen Hürden in Österreich, beispielsweise bei der Einstellung von Flüchtlingen und kann sich Förderungen für CSR-orientierte Unternehmen vorstellen. Das Unternehmen ist in der Gesundheitsbranche tätig und erzielte 2015 einen Umsatz von 22 Mio. Euro.

Die Zusammenhänge zwischen Wirtschaft und Ethik im Vordergrund stehen sollten, betonten sämtliche Referenten.