Einspruch zeigt grobe Mängel in der Anklage auf

Libro-Anklage wackelt nach Einsprüchen

In der Causa Libro haben 2 der Angeklagten Einspruch gegen die Anklageschrift eingebracht. WU-Professor Christian Nowotny und Wirtschaftsprüfer Berhard Huppmann wollen die gegen sie erhobenen Vorwürfe nicht hinnehmen, berichtet die Tageszeitung "Die Presse". Vor allem der Einspruch von Huppmann könnte die gesamte Klage zum wackeln bringen.

Am kommenden Mittwoch sollen die Einsprüche dem Oberlandesgericht zugestellt werden. Es dürfte Monate dauern, bis darüber entschieden werde. Laut dem Sprecher des Landesgerichts, Hans Barwitzius, stellt sich die Frage, "ob die Einsprüche ausschließlich die beiden Personen betreffen oder ob damit die gesamte Anklage in Zweifel gezogen wird." In letzterem Fall müsste die Causa wohl neu aufgerollt werden.

Und genau danach sieht es laut dem Zeitungsbericht aus: Vor allem Wirtschaftsprüfer Huppmann habe offenbar keine Mühen gescheut, die Anklage quasi Wort für Wort zu "zerlegen". Sein 40-seitiger Einspruch soll laut Insidern "eine einzige Vernichtung der Anklageschrift" sein.

Er konzentriert sich im Kern auf die Frage, ob dem Wirtschaftsprüfer tatsächlich ein strafrechtlicher Vorwurf gemacht werden könne - immerhin habe er sich persönlich nicht bereichert. Darüber hinaus sollen seine Anwälte auch das Gutachten, auf das sich die Anklage stützt, in gravierenden Punkten infrage stellen. So seien demnach von den rund 60 Zeugen, die die Staatsanwaltschaft anführt, viele nicht einmal kontaktiert wurden.

Wie berichtet bezieht sich die auf Untreue, schweren Betrug und Bilanzfälschung lautende Anklage neben Ex-Libro-Chef Andre Rettberg auf den ehemaligen Finanzvorstand der Libro AG, Johann Knöbl, den Ex-Aufsichtsratsvorsitzenden Kurt Stiassny, Stiassnys Stellvertreter Christian Nowotny sowie den Wirtschaftsprüfer Bernhard Huppmann. Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung.