Krise schlägt voll durch

Energie AG erwartet Einbruch bei Industriekunden

Die Oberösterreicher rechnen für das Geschäftsjahr 2009/10 mit einem 25-prozentigen Absatzminus bei Strom an ihre Industriekunden.

Schon 2008/09 sei der Bedarf der Großkunden um 18,5 % zurückgegangen, sagte Energie-AG-Generaldirektor Leo Windtner in Wien. Damit die Energieversorger auch in der Krise investieren können, müsse die Politik Taten folgen lassen.

Seit der Liberalisierung des Energiemarkts seien die Investitionsentscheidungen "in ein komplett neues Licht gerückt", so Windtner bei der 13. Handelsblatt Jahrestagung "Energiewirtschaft Österreich 2009". Investitionen in der E-Wirtschaft seien gekennzeichnet von hohen Volumina, langen Investitionszeiten und Nutzungsdauern sowie langen Rückzahlungsperioden. Dass für Erzeugung und Netz Geld in die Hand genommen werden müsse, sei jedenfalls unbestritten. Die heimischen EVU hätten derzeit 84 Projekte mit einem Volumen von 4,2 Mrd. Euro in Vorbereitung.

Rahmenbedingungen entscheidend

Ein wichtiger Einflussfaktor für Investitionsentscheidungen seien die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen wie das BIP, die Bruttoinvestitionen oder der Auftragseingang. Obwohl Ökonomen bei einigen Indikatoren schon wieder einen Aufwärtstrend sähen, herrscht für Windtner in puncto Wirtschaftsprognosen "absolute Unsicherheit". Zumal sich die angebliche Erholung bei den Absatzmengen der Energie AG nicht bemerkbar mache.

Seit April sei der Stromverbrauch bei den Industriekunden um 25 bis 30 % monatlich eingebrochen. Im Privatkundensegment habe es hingegen im abgelaufenen Geschäftsjahr einen leichten Anstieg gegeben. Durch die Struktur der Energie AG wirke sich der Absatzrückgang stärker im Ergebnis aus als bei anderen Energiekonzernen, die verhältnismäßig weniger Industriekunden haben.

Der Einbruch bei Mengen und Preis schwäche die Eigenfinanzierungskraft von EVU. Weil bei den meisten heimischen Energiekonzernen die öffentliche Hand Großaktionär ist, sei es mit Kapitalerhöhungen schwierig. Auch die Kreditfinanzierung und Projektfinanzierungen mit Risikobeteiligung von Fremdkapitalgebern seien nur begrenzt möglich. Attraktiv sei einzig die Finanzierung über Anleihen - aber nur bei guter Bonität. Mittlerweile seien hier die Risikoaufschläge (5-jährige Credit Default Swaps) wieder "beinahe auf Vorjahresniveau". Die Ratingagenturen seien aber deutlich vorsichtiger geworden. "Man ist sofort auf der Watchlist", sagte Windtner. Daher sei ein "solides A-Rating zwingendes Erfordernis".

Kritik an EU-Wasserrahmenrichtlinie

Beim Thema Rechtssicherheit hagelte seitens des Energie-AG-Chefs scharfe Kritik. Die Wasserrahmenrichtlinie etwa sei "letztlich eine tickende Zeitbombe, an der gearbeitet wird". Je nach Umsetzung drohten in Österreich bei bestehenden Anlagen Erzeugungsverluste von bis zu 1,8 TWh. Die neue Systemnutzungstarif-Verordnung (SNT-VO), nach der die EVU Netzverlustentgelte zu entrichten haben, bedeute für die E-Wirtschaft eine "deutliche Mehrbelastung".

Der Regulator sei "an Einfallsreichtum nicht zu überbieten", so Windtner in Richtung E-Control. Für die Energie AG bedeute die neue Verordnung eine Zusatzbelastung von rund 6 Mio. Euro pro Jahr, davon entfielen 2,1 Mio. Euro auf die kürzlich eröffnete Anlage Timelkam. Auch bei den Genehmigungsverfahren "muss etwas geschehen", urgierte Windtner.

Besonders eingeschossen hat sich der Energie-AG-Boss auf E-Control-Chef Walter Boltz: "Die Erwartungen, die Herr Boltz Monat für Monat zügelt, sind nicht erfüllbar." Die Aussagen des Regulators grenzten an "Rufschädigung für die gesamte Branche". Hier solle sich auch die Politik einschalten: "Warum brauchen wir mehrere Regulatoren?" Schließlich gebe es in anderen Ländern für Telekom, E-Wirtschaft und Co. nur eine Regulierungsbehörde. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (V) hingegen streute Windtner Rosen. Seine Haltung ginge "in die richtige Richtung". Nun müsse es an die Umsetzung gehen.