Kotanko: "Redaktionelle Führungsstruktur zu klein"

"Kurier" plant Verbreiterung der Chefredaktion

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Die Tageszeitung "Kurier" plant die Verbreiterung ihrer Chefredaktion. Darüber hinaus will man dem Aufsichtsrat der Tageszeitung, die mehrheitlich im Eigentum der Raiffeisen-Gruppe steht, in der kommenden Woche ein Struktur- und Personalkonzept vorlegen, das die Zukunft des Blattes absichern soll. Darüber informierten nach APA-Informationen "Kurier"-Chefredakteur Christoph Kotanko und Geschäftsführer Thomas Kralinger per Mail die Belegschaft.

Die dem "Kurier" via Mediaprint verbundene "Kronen Zeitung" berichtete zuvor von möglichen Veränderungen in der "Kurier"-Chefredaktion und brachte den bereits im Zuge der ORF-Debatte abwechselnd als Informations- und Kaufmännischen Direktor gehandelten ORF-NÖ-Chefredakteur Richard Grasl als neuen "Kurier"-Chefredakteur ins Spiel. "Der Standard" berichtete zugleich, dass die Personalabteilung des "Kurier" bei Journalisten der Jahrgänge 1953 und früher brieflich um Bekanntgabe des voraussichtlichen Pensionsantritts angefragt habe. Betriebsratschef Gerhard Krause sprach deshalb von einer "leichtfertigen" Aktion, die unnötig "Unruhe" erzeuge. Die "Kurier"-Belegschaft habe mit Verzicht auf Gehaltsbestandteile, Zulagen und Honorare für Beilagen ohnehin Sparwillen signalisiert, viel weniger gehe nicht mehr, sonst könne der "Kurier" seinen Qualitätsanspruch nicht mehr erfüllen.

Kotanko und Kralinger sehen diese Berichterstattung als weiteren erfolglosen Versuch, Unruhe in das Unternehmen zu tragen, wie es in dem internen Mail sinngemäß heißt. Die beiden stellten klar, dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten jedes Management zu vorausschauender Planung verpflichtet sei. Über die brieflichen Anfragen an jene Mitarbeiter, die ab 2013 theoretisch das Pensionsantrittsalter erreichen, seien sowohl der Betriebsrat als auch die Redaktion vorher informiert worden. Die Kritik des Betriebsratschefs bezeichneten Kotanko und Kralinger als unvollständig und unsachlich. Veränderungen in Struktur und Personal seien keinesfalls ein Angriff auf die journalistische Qualität, sondern Teil eines zukunfts- und expansionsorientierten Kurses.

Zur geplanten Verbreiterung der Chefredaktion erklärte Kotanko auf APA-Anfrage: "Richtig ist, dass die redaktionelle Führungsstruktur des 'Kurier' für eine so große Tageszeitung zu klein ist. Daher wird als weiteres Mitglied der Chefredaktion eine qualifizierte und unabhängige Persönlichkeit gesucht, eine Person mit Erfahrung und Erfolg im Mediengeschäft, die auch von der Redaktion anerkannt wird." Auf in Medien kolportierte Namen wollte sich der "Kurier"-Chefredakteur nicht einlassen. Offenbar wird - neben Kotanko - ein geschäftsführender Chefredakteur gesucht, ein Posten, der früher von Kotanko selbst bekleidet wurde und nach seiner Bestellung zum Chefredakteur nicht nachbesetzt wurde.

Gelassen reagierte der für ORF und "Kurier" kolportierte Grasl auf den "Krone"-Bericht. "Ich bin schon gewohnt, immer wieder für berufliche Positionen genannt zu werden. Ich selbst habe mich aber für nichts beworben", sagte er der APA.

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